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Orte am unteren Niederrhein:

  BERGEN - WELL

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Das Dorf Well an der Maas

Well ist ein Ortsteil der Gemeinde Bergen in der niederländischen Provinz Limburg. Das kleine Dorf unweit der Grenze zu Deutschland zählt rund 2500 Einwohner. Sein beschaulicher historischer Ortskern, in dem sich noch mehrere schöne alte Gebäude erhalten haben, stößt unmittelbar an das Ufer der Maas ...
 
Mit diesen recht einfachen Sätzen hätte man beispielsweise auch den Anfang eines kleinen kompakten Lexikonartikels über das Dorf auskleiden können.


Ansicht der Maas vom Dorf


alter Bauernhof am Ortsrand


Reste der alten Vituskirche

Um etwas ausführlicher zu sein, hätte man aber auch "sein immer noch beschaulicher historischer Ortskern" schreiben können, denn der Zahn der Zeit und insbesondere der 2. Weltkrieg ist an Well nicht ganz spurlos vorüber gegangen. Dass hier von Ende 1944 bis Anfang 1945 die Frontlinie verlief und mörderische Gefechte ausgetragen wurden, kann man heute noch indirekt an den wenigen Resten der ehemaligen bzw. alten Vituskirche erkennen. Nach schweren Zerstörungen wurde sie in den Nachkriegsjahren nahezu vollständig abgetragen und an einer anderen Stelle in den 1950iger Jahren durch einen Neubau ersetzt. Ihren ursprünglichen Standort unmittelbar an der Maas kann man aber leicht entdecken, denn das ehemalige Kirchgelände wird von rund einen Meter hohen Begrenzungsmauern umschlossen, innerhalb derer sich immer noch der alte Friedhof, eine Kapelle aus dem Jahre 1857 mit einer imposanten Kalvariengruppe und Fundamentreste der zerstörten Kirche befinden. Diese Fundamentreste lassen den Grundriss des Gotteshauses im 17. Jahrhundert erkennen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die alte Vituskirche aber noch einmal umgestaltet und vergrößert. Reste dieses Bauwerks haben sich in den eben erwähnten Begrenzungsmauern erhalten, deren nord-südlicher Abstand die Breite des 1945 vernichteten Bauwerks anzeigt. Fünf Jahre später wurde direkt vor dem Kirchgelände die Vituskapelle errichtet. Dort stand bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges das Pfarrhaus.


Kalvariengruppe

Vituskapelle

Neue Vituskirche


Schloss Well: Hauptburg und vereinfachtes Schema der Gesamtanlage


Brücke über den äußeren Wassergraben

Das imposante Schloss Well, das sich zwischen dem alten Ortskern und einem größeren neuen Wohngebiet befindet, hat dagegen seit dem Spätmittelalter allen Stürmen der Zeit getrotzt. Einen gewissen Beitrag dazu hat sicherlich auch der breite Wassergraben geleistet, der den gesamten architektonischen Komplex aus Haupt- und Vorburg umgibt. Über eine Brücke an der Kasteellaan erreicht man zunächst das Gelände der Vorburg und trifft unmittelbar auf ein 1609 errichtetes Gebäude mit geschwungenem Giebel. Es wird Tiendschuur genannt: Hier wurden in früheren Zeiten die Naturalabgaben der Untertanen an den Schlossherren gelagert. Nach ein paar weiteren Schritten gelangt man zum Tor der eigentlichen Vorburg. Die dreiflügelige Anlage diente früher als Wirtschaftstrakt des adeligen Anwesens. Sie öffnet sich hufeisenförmig zur Hauptburg, die ihrerseits nochmals von einem Wassergraben umgeben wird. Das auf diese Weise besonders geschützte Herrenhaus wurde als vierflügeliges Gebäude mit Innenhof errichtet, dessen auffälligster architektonischer Bauteil sicherlich der mächtige runde Eckturm ist. Er wird von einer großartigen geschweiften Haube gekrönt. Diese barocke Turmspitze stammt aus dem 17. Jahrhundert, als das Schloss im wesentlichen sein heutiges Aussehen erhielt. Seit 1986 gehört das alte Gemäuer übrigens dem Emerson College aus Boston. Studenten aus den Vereinigten Staaten können hier ein Auslandssemester verbringen.


Eingang und Tiendschuur (links), Portal der Vorburg (rechts)

Bilder aus dem
historischen Ortskern von Well:





Zwei kleinere Sakralbauten in der unmittelbaren Umgebung von Well gehören ebenfalls zu den ältesten lokalen Gebäuden. Einen halben Kilometer östlich des alten Ortskernes liegt unweit des Maasufers in freier Landschaft die wohl im 17. Jahrhundert errichtete Marienkapelle. Das recht schlichte, aus Backsteinen aufgemauerte Heiligenhäuschen verfügt über einen segmentbogigen, übergiebelten Eingang und bietet nur für einen einzigen knienden Besucher bzw. Beter genügend Platz. Die im Jahre 1715 gestiftete Rochuskapelle ist dagegen um ein vielfaches größer. Ihre Hauptfassade wurde sogar recht aufwändig gestaltet: Unmittelbar oberhalb der waagerechten Verdachung des Eingang wurde eine Nische zur Aufnahme einer Rochusskulptur eingelassen. Darüber befinden sich zwei segmentbogige Fenster und ein  breites Gesims. Den Abschluss der Hauptfassade bildet ein von einem kleinen Rundfenster durchbrochener Schweifgiebel. An der dreiwändigen Rückseite der Kapelle fallen außerdem noch in einer Wandvertiefung Teile eines alten Sakramentshauses auf, das ursprünglich aus der alten Vituskirche in Well stammt. Bemerkenswert ist schließlich auch noch der kleine Dachreiter, der als Glockentürmchen dient.


Marienkapelle (1. Foto links) und mehrere Ansichten der Rochuskapelle


Leukermeer

Die Rochuskapelle befindet sich nur einen Steinwurf entfernt vom südwestlichen Ufer des Leukermeers. Der ehemalige Baggersee mit Anschluss an die Maas ist nordwestlich von Well ab der Mitte der 1960iger Jahre durch Kies- und Sandabbau entstanden und wird heute als Naherholungs- und Wassersportgebiet mit vielen Freizeit- und Unterbringungseinrichtungen genutzt. Dazu zählen auch ein Schwimmbad und ein Sandbadestrand. Ein schmaler Kanal verbindet das Leukermeer mit einem weiteren ehemaligen Baggersee, dem Reindersmeer. An diesem See darf allerdings weder gebadet noch Wassersport betrieben werden, weil er schon inmitten des Nationalparks De Massduinen liegt. Über dem Schleusenbecken des Verbindungskanals spannt sich das so genannte Besucherzentrum De Maasduinen, ein Bauwerk aus Stahl und Glas mit Rasendach, in dem neben einem gastronomischen Betrieb eine anschauliche Ausstellung über die Lebensräume und Tier- und Pflanzenwelt der wunderbaren Nationalpark- bzw. Maasdünenlandschaft untergebracht ist. Vom Besucherzentrum aus kann man übrigens auch zu einer längeren Wanderung rund um das Reindersmeer bzw. durch den Nationalpark aufbrechen.


Besucherzentrum De Maasduinen (im Hintergrund das Reindersmeer)

Ganz andere Ausstellungen bietet das World Art House, das rund 500 Meter außerhalb des alten Ortskerns von Well an einer Straße namens Elsteren liegt. Dabei handelt es sich - nomen est omen - um ein Haus mit Galerie und Skulpturengarten, in dem zeitgenössische fremdländische Kunstwerke besonders aus Afrika und Australien im Mittelpunkt stehen. Eine Ansicht des World Art House zeigt das Foto auf der rechten Seite.

 

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