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  DUISBURG - HOMBERG

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Homberg am Rhein

Der hier vorgestellte Duisburger Stadtteil liegt unmittelbar am westlichen Ufer des Rheins zwischen der Friedrich-Ebert-Brücke, die Ruhrort mit Homberg verbindet, und der Neuenkamper Brücke, über die die Autobahn 40 führt. Diese beiden Brücken sind übrigens nicht die einzigen nennenswerten auf dem Gebiet von Homberg. Insgesamt 4 von ihnen sollen hier im folgenden kurz beschrieben werden:


Friedrich-Ebert- und Neuenkamper Brücke

  • Die Friedrich-Ebert-Brücke: Die 600 Meter lange Hänge- bzw. Zügelgurtbrücke über den Rhein, die die Landesstraße 140 trägt, wurde zwischen 1951 und 1954 errichtet. Sie ersetzte die vorher an gleicher Stelle erbaute, jedoch leider kriegszerstörte Admiral-Scheer-Brücke vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

  • Die Neuenkamper Brücke: Das Bauwerk aus den Jahren 1966 bis 1971 überspannt ebenfalls Deutschlands bekanntesten Fluss. Über die fast 800 Meter lange Schrägseilbrücke mit zwei 50 Meter hohen Pylonen rollt der Verkehr der A 40.

  • Die Hubbrücke über den Rheinpreußenhafen stammt aus den Jahren 1931 und 1932. Die 75 Meter lange und 5 Meter breite Stahlfachwerkbrücke mit Holzfahrbahn ist heute nur noch für Fußgänger und Zweiräder zugelassen.

  • Die Stadthafen- bzw. Eisenbahnhafenbrücke: Sie wurde als Anschlussbrücke an die 1945 zerstörte Admiral-Scheer-Brücke über den ehemaligen Eisenbahnhafen in Homberg errichtet. Die zweigliedrige, leicht abgeschrägte Stahlfachwerkkonstruktion überspannte in früheren Zeiten nicht nur das Hafenbecken, sondern auch Eisenbahngleise.


Brücken über den Stadt- (oben) und Rheinpreußenhafen (unten)

Der eben erwähnte Stadthafen wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, als man sich entschlossen hatte, zwischen Homberg und Ruhrort eine ständige Eisenbahnfährverbindung einzurichten. Zuerst wurden die Waggons nur auf einer geneigten Rampe zur Fähre hinab gelassen. Zwischen 1854 und 1856 wurde dann noch an beiden Rheinufern jeweils ein Turm mit einer hydraulischen senkrechten Waggonhebervorrichtung errichtet, die den Höhenunterschied zwischen den Gleisen und der Fähre überbrückte. Durch den Bau dieser Hebetürme wurde der Trajektbetrieb sicherer und konnte auch bei Hochwasser gewährleistet werden. Während der folgenden Jahrzehnte entstanden aber nach und nach die ersten Rheinbrücken in der Umgebung. Spätestens mit der Eröffnung der oben erwähnten Admiral-Scheer-Brücke 1907 wurde der Fährbetrieb, der zuletzt wahrscheinlich nur noch Personen beförderte, endgültig eingestellt. Glücklicherweise wurde der Homberger Hebeturm nicht in den 1970iger Jahren abgerissen und kann somit als außergewöhnliches technisches Denkmal die historische Industriekulturlandschaft am Niederrhein und an der Ruhr weiterhin bereichern.

  Homberger Hebeturm

Nur ein paar hundert Meter weiter nördlich ragt ein weiterer sehenswerter Backsteinturm in die Höhe. Er gehört zur evangelischen Rheinkirche, die zwischen 1893 und 1895 im neugotischen Stil erbaut wurde. Ein weiterer kulturhistorisch bedeutender Sakralbau in Duisburg-Homberg ist die katholische Kirche St. Johannes. In ihrer heutigen Gestalt wurde sie nach und nach in den Jahren zwischen 1872 und 1903 ebenfalls im neugotischen Stil errichtet.


evangelische Rheinkirche, katholische Johanneskirche und Grabstätte auf dem Alten Friedhof

Friedhöfe wurden um die beiden Kirchen schon nicht mehr angelegt. Stattdessen ließ man seine Angehörigen von 1870 bis 1930 auf einem großen kommunalen Friedhof am Ortsrand, dem so genannten Alten Friedhof an der heutigen Friedhofsallee, bestatten. In den 1950er Jahren wurde der Alte Friedhof schließlich zu einen recht ansehnlichen Park umgestaltet. Die schönsten Grabsteine blieben dabei an Ort und Stelle. Unmittelbar westlich grenzt der so genannte Ehrenfriedhof an, auf dem Tote aus den beiden Weltkriegen beigesetzt wurden. Architektonisch sehenswert ist auf diesem Gelände die 1928 eingeweihte achteckige Gedächtnishalle, in deren Inneren eine Bronzeskulptur eines dahin gesunkenen Mannes aufgestellt ist. Vorbild für diese Skulptur des Bildhauers Hubert Netzer war unübersehbar die berühmte antike Plastik des Sterbenden Galliers. Ein anderen Zeitgeist zeigt das Kriegerdenkmal am Rheinufer neben der Neuenkamper Brücke. Die gefallenen Soldaten der siegreichen Feldzüge in den Jahren 1866 und 1870/71 werden hier durch eine selbstbewusst und stolz kämpfende Germania geehrt (siehe Foto links). Das Denkmal wurde übrigens 1887 eingeweiht.


Gedächtnishalle und Bronzeskulptur



Eine weitere beachtliche Skulptur in Homberg findet man auf dem Bismarckplatz. Dort schmückt eine Glücksgöttin den schönen Marktbrunnen, den man ursprünglich 1912/13 erbauen und 1990 schließlich rekonstruieren ließ. Zwischenzeitlich war er nämlich ganz verschwunden, denn 1940 wurde zuerst die Glücksgöttin als Metallspende für die Wehrmacht demontiert und 1955 der restliche Brunnen im Rahmen einer Platzneugestaltung abgetragen, genau 1100 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung von Homberg im Jahre 855. Wie dem auch sei: Heute steht der Brunnen wieder an seiner alten Stelle und die Glücksgöttin kann weiterhin positiv auf die Entwicklung des Ortes einwirken. Früher dachte man dabei besonders an das gute Gedeihen der Landwirtschaft, der Schifffahrt, des Bergbaus und der Industrie, wie es die 4 quadratischen Relieftafeln am Brunnen unter der Glücksgöttin erahnen lassen.


Marktbrunnen auf dem Bismarckplatz mit Bergbau-Relieftafel und Malakowturm der Zeche Rheinpreußen

Der Kohleabbau wurde allerdings auf Homberger Gebiet schon 1925 nach rund 60 Jahren eingestellt. Endgültig aufgegeben wurden die beiden Schächte Rheinpreußen I/II aber erst 1953 bzw. 1960. Lediglich der Malakowturm aus dem Jahre 1879 über Schacht 1 und der Rheinpreußenhafen als ehemaliger Kohleumschlagsplatz sind als sichtbare Spuren früherer Kohleförderung übrig geblieben. Als Industriestandort hat sich Homberg dagegen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts behaupten können. Die seit 1892 unmittelbar am Rheinufer ansässige Sachtleben Chemie GmbH kann man aufgrund ihrer großen und weitläufigen Produktionsstätten schon fast als das Wahrzeichen des Duisburger Stadtteils bezeichnen. Ebenfalls am Ufer des Rheins liegt seit 1907 ein großes Kornmühlenwerk, das heute unter dem Namen Plangemühle Homberg firmiert.


Sachtleben Chemie GmbH und Plangemühle

Im Zuge der Industrialisierung während des 19. Jahrhunderts entstanden Werks- bzw. Zechensiedlungen, die Einwohnerzahl von Homberg wuchs erheblich und aus dem Dorf am Niederrhein wurde 1921 offiziell eine Stadt, die bis zur Eingemeindung nach Duisburg im Jahre 1975 selbständig blieb. Die nicht wenigen, teils schäbigen Nachkriegsbauten hat Homberg indirekt dem so genannten großen Zechensterben ab dem 1960iger Jahren zu verdanken, als die durchaus ansehnlichen Werkssiedlungen aus der Zeit um 1900 an Spekulanten verschleudert und daraufhin großflächig abgerissen wurden. Dafür wurden dann eher hässliche, aber gewinnbringende Mietskasernen und Hochhäuser errichtet, die den betroffenen Gebieten den Charme einer DDR-Plattenbausiedlung verleihen. Durch den massiven Widerstand der Bevölkerung, wobei man auch zum Mittel des Hungerstreiks griff, wurde dieser Trend letztlich dann doch glücklicherweise gestoppt. Die übrig gebliebenen 400 Bergarbeiterwohnungen der historischen Rheinpreußensiedlung stehen heute sogar unter Denkmalschutz. Viele weitere ansehnliche Wohngebäude vergangener Zeiten finden sich u. a. auch im ehemaligen städtischen Zentrum um den Bismarckplatz.


Historische Gebäude in der Rheinpreußensiedlung, Innenstadt und Wilhelmallee


Rheinvorland nördlich des Rheinpreußenhafens

Dass der Blick auf den Rhein mit seinen Brücken und seinen vorbeiziehenden Frachtschiffen ebenfalls eine lokale Sehenswürdigkeit ist, muss eigentlich nicht in besonderer Weise erwähnt werden. Landschaftlich recht reizvoll ist das Gebiet nördlich des Rheinpreußenhafens mit seinen weitläufigen grünen Wiesen, vereinzelten Bäumen und Deichen. Hier am so genannten Homberger Rheinvorland trifft der ländlich geprägte Niederrhein auf das städtische Ruhrgebiet. Eine genaue Grenze zwischen beiden Regionen lässt sich aber nicht feststellen. Vielmehr greifen sie in Duisburg ineinander.


Homberg und die Neuenkamper Rheinbrücke

 

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