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  GELDERN - WALBECK

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Spargeldorf Walbeck

Es gibt wohl kaum eine längere Beschreibung von Walbeck, die sich nicht in irgendeiner Weise mit dem lokalen Spargelanbau beschäftigt. Schließlich kann sich das Dorf ja bei seinem selbst gezogenen Gemüse auch für eine gewisse überregionale Bekanntheit bedanken. Der berühmte Walbecker Spargel wird nicht nur in die nahe und ferne Umgebung exportiert, sondern gelangt in ortsansässigen Restaurants auch direkt in die Mägen der zahlreichen Spargeltouristen, die besonders während der Erntezeit in das beschauliche 5000-Einwoher Dorf am Niederrhein einfallen.


Denkmal für Major Klein-Walbeck

Die Tradition des lokalen Gemüsespargelanbaus ist noch gar nicht so alt, denn sie wurde erst in den 1920iger Jahren von Major Dr. Klein-Walbeck begründet. 1929 schloss er sich schließlich mit weiteren Dorfbewohnern zu einer Spargel-Genossenschaft für Walbeck und Umgebung zusammen, die noch heute besteht. 10 Jahre später wurde dem bereits verstorbenen Major ein Denkmal errichtet, das ihn und seine Verdienste um den örtlichen Spargelanbau rühmt. Es steht in einem kleinen Park zwischen dem Bergsteg und dem Grenzweg.
Die fassbare Geschichte des Dorfes Walbeck beginnt natürlich nicht erst mit dem Spargelanbau, sondern reicht noch deutlich weiter bis ins Mittelalter zurück. Eine erste Erwähnung des Ortsnamen lässt sich in einem Dokument aus der Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisen.


Schloss Walbeck: Ansicht der Hauptburg

1403 wird schließlich auch das so genannte Schloss Walbeck, eine ehemalige Wasserburg am heutigen nördlichen Dorfrand, erstmalig in einer mittelalterlichen Urkunde genannt. Der herrschaftliche Gebäudekomplex gliedert sich in eine mit Ecktürmen geschmückte Hauptburg, deren vier Flügel einen quadratischen Innenhof umschließen, und in eine unmittelbar davor liegende hufeisenförmige Vorburg. Das Schloss ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach baulich verändert worden. Dennoch stammen die wesentlichen Baustrukturen der Hauptburg noch aus dem 14. Jahrhundert, während die Vorburg ihre heutige Gestalt erst im 18. und 19. Jahrhundert erhielt.

   Haus Steprath (Haupthaus)

Ein weiteres bemerkenswertes altes Adelsgemäuer ist Haus Steprath, das sich ungefähr einen Kilometer außerhalb von Walbeck in einem Wald befindet. Es besteht ebenfalls aus einer Vorburg und einem Haupthaus. Bei der Vorburg handelt es sich um einen zweiflügeligen Wirtschaftsbau mit einem Torturm. Auf einem prachtvollen Wappenstein über dem Tor kann man die Jahreszahl 1698 lesen. Somit ist es nahe liegend, die Vorburg in ihrer heutigen Gestalt ins 17. Jahrhundert zu datieren. Die ineinander verschachtelten Gebäudetrakte des imposanten turmgeschmückten Haupthauses lassen auf keinen ursprünglichen Gesamtentwurf schließen und stammen daher aus unterschiedlichen Zeiten. Die ältesten noch erhaltenen Gebäudeteile dürften wohl noch aus dem 16. Jahrhundert stammen.


Steprather Mühle und Kokerwindmühle

Ein Besitzer des Herrenhauses hieß übrigens Dietrich von Steprath. Er kaufte 1647 eine heute noch vorhandene Turmwindmühle in Walbeck, die schließlich nach ihrem ehemaligen Eigentümer benannt wurde. Die Steprather Mühle wurde wohl in der Zeit um 1500 errichtet und zählt somit zu den ältesten Windmühlen am Niederrhein. Sie ist auch heute noch im vollen Umfange funktionsfähig. Im benachbarten, 1995 erbauten Backhaus wird das gemahlene Getreide zu Brot und Kuchen weiterverarbeitet und an Ort und Stelle verkauft. Die ebenfalls hübsche Kokerwindmühle in Walbeck ist heute allerdings nicht mehr in Betrieb. Sie wurde im 18. Jahrhundert in den Niederlanden erbaut und 1823 an ihre jetzige Stelle versetzt. Ihre Bedeutung als ein historisches Kulturdenkmal wird noch dadurch gesteigert, dass sie die einzige ihrer Bauart im Rheinland ist. Die Niederlande sind jedoch sehr nahe: eine baugleiche Kokerwindmühle steht z. B. in Berg en Dal, einer Nachbargemeinde von Kranenburg.

 
Nikolauskirche

Neben den beiden Mühlen bestimmt auch der hohe Turm der Nikolauskirche die Silhouette des Dorfes Walbeck. Der mit Ausnahme der Turmuntergeschosse in Backstein errichtete gotische Bau stammt wohl noch aus dem 15. Jahrhundert. Zu den schönsten Ausstattungsstücken im zweischiffigen Innenraum zählt auch eine barocke Orgel aus dem Jahre 1752, die ursprünglich für das Kreuzherrenkloster in Venlo erbaut wurde. An ihren heutigen Standort gelangte die Orgel aber erst im Jahre 1803 nach der Schließung des Klosters. Unterhalb bzw. im Schatten des Kirchturms steht noch ein kleineres sehenswertes Gotteshaus, das direkt an den rechteckigen Marktplatz in Walbeck grenzt. Die Luziakapelle ist ein turmloser, mit einem Glockendachreiter geschmückter einschiffiger Backsteinbau aus dem 16. Jahrhundert. In seinem Inneren sind noch ursprüngliche Wandmalereien vorhanden.

 
Luziakapelle und Marktplatzhäuser

Außerhalb des Ortszentrums von Walbeck trifft man außerdem noch auf zwei kleine sehenswerte Wege- bzw. Flurkapellen. Das so genannte Josefskapellchen steht heute allerdings unmittelbar am nördlichen Ortsrand. Der kleine neugotische Backsteinbau wurde 1875 errichtet. Ein weiteres, ungefähr zur gleichen Zeit entstandenes Kapellchen säumt die Straelener Straße südlich von Walbeck. Das kleine sakrale Bauwerk wird von Feldern, Weiden, Bauernhöfen und Gartenbaubetriebe umringt, die neben den schon angesprochenen Wäldern auch an anderen Stellen die landschaftliche Umgebung von Walbeck prägen. Im Umkreis des Dorfes findet man auch einige schöne alleinstehende Bauernhäuser aus alten Zeiten.


Josefskapellchen, Kapelle an der Straelener Straße, altes Bauernhaus und Gartenbaubetrieb

Unter den alten Bauwerken im Ortskern wird auch dem Alten Pastorat eine besondere kulturhistorische Bedeutung beigemessen. Das weiß verputzte zweigeschossige Gebäude mit geschwungenem Giebel und Eckfilialen an der Südseite lässt sich in das frühe 17. Jahrhundert datieren. Zu den vielen weiteren interessanten Beispielen alter Architektur in Walbeck zählen u. a. auch ein 1715 erbautes Wohnhaus in der Luciastraße und ein reich geschmücktes Giebelhaus aus dem 19. Jahrhundert in der Hochstraße (siehe die folgenden Fotos). Ein relativ großes, weiß angestrichenes Gebäude am Marktplatz gibt sich durch eine Inschrift über dem Eingang als Alte Bürgermeisterei zu erkennen. Es wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als Teil eines landwirtschaftlichen Anwesens errichtet, das aber über einen längeren Zeitraum auch eine Amtsstube des Walbecker Bürgermeisters beherbergte. Einen solchen kann man heute nicht mehr wählen, denn im Jahre 1969 wurde das Dorf nach Geldern eingemeindet.


Altes Pastorat, Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert (oben),
die Alte Bürgermeisterei, Grenzstein und Gedenktafel für das Befehlszelt der Alliierten (unten)

Vor der Alten Bürgermeisterei wurde im Jahre 2002 ein alter Grenzstein aus dem Jahre 1818 aufgestellt. Er diente früher in der Nähe von Walbeck als unmittelbar sichtbares Zeichen der Beschlüsse des Wiener Kongresses 1814/15 und markierte somit die neu festgelegte Grenze zwischen den Niederlanden und dem damaligen Deutschen Bund, die eine Kanonenschusslänge östlich von der Maas verlaufen sollte. Daher wurde Arcen an der Maas den Niederlanden, das benachbarte Walbeck aber dem Deutschen Bund zugeschlagen. Über diesen Grenzeabschnitt fielen 1945 alliierte Truppen in Deutschland ein und errichteten auf dem Walbecker Schulhof ein Befehlszelt, in dem sich Churchill, Eisenhower und Montgomery am 24. März trafen, um die weiteren Invasionspläne zu erörtern. Eine Gedenktafel an dem Gebäude Walbecker Straße 13 erinnert an den sicherlich denkwürdigen Tag, an dem das Dorf plötzlich für kurze Zeit einmalig im Mittelpunkt des Weltgeschehens stand. Andere örtliche Geschichtsdaten haben allerhöchstens lokale Bedeutung. Dazu gehören z. B. die schon erwähnte Eingemeindung nach Geldern im Jahre 1969 und auch die 1973 erfolgte Eröffnung des Waldfreibads.

 

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