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  KALKAR - APPELDORN

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Appeldorn - ein typisches Dorf am nördlichen Niederrhein

Im zweiten Geheimnis von Fátima steht: "Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen." Als die Fatimakapelle in der Bauerschaft Kiers bei Appeldorn 1953 errichtet wurde, lagen die Schrecken und Grauen des 2. Weltkrieges gerade einmal 8 Jahre zurück. Sicherlich war auch eine stark ausgeprägte Friedenssehnsucht ein wichtiger Anlass zum Bau dieses kleinen sakralen Bauwerks. Schon 1948 hatten der Landwirt Wilmsen und seine Frau an gleicher Stelle ein Wegekreuz aus Dankbarkeit für die Errettung von Familie und Hof im Krieg aufstellen lassen, das schließlich über dem Eingang zur Kapelle angebracht wurde. Dieser Standort für das kleine sakrale Gebäude bzw. das Wegekreuz vor dem Bebberhof war übrigens nicht vom Zufall bestimmt: Bis 1948 befanden sich dort nämlich die Wiesengräber von Generalmajor Rennie und Seargant Miller, die beim Rheinübergang der alliierten Truppen getötet bzw. tödlich verwundet worden waren.


Fatimakapelle (oben),
Eingang zur Fatimakapelle in Kiers (links) und Marienkapelle in Appeldorn (rechts)

Während in der Bauerschaft Kiers bei der Invasion der Alliierten kein Schaden angerichtet wurde, musste das Dorf Appeldorn im Februar 1945 jedoch einige Zerstörungen hinnehmen. Die aus dem 15. Jahrhundert stammende spätgotische Lambertuskirche wurde von den sich zurückziehenden deutschen Truppen größerenteils gesprengt. Vom ursprünglichen Kirchbau blieb beim Wiederaufbau im wesentlichen nur noch der Chor erhalten. Das anschließende Langhaus wurde durch einen modernen polygonalen Zentralbau mit Zeltdach ersetzt. Außergewöhnliche bzw. nicht traditionelle Kirchbauproportionen weist auch der neu gebaute Turm auf, denn sein eher niedriger Schaft trägt einen doppelt so hohen Spitzhelm. Von der alten Ausstattung der Lambertuskirche ist u. a. noch ein Schnitzaltar aus der Zeit um 1530 vorhanden. Als ein weiteres interessantes Sakralgebäude in Appeldorn darf man gewiss ebenfalls eine kleine hübsche Marienkapelle bezeichnen, die sich unmittelbar an der Kreuzung der Reeser Straße mit dem Eselsweg befindet.


Lambertuskirche in Appeldorn

Die wahrscheinlich schönste lokale Sehenswürdigkeit in Appeldorn ist das Haus bzw. die Burg Boetzelaer am nördlichen Ortsrand, die in recht idyllischer Umgebung an den Resten eines immer noch wasserführenden Altrheinarm liegt. Wie die Lambertuskirche hat die einst prächtige mittelalterliche Wasserburg die Wirren der Zeit nur in einer erheblich reduzierten und veränderten Gestalt überdauert. Dazu haben mehrere Umbauten bis zum 19. Jahrhundert, starke Zerstörungen am Ende des 2. Weltkrieges und schließlich eine rund 50 Jahre dauernde Vernachlässigung der Ruine beigetragen. So ist z. B. der hohe Bergfried, der auf einer Zeichnung aus dem Jahre 1716 noch abgebildet ist, heute nicht mehr vorhanden. Es ist aber besser und hilfreicher, das zu beschreiben, was von der einstigen Wasserburg noch übrig geblieben und mittlerweile vorbildlich restauriert ist. Und das kann sich durchaus sehen lassen! Über den schmalen Anfahrtsweg, der in die Reeser Straße einmündet, gelangt man zuerst zur so genannten Vorburg. Dabei handelt es sich um ein Ensemble aus drei eingeschossigen, weiß verputzten und hufeisenförmig angeordneten Gebäuden, die zusammen mit einer Mauer einen kleinen Hof umschließen. An den östlichen Gebäudeflügel schließt sich noch ein zweigeschossiger, ebenfalls weiß verputzter Turm an. Mit der viel größeren mittelalterlichen Vorburg hat diese recht hübsche architektonische Anlage allerdings nur noch wenig gemeinsam. Vielmehr ist sie das Ergebnis eines tief greifenden Umbaus aus dem frühen 19. Jahrhundert und einer damit einhergehenden Umgestaltung zu einem kleinen Wirtschaftshof.


Vorburg (oben und unten links) und Hofseite der Hauptburg (unten rechts)

Zur gleichen Zeit erfuhr auch die imposante Hauptburg eine weit reichende Veränderung und Reduzierung ihrer Baugestalt. Glücklicherweise hat der nordwestliche, aus dem Mittelalter stammende Querflügel einschließlich eines Eckturmes alle Umbauten, die Zerstörungen des 2. Weltkrieges und den langen Verfall in der Nachkriegszeit überdauert. Außerdem ist noch der Südflügel, ein klassizistischer Neubau aus der Zeit um 1830, teilweise vorhanden. Bei der Wiederherstellung der Hauptburg in den Jahren 1997 bis 2003 wurde er giebelseitig mit einer modernen Glasfassade abgeschlossen. Die Innenräume des alten Adelsgemäuers in Appeldorn wurden ebenfalls instand gesetzt und stehen heute für vielfältige Veranstaltungen und Übernachtungen der Öffentlichkeit zur Verfügung.


altrheinseitige Ansicht der Burg Boetzelaer





Gebäude aus unterschiedlichen Epochen in Appeldorn

In der Mitte des 13. Jahrhunderts werden die Burg Boetzelaer, Anfang des 12. Jahrhunderts die Lambertuskirche übrigens erstmalig in schriftlichen Urkunden erwähnt. Die beiden Gebäude mit der längsten lokalen Tradition verweisen also auf eine mindestens 800 Jahre alte Besiedlungs- bzw. Ortsgeschichte von Appeldorn. Außerdem sind noch mehrere alte, recht ansehnliche Bauernhöfe und Bauernkaten aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten. Unmittelbar nördlich und südlich der Reeser Straße werden die alten Gemäuer heute allerdings von einer Vielzahl moderner Gebäude, hauptsächlich von Einfamilienhäusern, umzingelt. Wie in vielen anderen Orten am Niederrhein kann man also auch in Appeldorn nach dem 2. Weltkrieg eine erhebliche Zunahme der Einwohnerzahlen registrieren, die sich nur durch Ausweisung neuer Wohnbauflächen realisieren ließ. Trotz dieser Expansion zu einem 2000-Einwohner-Dorf ist das Ortsbild glücklicherweise doch noch dank des hohen Baumbestandes sehr grün geblieben. Einen gewissen Beitrag zu dieser kleinen Bevölkerungsexplosion wird sicherlich auch die in der Mitte der 1970iger Jahre errichtete Zuckerfabrik am nordöstlichen Ortsrand geleistet haben. Ihr rund 130 Meter hoher, weithin sichtbarer Schornstein will jedoch nicht wirklich in die dörflich und landwirtschaftlich geprägte Umgebung von Appeldorn passen. Andererseits kann man aber auch nicht von einer eindringlichen Störung des Landschafts- bzw. Ortsbildes durch eine Fabrik wie beispielsweise in Ossenberg sprechen.


Schafe auf einer Weide nahe der Kirche und die Zuckerfabrik

Landschaftlich besonders wertvoll in Appeldorn ist das Naturschutzgebiet Boetzelaerer Meer. Bei diesem Gewässer handelt es sich um die oben schon erwähnten Überbleibsel eines Altrheinarms, der auf einer Länge von 1,5 Kilometern parallel zur Bundesstraße 57 verläuft. Sein südöstliches Ende wird von der Burg Boetzelaer gesäumt. Die stark schwankenden Wasserstände des Boetzelaerer Meeres bieten u. a. vielfältige Lebensräume für Schlammfluren.

  Boetzelaerer Meer

 

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