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Orte am unteren Niederrhein:

  KALKAR - GRIETH

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Hansestadt Grieth - ein Dorf am Rhein


Blick auf den Rhein

Wenn man heute das beschaulich kleine Grieth betritt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass das 1000-Einwohner-Dorf am Rhein früher einmal eine selbständige Stadt und ein bedeutender Handelsplatz war. Dieser glückliche Umstand beruhte im besonderen Maße auf der tatkräftigen Förderung des Ortes durch die Klever Grafen und Herzöge, die sich von der Anlage einer Hafenstadt nahe ihrer Residenz wirtschaftliche und politische Vorteile versprachen. Und so spiegelt sich diese Förderung vornehmlich in der Stadtrechtsverleihung an Grieth im Jahre 1250 durch Graf Dietrich VI. wider. 1472 folgte dann die Gewährung von Zoll- und Stapelrechten. Wohlstand und wirtschaftliche Bedeutung kulminierten schließlich im 16. Jahrhundert, als Grieth Mitglied in der Hanse war. Mit dem Niedergang der Hanse und dem 80-Jährigen-Krieg (1568-1648) verlor der Ort schnell an Bedeutung. In den darauf folgenden Jahrhunderten kann man wohl eher von einem kleinen Fischerdorf als von einer bedeutenden Handels- bzw. Hafenstadt am Rhein sprechen. Die Eingemeindung nach Kalkar im Jahre 1969 setzte schließlich den Schlussstrich unter die eigenständige Geschichte einer einst selbständigen Stadt.

Geblieben sind natürlich mehrere steinerne Zeugen der bemerkenswerten Geschichte. Die recht imposante Pfarrkirche St. Peter und Paul stammt noch aus dem Mittelalter, der Blütezeit von Grieth. Ihre endgültige Gestalt erhielt sie Ende des 15. Jahrhunderts in der Form einer dreischiffigen Basilika mit Doppelchor im Osten und dreigeschossigem Westturm. Auch die historische Innenausstattung verdient große Beachtung: Der Hochaltar mit dem geschnitzten Schrein aus Eiche ist sogar noch ein Werk des späten Mittelalters. Weitere Beispiele wertvoller alter Schnitzkunst im Kircheninneren sind u. a. die Holzfiguren der Katharina, des Petrus und des Victor aus dem 16. Jahrhundert, die Magistratsbank aus dem Jahre 1774 und die Chorbank der Adelsfamilie van Bueren, die 1664 angefertigt wurde.

Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Weitere historisch bedeutsame Gebäude im Ortskern von Grieth lassen sich entweder ebenfalls an ihrer außergewöhnlichen Architektur oder auch durch Beschilderungen an den jeweiligen Fassaden erkennen. Ein weiß geschlämmtes Haus mit klassizistischem Dekor nahe dem Marktplatz trägt z. B. eine Tafel mit der Aufschrift: "Ehemalige Baandmakerej". Hier wurden Fassreifen u. a. für Heringstonnen hergestellt. An einer anderen Fassade liest man: "Dieses ... Bürgerhaus aus dem Jahre 1847 diente belgischen Besatzungstruppen nach dem 1. Weltkrieg als Quartier und heißt bis heute im Volksmund Kaserne." Ein Gebäude, das heute als Gasthof genutzt wird, weist sich durch die angefügte Beschilderung als eine ehemalige Seilerei aus.


ehemalige Baandmakerej und die so genannte Kaserne

 
t-förmiges Haus aus dem 19. Jahrhundert und der Marktplatz in Grieth

Weitere Blickfänge im Dorf sind zwei gelb-verputzte Gemäuer: ein t-förmiges-Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und das recht imposante Haus Grieth, das 1371 erstmalig urkundlich erwähnt wurde. Das heute als Hotel genutzte Gebäude ist allerdings keine mittelalterliche Burg mehr, sondern ein Bauwerk im neugotischen Stil mit mächtigem Eckturm. Aus dem 16. Jahrhundert stammt dagegen noch Haus Wardenstein, ein ehemaliges Herrenhaus, das etwas außerhalb von Grieth liegt. Die Hauptfassade des zweigeschossigen, dreiachsigen Hauses ist recht sparsam durch gerahmte Fenster und eine gerahmte Tür mit horizontaler, leicht vorspringender Überdachung gegliedert. Direkt unter dem Dach ist außerdem ein dekoratives Gesims angebracht.

 
Haus Grieth und Haus Wardenstein

Auch manch anderes altes Gebäude im unmittelbaren Umfeld von Grieth erinnert in seiner Architektur an ein prächtiges Herrenhaus. Ein schönes Beispiel hierfür findet sich nahe dem südlichen Ortsausgang. Das mit Treppengiebel verzierte hübsche Bauernhofgebäude stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert. Die rund 200 Jahre alte Windmühle an der nördlichen Ecke des Dorfes lag ursprünglich auch außerhalb des Ortes. Heute bildet sie quasi den Abschluss eines Neubaugebietes.


Bauernhof am Ortsrand, Windmühle und Heimatmuseum in Kalkar-Grieth

Wenn man sich intensiver mit der Geschichte von Grieth und mit dem Leben, der Arbeit und den Gewohnheiten seiner Einwohner unter historischen Blickwinkeln auseinandersetzten möchte, dann ist ein Besuch des Heimatmuseums am Marktplatz sicherlich sehr lohnenswert. Nicht nur dort erfährt bzw. erlebt man, dass der Ort und seine Entwicklung seit jeher eng mit dem Rhein verbunden sind. Daran erinnern auch sehr eindringlich die Skulptur Steinboot auf den Rheinwiesen und ein großer, flaggengeschmückter Schiffsmast am Schifferdamm. Von hier aus hat man eine recht gute Aussicht auf Deutschlands bekanntesten Fluss und auf den vorbeiziehenden, auch heute noch recht lebhaften Schiffsfrachtverkehr. Die kleine Anlegestelle nahe der Steinskulptur wird aber nur von einer Personenfähre angefahren, die an Sonn- und Feiertagen zwischen Grieth und Grietherort am gegenüberliegenden Ufer hin- und herpendelt. Grietherort gehört übrigens schon nicht mehr zur Gemeinde Kalkar, sondern liegt auf dem Gebiet von Rees.

 
Steinbootskulptur, Schiffsmast (oben); Blick auf die kleine Personenfähre am Rhein (unten)

 

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