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Orte am unteren Niederrhein:

  KALKAR - HANSELAER

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Hanselaer, ein noch ursprüngliches niederrheinisches Dorf

Das Orts- und Landschaftsbild des Niederrhein wurde seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg nicht unerheblich verändert. Fast alle Städte und Dörfer haben sich insbesondere ab den 1960iger Jahren durch Bebauungsverdichtung und durch Ausweisung von Neubau- und Gewerbegebiete Schritt für Schritt vergrößert. Zeitgleich entstanden am Niederrhein unzählige Baggerseen, die wichtige Baustoffe für diese Verdichtung und Expansion, sprich: Sand und Kies, bereit stellten. Und es wird auch heute noch kräftig gebaggert und gebaut. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn sich dieser schon mindestens 50 Jahre andauernde Prozess des gesellschaftlichen Wachstums auch in den kommenden vier bis fünf Generationen fortsetzt, wird der Niederrhein schließlich die größte zusammenhängende Einfamilienhaussiedlung Europas mit der größten Fläche und Dichte an Baggerseen weltweit werden. Von der landschaftlichen und dörflichen Beschaulichkeit wird nur sehr wenig übrig bleiben.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Die oben beschriebene Entwicklung ist z. B. am Dorf Hanselaer, das rund 2 Kilometer östlich vom Stadtzentrum Kalkars liegt, glücklicherweise komplett vorbeigegangen. Die Kleinstsiedlung, die aus einer Kirche und rund 10 Hof- und Katstellen besteht und kaum 100 Einwohner zählen dürfte, hat sich nämlich in den letzten Jahrhunderten nur unwesentlich verändert. Aufgrund seiner regional atypischen Siedlungsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg und seiner noch komplett vorhandenen historischen Strukturen ist der gesamte Ort mittlerweile sogar als schützenswerter Denkmalbereich ausgewiesen. Wer also gerne mal ein ursprüngliches niederrheinisches Dorf sehen möchte, das nicht durch moderne Siedlungsstrukturen entstellt worden ist, der sollte Hanselaer unbedingt einmal besuchen. In der unmittelbaren und weiteren Umgebung zählen auch noch Louisendorf und Niel zu den wenigen Dörfern am Niederrhein, in denen das historische Ortsbild noch weitgehend dominiert.


Bauernkate vom Anfang des 19. Jahrhundert in Hanselaer
auf einem vor Rheinhochwasser schützenden Poll

Hanselaer wurde erstmalig in der Zeit um 1200 in mittelalterlichen Dokumenten erwähnt. Das einzige Gebäude, das noch diese frühe Epoche der Dorfgeschichte erlebt hat, ist die aus Back- und Tuffsteinen errichtete Antoniuskirche. Damals war sie freilich noch kleiner bzw. nur eine größere Kapelle, denn ihre heutige Gestalt, die sich aus einem mit einem Spitzhelm bekrönten Turm, einem einschiffigen eingewölbten Langhaus, einem mehrseitig abschließenden Chor und einer angebauten Sakristei zusammensetzt, hat sie erst im 14. und 15. Jahrhundert erhalten. Die mittelalterlichen Gewölbemalereien stammen noch aus der Periode der Erweiterung und des Umbaus. Der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre, die dem Triumphbogen vorgeblendete Kreuzigungsgruppe und die Kanzel sind etwas jünger. Man kann ihre Entstehung ins 16. und 17. Jahrhundert datieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Innenausstattung ist alt und recht prächtig. Die Dorfkirche in Hanselaer darf man sicherlich den sehenswertesten Sakralgebäuden am gesamten Niederrhein zuordnen.


Antoniuskirche und Küsterhaus

Die Antoniuskirche wird immer noch wie in früheren Zeiten von einem Friedhof umgeben. In die südöstliche Ecke der Kirchhofumfriedung ist das alte Küsterhaus eingezogen. Das eingeschossige Backsteingebäude muss schon vor 1746 erbaut worden sein. In diesem Jahr nämlich fertigte Jan de Beijer eine Zeichnung von Hanselaer an, auf der links die Dorfkirche und rechts das Küsterhaus abgebildet ist. Ein genauer Blick auf die Zeichnung verrät außerdem, dass das Küsterhaus nach 1746 noch einmal um einen kleineren Anbau erweitert wurde. Die Dorfkirche dagegen blieb seitdem unverändert.


Wohnstallhaus des Hollandshof

Die Gebäude des Hollandshofs grenzen unmittelbar an das westliche und nördliche Kirchengelände. Sie wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. Dabei handelt es sich um ein Wohnstallhaus auf t-förmigen Grundriss und einige weitere Wirtschaftsgebäude. Wohnstallhäuser auf t-förmigen Grundriss werden auch T-Häuser genannt. Solche Gebäude bestehen aus zwei miteinander verbundenen Baukörpern, bei denen die Längsachse des Wohnhauses im rechten Winkel auf die Längsachse des Stalles trifft. Weitere Gebäude dieses Typs findet man nicht nur in Hanselaer, sondern überall am Niederrhein.


Wohnstallhaus bzw. T-Haus (links) und das Dorfzentrum von Hanselaer (rechts)

Die anderen Hofstellen mit zugehörigen landwirtschaftlichen Nutzflächen gruppieren sich westlich, nördlich und östlich um das architektonische Ensemble aus Kirche, Küsterhaus und Hollandshof, das man sicherlich als das Dorfzentrum von Hanselaer bezeichnen darf. Ihre Gebäude stammen größerenteils wie diejenigen des Hollandshofs ebenfalls aus dem dem 19. Jahrhundert. Danach hatten die Architekten und Maurer nicht mehr viel zu tun. Hanselaer ist im wesentlichen ein Dorf des 19. Jahrhunderts geblieben. Daran hat auch nichts die Eingemeindung nach Kalkar im Jahre 1969 geändert.

Das Dorf bietet übrigens neben seiner Beschaulichkeit und Historizität auch eine schöne Aussicht auf den Monreberg, einer über 70 Meter hohen Stauchmoräne, an dessen Fuß in der Antike das römische Hilfstruppenkastell Burginatium lag.


Blick von Hanselaer auf den Monreberg

 

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