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  KALKAR - HÖNNEPEL

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Hönnepel - ein Dorf am Rhein

Wenn man das Wort Brüter hört, denkt man wohl in erster Linie an Vögel, die ihre Eier bis zum Schlüpfen über einen langen Zeitraum hüten und wärmen. Diese Zeitgenossen sind und waren auch in Hönnepel immer sehr beliebt. Dorfinterne Zwistigkeiten, heftige Unruhe und fast vorkriegsähnliche Zustände verursachte dagegen in der kleinen Siedlung am Niederrhein ein ganz anderer Brüter während der 1970er und 80er Jahre. Damals wurde nämlich am Rheinufer nahe Hönnepel ein großer Atomreaktor gebaut, der gemäß seiner Funktionsweise auch als Schneller Brüter bezeichnet wurde. Dass dieser Reaktor letztendlich nie in Betrieb ging, ist auch den vielen großen und leidenschaftlichen Anti-Atomkraft-Demonstrationen im heutigen 1000-Einwohner-Dorf zu verdanken. Diese Demonstrationen stießen in Hönnepel freilich nicht auf ungeteilte Zustimmung, da zahlreiche Einwohner den Kraftwerksbau und den damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung begrüßten. Der lokale Widerstand gegen das Großprojekt war aber auch sehr bedeutend. Er gruppierte sich um den Landwirten Josef Maas, dessen Hof nahe dem geplanten und schließlich festgelegten Standort des Schnellen Brüters lag. Rund 15 Jahre lang kämpfte er beharrlich vor Gericht gegen das Projekt, bis finanzielle Probleme und fortwährender immenser psychischer Druck ihn schließlich 1985 zur Aufgabe zwangen. Gleichwohl wird dieser grandiose Wutbürger mit erheblicher Genugtuung das endgültige Aus für das Kernkraftwerk im Jahre 1991 vernommen haben.


Graffito in Hönnepel gegen den Atomreaktorbau


Blick auf den Schnellen Brüter bzw. das Wunderland Kalkar am Ufer des Rheins

Die Gebäude des Schnellen Brüters riss man jedoch in der Folgezeit nicht ab. Glücklicherweise ließ sich für die 4-Milliarden-Euro-Fehlinvestition eine weniger gefährliche Nachfolgenutzung finden. Aus dem diabolischen Wunderwerk der Technik wurde das Wunderland Kalkar, ein viel besuchtes Freizeit- und Kongresszentrum, das jährlich mehr als 200000 Besucher an den nördlichen Niederrhein bzw. nach Hönnepel lockt. Oder anders gesagt: Der nie benutzte Reaktorkern mitsamt Kühlkreislauf und anderer Technik musste Fahrgeschäften aller Art, gastronomische Einrichtungen und weiteren Freizeitangeboten weichen. Der Kühlturm dient nun z. B. als umhüllende Kulisse für einen Star Flyer. Da freut sich sicherlich nicht nur der Atomkraftgegner.


Wunderland Kalkar

Im Vergleich zum Kühlturm weist der Turm der Dorfkirche St. Regenfledis in Hönnepel eher bescheidene Ausmaße auf. An den dreigeschossigen Schaft mit Spitzhelm schließt sich ein zweischiffiges Langhaus mit mehrseitigem Chor an. Das äußere Tuffsteinmauerwerk des Sakralbaus wird von Spitzbogenfenstern bzw. -blenden durchbrochen und am Langhaus und Chor außerdem noch durch Strebepfeiler gegliedert. Diese gotischen Stilelemente widersprechen keineswegs der Tatsache, dass die Kirche im wesentlichen ein Werk des 15. Jahrhundert ist. Es lässt sich sogar ein noch älterer Vorgängerbau nachweisen. Ihr heutiges Aussehen erhielt das Gotteshaus aber endgültig erst bei Umbau- und Renovierungsarbeiten zwischen 1880 und 1886. Davon zeugt auch die im wesentlichen neugotische Innenausstattung. Älter dagegen ist z. B. ein mittelalterlicher Taufstein und das Chorgestühl aus dem 17. Jahrhundert.


Pfarrkirche St. Regenfledis

Die Dorfkirche in Hönnepel ist übrigens der einzige Sakralbau in Deutschland, der der Heiligen Regenfledis geweiht ist. Eine Erklärung für diese Besonderheit liefert ein Rückblick auf die früheste Ortsgeschichte: Verantwortlich für dieses Patrozinium waren nämlich Benediktinerinnen aus Denain, einer nordfranzösichen Stadt nahe der heutigen belgischen Grenze. Sie gründeten im 9. Jahrhundert ein Tochterkloster in Hönnepel und weihten es schließlich der ersten Äbtissin ihres Mutterstifts, der Heiligen Regenfledis. Die Nonnen blieben fast 400 Jahre und verließen das Dorf erst um 1220. Ihre Klosterkirche, ein Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche, wurde jedoch in der Folgezeit nicht umgeweiht.
Ein weiterer Zeuge der frühen Ortsgeschichte ist auch das so genannte Haus Hönnepel, eine ehemalige Wasserburg, die 1335 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Von der einst prächtigen Anlage unmittelbar nördlich der Kirche ist aber heute lediglich ein kleinerer zweigeschossiger Flügel mit Eckturm im relativ modernisierten Zustand erhalten.


Haus Hönnepel

St. Regenfledis wird außerdem noch von der Küsterei und dem so genannten Stiftshof umgeben, der auf dem Gelände des ehemaligen Klosters steht. Das Hauptgebäude dieses alten Hofes hat einen t-förmigen Grundriss: Die Längsachsen des eingeschossigen, recht repräsentativ gestalteten Wohngebäudes einerseits und des direkt angebauten längeren Wirtschaftstraktes andererseits stoßen in einem 90-Grad-Winkel direkt aneinander. Außer dem Stiftshof findet man in Hönnepel noch einige weitere sehenswerte Bauernhöfe und andere Wohngebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zum historischen Dorfbild gesellen sich aber heute auch eine Vielzahl moderner Gebäude. Meistens handelt es sich dabei um Einfamilienhäuser.


Stiftshof


Bauernhöfe

Die Landschaft in der unmittelbaren Umgebung des Dorfes wird hauptsächlich von Kuhweiden, Wiesen, Getreidefeldern, vereinzelten Bauernhöfen, dem vorbeifließenden Rhein mit seinen Deichen und natürlich auch von den unübersehbaren Gebäuden und Fahrgeschäften des Wunderlands Kalkar geprägt. Bemerkenswert im Landschaftsbild sind außerdem ein 1954 fertig gestelltes Heiligenhäuschen unweit des Ortsrandes, das dem Heiligen Antonius geweiht ist, und ein relativ hoher Nistbaum für Störche, der sich zwischen den Straßen Birgelfeld und Stiller Winkel befindet. Das Storchenpaar Anton und Antonia kann übrigens schon morgens sehen, wer abends zu Besuch kommt, denn wie fast überall am Niederrhein ist auch in Hönnepel die Landschaft sehr flach. Oder anders gesagt: Wenn Anton und Antonia nicht kurzsichtig sind, haben sie vielleicht sogar Blickkontakt zu ihren Artgenossen in den 20 Kilometer entfernten Orten Zyfflich und Bislich.







 

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