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  KALKAR - WISSEL

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Dünendorf Wissel

Die schönste architektonische Sehenswürdigkeit im Dorf Wissel ist sicherlich die Pfarrkirche St. Clemens. Die doppeltürmige, dreischiffige Tuffsteinbasilika wurde um 1150 dem Zeitgeschmack gemäß im romanischen Stil errichtet. Ihre äußere Gestalt hat sich seitdem kaum verändert. Unverkennbar ist jedoch, dass die ursprüngliche Chorapsis zwischen den Flankentürmen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch einen gotischen Neubau ersetzt wurde. Auch im Innenraum zeigt sich besonders in den vielen rundbogigen Öffnungen noch weitgehend die originale romanische Architektur. Langhaus und Querschiff werden unverändert seit dem Mittelalter von Gewölben mit imposanten Bandrippen überspannt. Der alte Taufstein aus Sandstein stammt ebenfalls noch aus der Erbauungszeit. Lange Rede, kurzer Sinn: St. Clemens in Wissel zählt wie die ebenfalls romanische Kirche St. Vitus im nahen Elten zu den kunsthistorisch bedeutendsten Sakralgebäuden am gesamten Niederrhein.


ehemalige Stiftskirche St. Clemens

Die heutige Pfarrkirche war ursprünglich Teil bzw. Zentrum eines Kanonikerstiftes.1167 wird dieses Stift erstmalig urkundlich erwähnt. Wann es gegründet wurde, lässt sich allerdings nicht mehr glaubhaft feststellen. In der einschlägigen Literatur wird häufig das Jahr 825 genannt. Als zweifelsfrei gilt jedoch, dass das Stift bis zur Auflösung Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden hat. Die Kanoniker bewohnten Häuser, die rings um die Kirche errichtet wurden und teilweise noch erhalten sind. Dieser baulichen Einfassung durch Stiftsgebäude verdankt der von hohen Bäumen gesäumte Platz um die Kirche, der übrigens in weiten Teilen als Friedhof genutzt wird, seinen heutigen schnurgeraden rechteckigen Grundriss. Eines der noch vorhandenen Kanonikerhäuser am Kirchplatz beherbergt mittlerweile das Stiftsmuseum. Es bietet dem interessierten Besucher u. a. Ausstellungen zur Geschichte von Wissel.


Eingang zum Stiftsmuseum und Blick auf den Kirchplatz

Die lokale Geschichte ist natürlich eng mit dem Stift verbunden. 1070 wird Wissel im Zusammenhang mit einer Burg erstmalig in einem Dokument erwähnt. Diese Burg und der Vorgängerbau der heutigen romanischen Kirche sollen dann im Jahre 1115 zerstört worden sein. Die Burg wurde allerdings nicht mehr aufgebaut. An ihrem vermutlichen Standort wurde rund 400 Jahre später das Haus Kemnade bzw. Haus Wissel errichtet. Das heutige Erscheinungsbild des ehemaligen Herrenhaus mit seinem auffälligen mehrseitigen Treppenturm ist aber im wesentlichen auf einen klassizistischen Umbau in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen.

  
Haus Kemnade und Windmühle

Einen weißen Putzanstrich wie Haus Kemnade tragen auch die Außenwände der alten Windmühle in Wissel. Der Turmholländer wurde in der 1870iger Jahren erbaut und dann bis 1939 betrieben. Heute ist in dem alten Gemäuer ein Jugendgästehaus untergebracht. Ansonsten wird das Ortsbild auch von anderen hübschen alten Gebäuden aus Vorkriegszeiten geprägt, zu denen sich allerdings heute recht viele moderne Einfamilienhäuser gesellen. Die Mischung aus alter und neuer Architektur ist aber insgesamt ausgewogen. Das kann man nicht von allen Orten am Niederrhein sagen, die nicht selten durch den enormen Zuzug von Stadtflüchtlingen seit den 60iger Jahren ihren ursprünglichen Charakter nahezu verloren haben.


alte Vorkriegsgebäude in Wissel

  
landschaftliche Umgebung und Ortsbild

Rund 2000 Einwohner zählt das 1969 nach Kalkar eingemeindete Dorf Wissel mittlerweile. Auch seine größerenteils landwirtschaftlich geprägte Umgebung ist recht reizvoll. Der in rund 2 Kilometer Entfernung vorbeifließende Rhein und ein früher schiffbarer Nebenarm, die so genannte Kalflack, haben deutlich sichtbare Spuren am unmittelbaren östlichen Ortsrand von Wissel hinterlassen. Zwischen diesen beiden Armen, die Wissel in früheren Tagen vollständig umflossen und den Ort gewissermaßen zu einer Insel werden ließen, haben sich nämlich im Laufe des Mittelalters durch Anschwemmung von Sand und durch das kräftige Blasen des Windes Dünen gebildet, die heute noch teilweise vorhanden sind. Man kennt sie unter den Namen Wisseler Dünen. Diese außergewöhnliche Landschaft mit bis zu acht Meter hohen Sandhügeln umfasst eine Fläche von 80 ha und steht berechtigterweise unter Naturschutz. Gleichwohl muss man zugeben, dass leider ein Großteil der Dünen mittlerweile schon fast eingeebnet ist. Da zeigen die Maasdünen bei Bergen schon ein bei weitem ursprünglicheres Erscheinungsbild einer sandigen Flusslandschaft. Nichtsdestotrotz sind auch die Wisseler Dünen immer noch sehr sehenswert.

  
Wisseler Dünen

Das Dünennaturschutzgebiet wird im Westen vom Dorf Wissel selber und in den anderen drei Himmelsrichtungen von Baggerseen vollständig eingekreist. Das südliche dieser durch Kiesabbau entstandenen großflächigen Gewässer ist der so genannte Wisseler See, der auch eine gewisse überregionale Bekanntheit in der Tourismusbranche genießt. Hier befinden sich nämlich ein gut besuchter Campingplatz, ein Naturfreibad und andere interessante Freizeiteinrichtungen.


Blick auf den Wisseler See


Ein Dorf am Niederrhein ohne Kuhherde ist fast unvorstellbar.

 

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