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  KAMP-LINTFORT - DORF UND KLOSTER KAMP

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Die Altstadt von Kamp-Lintfort: Dorf und Kloster Kamp

Das Stadt-, Einkaufs- und Verwaltungszentrum der Gemeinde Kamp-Lintfort befindet sich im Ortsteil Lintfort zwischen den großen Supermärkten Real und Kaufland. Als Altstadt kann man dieses Gebiet, das seine heutige architektonische Ausprägung im wesentlichen erst nach dem 2. Weltkrieg erhalten hat, aber kaum bezeichnen. Für diese Benennung kämen schon eher die angrenzenden, in den Jahren nach 1910 errichteten Bergarbeitersiedlungen infrage, obgleich auch ihnen ein hohes Alter und außerdem noch die üblichen Strukturen einer Innenstadt fehlen. Ja, die Suche nach einem historischen lokalen Zentrum ist scheinbar nicht einfach: Einerseits ist die Gemeinde Kamp-Lintfort erst in den 1930iger Jahren aus dem Zusammenschluss einer etwas größeren, noch recht jungen Zechensiedlung mit mehreren Dörfern in der Umgebung entstanden. Andererseits wurden ihr erst 1950 die Stadtrechte verliehen. Wenn man aber unter Altstadt den siedlungsgeschichtlich und denkmalpflegerisch bedeutendsten architektonischen Bestand einer Gemeinde bzw. Stadt versteht, dann fällt die Festlegung überhaupt nicht schwer: Die Altstadt von Kamp-Lintfort ist zweifelsfrei das Dorf bzw. das ehemalige Kloster Kamp.

Der Beginn der heute noch sichtbaren und wirksamen Siedlungsgeschichte in der Gemeinde Kamp-Lintfort lässt sich sehr genau in das Jahr 1123 datieren: Damals wurde nämlich vom Kölner Erzbischof eine Abteistiftungsurkunde ausgestellt, infolge derer sich 12 Zisterziensermönche aus dem französischen Morimond an einem Ort am Niederrhein ansiedeln mussten, den man damals Camp nannte. Das Kloster Kamp ist also eine Filiation bzw. Tochtergründung der Primarabtei Morimond. Ob die Mönche sich von Anfang an auf dem Kamper Berg, einer Stauchendmoräne aus der Saale-Kaltzeit, niedergelassen haben, lässt sich leider nicht mehr feststellen. Wie dem auch sei: Angesichts der alljährlichen Rheinhochwasser werden sie sich spätestens wenige Jahre nach der Klostergründung für den trockenen Standort auf dem Hügel, der das Umland um 20 Meter überragt, entschieden haben.

Noch im 12. Jahrhundert dürfte die erste Klosterkirche auf dem Kamper Berg fertig gestellt worden sein. Umfangreiche Erweiterungen und tief greifende Umbauten folgten in der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert. An die Klosterkirche schlossen sich natürlich noch um einen Innenhof weitere Abteigebäude an, die z. B. als Refektorium und als Dormitorium genutzt wurden. Während des Truchsessischen Krieges (1583-1588) wurde die gesamte Klosteranlage weitgehend zerstört. Rund 100 Jahre später begann die Wiederinstandsetzung der Abtei. Im Zuge dieses Neu- bzw. Aufbauprogramms erhielt die Klosterkirche bis zum Ende des 17. Jahrhunderts im wesentlichen ihr heutiges äußeres Erscheinungsbild. Vom Vorgängerbau stammt lediglich noch der rechteckige, mit einem großen spitzbogigen Maßwerkfenster geschmückte Chor. Dieser Chor wird von zwei, relativ niedrigen Türmen flankiert, die jeweils von einem zwiebelhaubenähnlichen Dach abgeschlossen werden. Das Satteldach des dreischiffigen Langhauses wird von einem Reiter mit offener Laterne und Zwiebelhaube bekrönt. Diese Dachhauben entsprachen zur Bauzeit dem allgemeinen architektonischen Geschmack, da sie eindeutig der Kunstepoche des Barock zuzuweisen sind. Die spitzbogigen Langhausfenster sind dagegen anachronistisch. Zeittypisch ist wiederum der geschwungene Giebel an der westlichen Fassade, an der einst der Eingang zur Klosterkirche lag. Er wurde verschlossen, als im Jahre 1740 die heute nicht mehr vorhandene Prälatur direkt an die westliche Kirchenaußenwand gebaut wurde. In diesem Zusammenhang wurde ein neuer Eingang mit Vorhalle an der nordwestliche Ecke der Klosterkirche angelegt. Schon 25 Jahre hatte man die sechseckige, glockendachgekrönte Marienkapelle an die Sakristei der Klosterkirche angebaut. Ihre Fenster sind als so genannte Ochsenaugen gestaltet. Zu den alten noch erhaltenen Abteigebäuden zählt auch das Infirmarium, ein längsrechteckiger, zweigeschossiger Backsteinbau, der im Zuge der Wiederinstandsetzung des Klosters am Ende des 17. Jahrhunderts ebenfalls grundlegend erneuert wurde. Davon zeugen besonders seine beiden geschwungenen Giebel.


Marienkapelle und Infirmarium

Im Inneren des Infirmariums ist besonders der so genannte Rokokosaal sehenswert, der sich durch seine schönen Stuckarbeiten an den Wänden und an der Decke auszeichnet. Dort finden u. a. Konzerte und Lesungen, aber auch standesamtliche Trauungen statt. Unter den Klängen einer ebenfalls über 300 Jahren alten, gut erhaltenen Spätbarock- bzw. Rokoko-Orgel kann man sich anschließend in der Klosterkirche kirchlich trauen lassen. Eine romantisch malerische Kulisse für Hochzeitsfotos bietet schließlich der barocke Terrassengarten des Klosters Kamp. Dieser opulente, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegte und in den 1980iger Jahren rekonstruierte Garten versinnbildlicht in eindrucksvoller Weise die letzte Blütezeit der Zisterzienserabtei vor ihrer Schließung im Jahre 1802. Dass die Rekonstruktion des Gartens nicht gänzlich originalgetreu ist, zeigen besonders die beiden längsrechteckigen Stahlskelettbauten am Fuße des terrassierten Abhangs. Sie stehen auf den Fundamenten der ehemaligen Orangerien, die wie manch anderes Abteigebäude das 19. Jahrhundert nicht überdauert haben. Die modern rekonstruierten Orangerien beherbergen heute übrigens keine Pflanzen, sondern Ausstellungen. Die beiden modernen Bauwerke lehnen sich wie ihre Vorgänger direkt an die unterste der insgesamt fünf Terrassen an, die alle mit Zierapfel- und Ligusterkegel in regelmäßigen Abständen bepflanzt sind. Die Terrassen verlaufen übrigens nicht geradlinig. Im Gegensatz zu den oberen Terrassen, die sich in ihrem mittleren Bereich leicht nach innen wölben, dehnt sich die unterste Terrasse an gleicher Stelle konvex aus. Somit entsteht auf der untersten Ebene ein längsovaler Platz, auf dem ein runder Springbrunnen und zwei flankierende Schmuckbeete Platz finden. An diesem Brunnen treffen sich die breite zentrale Treppe und ihr zweiarmiger Abschluss, der schließlich auf das weitläufige Gartenparterre führt. Zwischen diesen beiden Treppenarmen befindet sich übrigens auch ein kleiner Brunnen. Den optischen Mittelpunkt des Gartenparterres bildet ein weiterer runder Springbrunnen. Er wird von einem rechtwinkligen Wegenetz und quadratischen Feldern umgeben, die teilweise als Schmuckbeete ausgestaltet sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Der barocke Terrassengarten des Kloster Kamp zählt zweifelsfrei zu den schönsten gartenbaulichen Anlagen und zu den schönsten optischen Highlights am gesamten Niederrhein.


Grabstein des Zisterziensermönchs
Johannes Joseph Kreitz
vom Anfang des 19. Jahrhunderts
auf dem Kamper Friedhof


Das letzte erhalten Immunitätskreuz
markierte einst wie ein Grenzstein
das Hoheitsgebiet des Kloster Kamp.

Barocker Terrassengarten

Neben dem barocken Terrassengarten sind noch weitere sehenswerte Grünanlagen in Kamp vorhanden. Dazu gehören der so genannte Alte Klostergarten, der ebenfalls von einem quadratischen Wegeraster durchzogen wird, der Kräutergarten im Schatten der beiden Zwiebeltürme und der großenteils begrünte Abteiplatz unmittelbar nördlich der Klosterkirche. Diesen Platz kann man als den malerischen alten Dorfkern von Kamp bezeichnen. Er wird nicht nur von der Kirche, sondern auch von weiteren hübschen, mehr als 100 Jahre alten Gebäuden gesäumt. Eine Fassade zeigt sogar noch recht anschauliche Reste der oben schon erwähnten barocken Prälatur. Am Abteiplatz liegt auch das ehemalige Agathastift, ein Backsteingebäude mit übergiebelten Mittelrisaliten aus dem Jahre 1912. Es beherbergt heute das Museum Kloster Kamp, dessen Ausstellungen sich mit der Geschichte des Zisterzienserordens und der 1802 aufgelösten Abtei beschäftigen.


Abteiplatz, Reste der barocken Prälatur, Museum Kloster Kamp (oben) und weitere Gebäude am Abteiplatz (unten)

Vom Abteiplatz verläuft die Klosterstraße einige hundert Meter lang bis zum letzten noch erhaltenen Immunitätskreuz der Abtei (siehe Foto oben in der linken Spalte). Westlich der Klosterstraße befinden sich noch ein paar Gemäuer aus vergangenen Zeiten, darunter das alte Gerichtsgebäude des Klosters. Östlich liegt das Gelände des sehenswerten Friedhofes mit einigen bemerkenswerten Grabstätten und -steinen. Dazu zählen auch die Gräber zweier Zisterziensermönche, die nach der Säkularisation des Klosters in Kamp geblieben sind. Ein Schmunzeln bereitete dem Autoren dieser Website ein Grabstein aus dem 19. Jahrhundert mit der abschließenden Inschrift "Auf Wiedersehen". Hinter der recht gefälligen Friedhofskapelle aus dem Jahre 1857 trifft man u. a auf mehrere Ruhestätten der letzten in Kamp verstorbenen Ordensleute. Dabei handelte es sich allerdings nicht um Zisterzienser, sondern um Karmeliter, deren Konvent von 1954 bis 2003 noch einmal klösterliches Leben in das beschauliche Dorf am Niederrhein brachte.


Grabstein auf dem
Kamper Friedhof

Einen sehr engen Bezug zum Kloster Kamp weist übrigens ein Gebäude in einer Nachbargemeinde auf. Der so genannte Kamper Hof war die Stadtniederlassung der Zisterzienserabtei in Rheinberg. Von den mittelalterlichen Gebäuden steht heute nur noch die mittlerweile unter Denkmalschutz gestellte ehemalige Kapelle. An ihrer Fassade kann man aber unschwer ablesen, dass das Backsteingebäude im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und schließlich anderen Nutzungen zugeführt wurde.


Kamper Hof in Rheinberg

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