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  KERKEN - NIEUKERK

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Das Dorf Nieukerk

Das Gotteshaus, nach dem das beschauliche Dorf Nieukerk am Niederrhein benannt ist, heißt Dionysiuskirche. Ihre Bezeichnung als nova ecclesia bzw. als neue Kirche ist erstmals durch ein Dokument aus der Zeit um 1220 belegt. Das mittelalterliche Schriftstück bezog sich allerdings auf einen kleineren romanischen Vorgängerbau der heutigen Kirche. Er wurde schließlich zwischen 1421 und 1453 so tief greifend in gotischen Formen umgebaut und erweitert, dass man fast von einem kompletten Neubau sprechen kann. Wenn man einmal von der barocken Turmhaube und von ein paar Anbauten im 19. Jahrhundert absieht, hat die Dionysiuskirche in Nieukerk seit den Umbauten im Spätmittelalter ihr äußeres Erscheinungsbild kaum verändert. Sie ist im wesentlichen eine gotische Kirche des 15. Jahrhunderts geblieben. Der Innenraum der dreischiffigen überwölbten Pseudobasilika beherbergt dagegen eine neuzeitliche, d. h. eine fast ausschließlich neugotische Ausstattung, die um das Jahr 1870 geschaffen wurde. Die schönen Fenster in den spitzbogigen und mit Maßwerk gefüllten Fassadenöffnungen sind Werke des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist ferner ein in die Kirchenwand eingelassener antiker römischer Votivstein, der ursprünglich dem Kaiser Marc Aurel, später dem Heiligen Dionysius geweiht wurde.


2 Ansichten von der Dionysiuskirche in Nieukerk

Der Kirchplatz bzw. Dionysiusplatz wird nahezu hufeisenförmig von recht schönen alten Gebäuden eingegrenzt. Darunter befinden sich u. a. das 1868 erbaute Pastorat und das Rathaus der Gemeinde Kerken, das aus mehreren, zwischen 1714 und 1911 errichteten Gebäudeteilen besteht. Sie dienen aber erst seit 1970 als kommunales Verwaltungszentrum. Ein Jahr zuvor war die Gründung der Gemeinde Kerken durch den Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Orte Nieukerk, Eyll, Aldekerk und Stenden erfolgt.


Pfarrhaus

Das ehemalige Rathaus der Gemeinde Nieukerk bzw. des Amtes Nieukerk steht an der östlichen Seite des Webermarkt, den man vom Dionysiusplatz auf kürzestem Wege durch die schmale Durchgangshalle eines kleinen Torhauses erreichen kann. Das recht imposante, mit einem geschwungenen Giebel geschmückte Backsteinhaus, das von 1922 bis 1970 als Rathaus genutzt wurde und heute das Gemeindearchiv beherbergt, wurde laut den Ankerzahlen an seiner Fassade 1738 errichtet. Schräg gegenüber sticht ein zweigeschossiges klassizistisches Gebäude aus der Zeit um 1800 ins Auge. Auf dem Kranzgesims der durch 5 Fensterachsen gegliederten Fassade ruht ein mit einem so genannten Ochsenauge durchbrochener Dreiecksgielbel. An den Webermarkt schließt sich unmittelbar ohne eine dazwischen liegende Häuserzeile der Schwanenmarkt an. Das Haus Nr. 2 an diesem ebenfalls kleinen Platz ähnelt ein wenig dem Gebäude des heutigen Gemeindearchivs, denn es wird auch von einem geschwungenen, aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden Giebel geschmückt. Lange Rede, kurzer Sinn: Beide ineinander greifende Plätze haben ihr historisch architektonisches Antlitz weitgehend bewahrt. Nur das Sparkassengebäude mit seinen Sichtbeton-Elementen stört den optischen Eindruck ein wenig.


das ehemalige Rathaus und heutige Gemeindearchiv (links) und
ein klassizistische Gebäude am Webermarkt (rechts)


Gebäude am Schwanenmarkt (links) und Brunnen auf dem Webermarkt (rechts)

Der Webermarkt wird nicht nur die durch die recht hübschen Fassaden, sondern auch durch einen kleinen Brunnen geschmückt, an den sich die lebensgroße Bronzeplastik eines Webers lehnt. Sein Vorname lautet Schäng, sein Nachname Weber. Der bescheiden und freundliche wirkende Herr mit der langen Rolle soll an die einst in Nieukerk betriebene Tuch- und Seidenweberei erinnern, die vom 18. bis ins 20. Jahrhundert neben der heute noch bedeutenden Landwirtschaft eine wichtige ökonomische Rolle im Dorf gespielt hat. Ein verbliebener architektonischer Zeuge dieser örtlichen Wirtschaftsgeschichte ist übrigens das um 1920 errichtete Seidenwebereigebäude am Slousenweg.




ehemalige Seidenweberei

Im Dorf der Weber und Landwirte wurde 1795 der Geometer und Historiker bzw. Heimatforscher Peter Michael Buyx geboren, den man sicherlich als den berühmtesten Sohn von Nieukerk bezeichnen darf. Als sein Meisterwerk gilt die 1879 im hohen Alter veröffentlichte Antiquarische Karte der Umgebung von Geldern, die in nordsüdlicher Richtung ein Gebiet von Weeze bis Hinsbeck, in westöstlicher Richtung von Walbeck bis Sonsbeck umfasst. Drei Jahre später verstarb Buyx in seinem Wohnhaus in Nieukerk, das heute nach ihm benannt ist. Es besteht aus 2 aneinander gefügten, im 17. und 18. Jahrhundert errichteten Gebäudeteilen. Die Fassade wurde später im klassizistischen Stil erneuert.


Relief und Tür am Buyx-Haus


Rückseite des Michael-Buyx-Haus (links) und Vorderseite des Bogershaus (rechts)

Zwischen dem Michael-Buyx-Haus und dem etwa 50 Meter entfernten Bogershaus in der Dennemarkstraße liegt nur eine kleine, recht gefällige Grünanlage mit Blumenbeeten, hohen Bäumen, einem Marienbildstock, einer Rochuskapelle und ein paar Spielgeräten. Das Bogershaus ist ein zweigeschossiges Fachwerktraufenhaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ähnlich dem Buyx-Haus verfügt es über einen rückseitigen Anbau, eine so genannte Kübbung, die das Dach bis zum Erdgeschoss verlängert. Wenn man vom Bogershaus die Dennemarkstraße in nördliche Richtung entlang läuft und den Dionysiuskirchturm rechts stehen lässt, erreicht man nach kurzer Zeit ein weiteres sehenswertes Haus in Nieukerk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Am Haus Paeschens imponiert besonders der mehrfach geschwungene und mit einer Lünette abschließende Giebel. Gemäß den Ziffern auf seiner Fassade wurde er 1716 errichtet.


Haus Paeschens, Hüsseshof und Kaetershof in Nieukerk

Die Gebäude links und rechts neben dem Haus Paeschens verdienen auch Beachtung. Haus Nr. 47 in der Dennemarkstraße ist das 1852 errichtete Schpöötenhüske, ein ehemaliges Spritzen- bzw. Feuerwehrhaus, das heute vom örtlichen Heimatverein genutzt wird. Ein gusseisernes Schild an der Fassade (siehe Foto links) zeigt das Vereinswappen, auf dem man ebenfalls das mit dem geldrischen Löwen und Mispelblüten geschmückte Wappen von Nieukerk sehen kann. Als Wappenhalter dienen ein Weber und eine Bäuerin als Repräsentanten der beiden wichtigsten Berufszweige in der Geschichte des Dorfes. Die Bäuerin könnte also z. B. in dem Gebäude Dennemarkstraße 51, dem Hüsseshof, gelebt und gearbeitet haben. Sein heutiges Aussehen erhielt der Bauernhof übrigens im 19. Jahrhundert. Die Fassade des nicht weit entfernten, um 1870 erbauten Kaetershof in der Lappstraße ist aufwändiger gestaltet. Horizontal wird sie durch zwei verschiedene Arten von Zahnfriesen gegliedert. Die mittlere Fensterachse lässt sich von einem Dreiecksgiebel mit Ochsenauge krönen.
Zu den weiteren bemerkenswerten Häusern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert in Nieukerk zählen auch der so genannte Adlersaal (1903) und zwei in den 1880iger errichtete größere Bauwerke: die Marienschule und das St.-Elisabeth-Haus, das ursprünglich als Krankenhaus diente.


St.-Elisabeth-Haus und weitere historische Ortsbebauung

Da sich das eher kleine Dorf am Niederrhein in den letzten 100 Jahren erheblich weiterentwickelt und die Einwohnerzahl nahezu verdoppelt hat, leben die rund 5000 Nieukerker heute natürlich nicht alle in den noch zahlreich vorhandenen Vorkriegsgebäuden. Das Ortsbild wird daher auch wesentlich durch viele moderne Neubauten und neu entstandene Einfamlienhaussiedlungen geprägt. Dazu gesellen sich noch mehrere Supermärkte, die sich entlang der Bundesstraße 9 niedergelassen haben. Trotz dieses Fortschritts konnte sich Nieukerk den Charm eines gewachsenen historischen Dorfes erhalten. Neues hat das Alte ergänzt, aber nicht verdrängt.

 

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