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Orte am unteren Niederrhein:

  KERKEN - STENDEN UND RAHM

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Die beiden Dörfer Stenden und Rahm

Man kann heute noch deutlich erkennen, dass Stenden ursprünglich eine typische Reihensiedlung war, die sich ausschließlich entlang einer rund 3 Kilometer langen, leicht gewölbten Straße ausdehnte. Diese besondere Form der Reihensiedlung nennt man dementsprechend auch Straßendorf. Gleichwohl muss man feststellen, dass mittlerweile diese Straßendorfstruktur durch Neubauten bzw. Neubaugebiete etwas verwässert wurde und sich ein etwa 0,5 km2 großer Siedlungsschwerpunkt im westlichen Teil gebildet hat. Das ging wohl nicht anders, denn hätte man Stenden aufgrund der steigenden Einwohnerzahlen als reines Straßendorf weiter entwickelt, würde die Dorfstraße heute wohl bis nach Krefeld-Hüls reichen. Bis zum Anfang des 19. Jahrhundert dürften nur wenige hundert Menschen im Dorf gelebt haben. 1840 waren es ungefähr 500. Am Ende des gleichen Jahrhunderts zählte man schon rund 1000 Einwohner. Heute sind in Stenden rund 2000 Menschen sesshaft.

Dokumente aus dem Mittelalter belegen, dass eine wie auch immer gestaltete Siedlung namens Stenden schon im 13. Jahrhundert bestanden haben muss, vermutlich aber noch ein bisschen älter ist. 1483 stifteten Thomas Heym und seine Frau Sophia die Mittel zur Errichtung eines ersten Gotteshauses im Dorf. Ob diese Kapelle schon damals dem Heiligen Thomas geweiht war, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Das kleine spätmittelalterliche Bauwerk ließ man 1826 durch einen wohl etwas größeren Neubau ersetzen. 1858 wurde die neue Thomaskapelle in den Stand einer Pfarrkirche erhoben. Bis dahin gehörten Stenden und seine Kapelle zur Pfarrei Aldekerk. Das Jahr 1858 bezeichnet also auch den Beginn einer kommunalen Unabhängigkeit des Dorfes, die allerdings rund ein Jahrhundert später endete, als sich 1969 die Gemeinden Stenden, Aldekerk, Nieukerk und Eyll zu einer einzigen Gebietskörperschaft mit dem Namen Kerken zusammenschlossen.


Thomaskirche

Die Verdoppelung der Einwohnerzahlen von Stenden während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bewirkte, dass die 1826 errichtete Thomaskapelle schnell zu klein wurde. Deshalb ließ man auf einem unmittelbar benachbarten Grundstück in den Jahren zwischen 1900 und 1902 die heute noch vorhandene Thomaskirche errichten. Der vorwiegend in einer neoromanischen Architektursprache errichtete Sakralbau unterscheidet sich von vielen anderen Kirchen am Niederrhein dadurch, dass er über keinen Westturm mit Spitzhelm, sondern über einen Vierungsturm mit Faltdach verfügt. Ein solcher Turm überkrönt den Raum, in dem Haupt- und Querschiff zusammentreffen. Die äußere Architektur der Thomaskirche in Stenden besticht auch durch die aufwändig gestaltete Westfassade mit dem Hauptportal. Im Inneren des Gotteshauses fallen die kunstvollen Malereien und die bunten Fenster in der Chorapsis und der Hochaltar auf. Sie stammen aus der Erbauungszeit der Kirche, während die Orgel ursprünglich ein Werk des 18. Jahrhunderts ist. Sie wurde jedoch Anfang der 1980er Jahre nicht unerheblich mit modernen Elementen erweitert.


Alte Schule am Kirchplatz

Thomaskirche und Kirchplatz, der wegen seiner Pflasterung im Volkmund auch der Rote Platz heißt, werden durch den Mühlenweg voneinander getrennt. Geschmückt wird dieser hübsche, eher kleine Platz von vielen Bäumen, einem Brunnen und einem Gedenkstein, der den genauen Standort des Altars der 1906 abgerissen Thomaskapelle markiert. Das Erscheinungsbild des Kirchplatzes wird auch von dem unmittelbar angrenzenden Pastorat, der um 1840 erbauten ehemaligen Schule, dem Eingang zum Friedhof und dem recht imposanten Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege geprägt.


Gedenkstein am Kirchplatz und ein laut Ankerzahlen 1780 errichtetes Gebäude an der Dorfstraße

Vom Kirchplatz und der Thomaskirche gelangt man nach rund 300 Metern über den Mühlenweg - nomen est omen - zur Stendener Windmühle. Der Turmholländer wurde 1880 erbaut und danach 40 Jahre lang betrieben, um Getreide zu mahlen. Er ersetzte eine an gleicher Stelle stehende, kurz zuvor abgebrannte hölzerne Bockwindmühle. Die Windmühle ist allerdings nicht der einzige architektonische Zeuge, der eindringlich daran erinnert, dass die Landwirtschaft früher eine sehr große Rolle in Stenden gespielt hat. Dazu zählen auch die vielen alten bäuerlichen Anwesen und Hofstellen entlang der Dorfstraße, deren Gemäuer teilweise noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. Insgesamt gesehen haben sich die historischen, von der Landwirtschaft geprägten Dorfstrukturen relativ gut erhalten. Sie werden weniger durch die vielen, zu reinen Wohnzwecken dienenden Neubauten und die damit einhergehende Bebauungserweiterung und -verdichtung beeinträchtigt. In erheblicheren Maße stört jedoch ein angrenzender großer Baggersee und der damit verbundene Verlust von landwirtschaftlicher Anbaufläche.


Pastorat am Kirchplatz


die Stendener Windmühle

Nördlich des Baggersees liegt das wenige hundert Einwohner zählende Dorf Rahm, das auch zur Ortschaft Stenden gehört. Insgesamt bildet sich die niederrheinische Gemeinde Kerken übrigens aus vier Ortschaften: Bei den anderen Ortschaften handelt es sich um die oben schon erwähnten ehemals selbständigen Gemeinden Aldekerk, Nieukerk und Eyll.


alte Hofanlagen an der Hauptstraße in Kerken-Rahm

Die Bedeutung der Landwirtschaft im Leben der Dorfbewohner hat nicht nur in Stenden, sondern auch in Rahm nach dem 2. Weltkrieg erheblich abgenommen. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich seitdem in Rahm deutlich mehr als halbiert. Hinzugetreten ist allerdings ein großer Gartenbaubetrieb mit seinen unübersehbaren Gewächshäusern. Die vielen alten bäuerlichen Hofanlagen entlang der Dorfhauptstraße, der Hülser Straße, lassen allerdings noch heute erahnen, dass Rahm bis ins 20. Jahrhundert hinein ein fast ausschließlich von der Agrarkultur geprägtes Dorf war.


Brigittenheiligenhäuschen

Neben den alten Hofanlagen sind im Dorf Rahm auch zwei kleinere Sakralbauten sehenswert. Die einschiffige, mit einem dreiseitigen Chor abschließende und mit einem Glockendachreiter bekrönte Antoniuskapelle stammt in ihrer heutigen Form und Innenausstattung aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ein ebenfalls dem Antonius geweihter Vorgängerbau wird wohl schon um 1500 bestanden haben. 250 Meter von der Kapelle entfernt steht auf offenen Feld am Berger Kirchweg seit mehr als 200 Jahren das kleine Brigittenheiligenhäuschen. Der weiß angestrichene Bildstock in Form eines Hauses ist nur rund einen Meter hoch.

Antoniuskapelle in Rahm

Kerken-Rahm

Niederrhein-Landschaft: Blick von Rahm über die Felder auf die Schaephuysener Höhen
 

 

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