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  KLEVE - SCHENKENSCHANZ

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Schenkenschanz - Dorf und ehemalige Festung

Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern am nördlichen Niederrhein kann Schenkenschanz von sich behaupten, wenigstens ein paar Mal im Brennpunkt der großen Weltgeschichte gestanden zu haben. Diesen leider wenig glücklichen Umstand - Weltgeschichte bedeutet ja häufig nur Krieg und Elend - verdankt das heutige 100-Einwohner-Dorf seiner ehemals wichtigen geostrategischen Lage auf einer Landspitze zwischen Waal und Nederrijn. Auf diesem Rheingabelungswinkel ließ 1586 der Heerführer Martin Schenk von Nideggen eine schließlich nach ihm benannte Festung errichten, mit der man die Einfahrt in beide Flüsse bzw. in die Niederlande kontrollieren konnte. Der Bau der Festung fiel in die Zeit des 80-Jährigen-Krieges (1568-1648) und war sichtbarer Ausdruck des Freiheitskampfes der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande gegen die spanischen Landesherren.


Flussverlauf des Rheins im 16. Jahrhundert (links) und heute (rechts)

Kein Wunder also, dass Schenkenschanz zum Austragungsort mehrerer blutiger Schlachten während dieses langen militärischen Konfliktes wurde. Zu Beginn des Niederländisch-Französischen-Krieges 1672 kehrten Gewalt, Triumph und Niederlage schließlich noch einmal zurück: Die Festung Schenkenschanz wurde von Truppen des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. nach einem schweren Gefecht erobert. Wenige Jahre später gelangte die Festung in brandenburg-preußische Hände. Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ im folgenden die Festungsanlagen aber schleifen. Als Anfang des 18. Jahrhunderts der Rhein zudem noch seinen Lauf veränderte, verlor der Ort völlig seine wichtige strategische Bedeutung: Schenkenschanz konnte sich daher fortan zu einem friedlichen und ruhigen Dorf entwickeln. An den einstigen Festungscharakter erinnern mittlerweile nur noch indirekt die jetzigen Hochwasserschutzanlagen: Das rund 200 x 200 m² kleine Dorf wird nämlich unmittelbar von Schutzmauern und Deichen komplett umschlossen.


Hochwasserschutzanlagen

Wie Anfang des 18. Jahrhunderts fließt der Rhein heute 1 Kilometer nördlich am Dorf bzw. an der ehemaligen Festung vorbei. Reste des einstigen Flussbettes werden aber immer noch durchströmt: Der stellenweise bis 100 Meter breite, so genannte Griethausener Altrhein trennt Schenkenschanz von seinem südlichen Nachbardorf Düffelward. Über eine kleine Autofähre sind beide Dörfer miteinander verbunden. Ansonsten kann man Schenkenschanz noch über eine vier Kilometer lange Deichstraße und eine Brücke in Griethausen erreichen, die bei starkem Hochwasser allerdings überflutet ist. Dann lässt sich die kurzzeitige Hochwasser-Insel Schenkenschanz nur noch per Schiff erreichen.


Fähre und Griethausener Altrhein bei Schenkenschanz (oben)
und Ortsbebauung (unten)

Beim Eintritt ins Dorf durch das östliche Hochwasserschutztor sticht zuerst das recht würdevolle Denkmal für die Opfer des 2. Weltkrieges auf einer kleinen Anhöhe ins Auge. Auf einem weißen, pyramidenähnlichen Sockel steht die Skulptur eines nachdenklichen Soldaten, der sich mit gesenktem Haupt auf ein Schwert stützt. Danach gelangt man auf einen kleinen Platz, der u. a. vom ehemaligen Pastorat gesäumt wird. Dieses Backsteingebäude aus der Zeit um 1900 ist sogar von einem Garten umgeben, während die dichte Ortsbebauung ansonsten kaum Platz für Grünanlagen zulässt. Die Häuser wurden nämlich aufgrund des knappen Raumes innerhalb der Schutzanlagen meist ohne Zwischenraum direkt aneinander gebaut und sind nur über enge Straßen bzw. Gassen erreichbar. Schenkenschanz ist daher wirklich kein Paradies für verwöhnte Autofahrer.


Kriegsgefallendenkmal, ehemaliges Pastorat und Kirche

Mit einer einzigen Ausnahme stammt die heutige Dorfarchitektur ausschließlich aus dem 19. und den folgenden Jahrhunderten. In die Festungs- bzw. Frühzeit von Schenkenschanz datiert nur der Turm der evangelischen Kirche. Er wurde 1634 errichtet. Kirchenschiff und Chor ließ man dagegen in ihrer heutigen Gestalt kurz vor 1850 in neogotischen Formen erneuern. Noch älter als der Turm ist ein Grabstein aus dem Jahre 1611, der an der Außenmauer der Kirche angelehnt ist.


Salmorth

Zum Schluss noch ein paar Worte zur vielleicht schönsten Sehenswürdigkeit von Schenkenschanz: Damit ist die herrliche, fast unbebaute Landschaft gemeint, die sich um das Dorf herum ausbreitet. Wie schon oben erwähnt, liegt Schenkenschanz zwischen dem Rhein und einem Altrheinarm, dem so genannten Griethausener Altrhein. Dieses Gebiet, das von weitläufigen Gründlandflächen und nur wenigen Gehölzen bzw. kleineren Wäldchen geprägt wird, gehört zum Naturschutzgebiet Salmorth. Nicht nur Naturliebhaber werden sich für diesen besonderen Rückzugsraum der Tier- und Pflanzenwelt und Ort der Stille und des ungestörten Weitblicks begeistern können. 20 Kilometer südlich von Schenkenschanz trifft man übrigens auf eine weitere herrliche Landschaft, die man ebenfalls unbedingt gesehen haben muss: den Nationalpark De Maasduinen.





 

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