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Orte am unteren Niederrhein:

  GEMEINDE KRANENBURG

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Wie Kevelaer, Marienbaum bei Xanten und Ginderich bei Wesel ist auch Kranenburg ein alter Wallfahrtsort am nördlichen Niederrhein. 1308 soll dort bei der Zerkleinerung eines gefällten Baumes zu Brennmaterial ein hölzernes Kreuz aus dem Stamm gefallen sein. Man brachte es sogleich voller Ehrfurcht in die Kirche und stellte es an einem würdigen Platz auf. Weil man dem Kreuz wundertätige Wirkungen zuschrieb, entwickelte sich Kranenburg in der Folgezeit allmählich zu einem viel besuchten Wallfahrtsort. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts, also rund 100 Jahre nach der legendären Auffindung des Kruzifixes, ist die Kranenburger Kreuzwallfahrt mit zeitgenössischen Dokumenten zweifelsfrei belegbar.


Kirche St. Peter und Paul

Auch heute noch befindet sich das hölzerne Kruzifix in der katholischen Kirche St. Peter und Paul, die man deshalb auch Wallfahrtskirche zum Wundertätigen Kreuz nennt. Ursprünglich war es allerdings in einem Vorgängerbau untergebracht, denn die Kirche in ihrer heutigen gotischen Architektur wurde erst Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet. Ihr Turm blieb jedoch lange Zeit unvollendet und wurde schließlich in den Jahren nach 1900 durch ein Glockengeschoss und eine Spitze mit Schieferdeckung aufgestockt. Unter der schönen Innenausstattung fallen besonders die großen Flügelaltäre auf.

 
Pfarrhaus und Bebauung entlang der Stadtmauer

Rund 150 Jahre vor dem imposanten Kirchbau beginnt die fassbare Geschichte von Kranenburg. Wie der Ortsname es schon andeutet, verdankt Kranenburg seine Entstehung einer im 13. Jahrhundert erbauten und mittlerweile nicht mehr vorhandenen Burg der Grafen von Kleve, die in einer ursprünglich von Kranichen bevölkerten Sumpflandschaft angelegt wurde. Um diese Burg bildete sich dann eine Siedlung, die noch vor dem Jahr 1300 mit Stadtrecht beliehen worden sein muss. Um das Jahr 1400 begann man schließlich mit dem Bau der Stadtbefestigung, von der sich noch ansehnliche Mauerreste, mehrere Türme in halber Höhe und der so genannte Mühlenturm erhalten haben. Sehenswert ist auch die eingeschossige Bebauung aus dem 19. Jahrhundert, die sich an die Stadtmauer anlehnt.


Stadtmauer und Mühlenturm

Der viergeschossige Mühlenturm mit seiner geschwungenen Schieferhaube dient heute übrigens als Nebenstelle des Museums Katharinenhof und beherbergt eine Ausstellung zur Regional- und Stadtgeschichte. Im Gebäude des Katharinenhofes befand sich bis zum Jahre 1802 ein 1446 von Augustinerinnen gegründetes Kloster. Das alte Gemäuer aus dem 15. Jahrhundert im Ortszentrum von Kranenburg wurde schließlich im Jahre 1960 zu einem Museum umgebaut, dessen Kunstsammlungen Exponate vom Mittelalter bis zur Moderne umfassen. Eine weitere Außenstelle des Museums ist die so genannte Stadtscheune, die sich der Darstellung sowohl des historischen regionalen Handwerks als auch der traditionellen Landwirtschaft am Niederrhein widmet.


Museum Katharinenhof


Stadtscheune


evangelische Kirche

Die evangelische Kirche grenzt wie der Katharinenhof und der Mühlenturm an die rund 300 Meter lange Mühlenstraße. Der eher kleine Sakralbau, dessen bedeutendstes Ausstattungsstück eine Renaissancekanzel aus dem 17. Jahrhundert ist, wurde im Jahre 1723 errichtet. Nach den großen Zerstörungen in Kranenburg am Ende des 2. Weltkrieges wurde die Kirche in leicht leicht veränderter Gestalt wieder instand gesetzt. Anstelle des Turmes erhielt sie damals den heutigen gefälligen Glockendachreiter. Aufgrund eben erwähnter Zerstörungen wird auch die historische Innenstadt von relativ vielen einfachen Nachkriegsbauten geprägt. Der Stadtgrundriss wurde allerdings beim Wiederaufbau nicht verändert.

Die ländliche Umgebung der Kleinstadt am nördlichen Niederrhein lässt sich am besten mit dem Fahrrad, aber auch mit der so genannten Grenzland-Draisine erkunden. Vom Bahnhof in Kranenburg kann man nämlich mit Hilfe einer gemieteten Draisine auf den Gleisen einer still gelegten Eisenbahnstrecke entweder nach Groesbeek in den Niederlanden oder nach Kleve fahren. Die erste Strecke ist 6, die zweite 10 Kilometer lang.


Draisinen-Bahnhof in Kranenburg





Wenn man mit der Draisine nach Kleve fährt, kommt man nach kurzer Wegstrecke am über 100 ha großen Naturschutzgebiet Kranenburger Bruch vorbei. Das alte Niedermoorgebiet ist Rückzugs- bzw. Lebensraum für viele seltene Wiesenblumen, Wasserpflanzen, Schmetterlinge, Vögel- und Libellenarten.

Unmittelbar danach erreicht man mit der Draisine Nütterden. Das etwas größere Dorf, das schon im Jahre 720 zum ersten Male urkundlich erwähnt wurde, ist einer von insgesamt 9 Ortsteilen der 10000-Einwohner-Gemeinde Kranenburg. Zum historischen Baubestand in Nütterden zählen einige Backsteinhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert und die recht hübsche Antoniuskirche. Sie wurde kurz nach 1850 mit polygonalem Chorabschluss und einem kleinen Turm über der Westfassade erbaut.

Im Dorf Wyler, das im westlichen Gemeindegebiet am Hang einer Standmoräne unmittelbar an der niederländischen Grenze liegt, steht eine viel ältere Kirche. Ihr romanischer Tuffsteinturm stammt noch aus dem Mittelalter. Der kleine reizvolle See in der Nähe des Dorfes heißt übrigens Wyler Meer. Er ist aus einem Altrheinarm entstanden.


Blick über das Wyler Meer nach Zyfflich


Naturschutzgebiet Kranenburger Bruch


Antoniuskirche in Nütterden


Johanneskirche in Wyler

Südlich von Kranenburg grenzt das Dorf Frasselt unmittelbar an den so genannten Reichwald, die größte zusammenhängende und auch hügeligste Waldfläche am nördlichen Niederrhein, die zu ausgedehnten Spaziergängen in jeder Jahreszeit einlädt. Im Dorf selber ist neben dem Turmstumpf der Neuenhofer Mühle auch die in den Jahren zwischen 1859 und 1862 im neugotischen Stil erbaute Antoniuskirche sehenswert. Die Mühle und die Kirche wurden am Ende des 2. Weltkrieges von deutschen Truppen durch bewusst herbeigeführte Sprengungen stark beschädigt. An der Kirche sind diese Beschädigungen noch indirekt am modernen Turmobergeschoss sichtbar. Von der 1880 errichteten, einst stattlichen Mühle, ist - wie schon erwähnt - nur noch ein Turmstumpf vorhanden, der heute zu Wohnzwecken genutzt wird.


Turmstumpf der Neuenhofer Mühle, Reichswald beim Ortsteil Schottheide und Antoniuskirche in Frasselt
 

 
Landschaft bei Zyfflich und Martinskirche

Nördlich von Kranenburg liegen die Dörfer Zyfflich, Niel und Mehr. Die Baugeschichte der Kirche St. Martin im 500-Einwohner-Nest Zyfflich reicht bis in die Zeit um das Jahr 1000 zurück. Vom ursprünglichen Gründungsbau des frühen Hochmittelalters haben sich noch erhebliche Teile im Untergeschoss des Turmes und im Mittelschiff erhalten. In ihrem sonstigen Erscheinungsbild ist die Martinskirche aber wesentlich von späteren Umbauten geprägt. Nichtsdestotrotz zählt sie zu den kulturhistorisch bedeutendsten Sakralgebäuden am nördlichen Niederrhein.

Im benachbarten Dorf Niel wohnen gerade einmal etwas mehr als 200 Leute. Weil in früheren Zeiten mehrmals jährlich Überschwemmungen durch Rheinhochwasser drohten, wurden alle Gebäude in dem Ort auf künstlich aufgeschütteten Anhöhen errichtet. Auch heute noch stehen fast alle Gebäude auf einer solchen Erhebung, einem so genannten Poll. Dies trifft auch für die Pfarrkirche St. Bonifatius aus dem 15. Jahrhundert im Dorfzentrum zu. Das sehenswerte Gotteshaus gliedert sich in einen hohen Westturm mit Spitzhelm, einer anschließenden zweischiffigen Halle und einen 1617 angefügten mehrseitigen Ostchor.


Haus auf einem Poll und Bonifatiuskirche in Kranenburg-Niel

Das Dorf Mehr (500 Einwohner) liegt zwischen Niel und Nütterden. Seine dokumentarisch fassbare Geschichte reicht weit zurück und beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung im 3. Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts. Die beiden ältesten noch erhaltenen Gebäude stammen jedoch aus späteren mittelalterlichen Epochen:

  • die Kirche St. Martin aus dem 15. Jahrhundert in der Ortsmitte und

  • Haus Zelhem, ein ehemaliger Rittersitz im näheren Umfeld des Dorfes, der schon seit dem 12. Jahrhundert belegbar ist. Das einstige Adelsgebäude verdankt seine heutige Gestalt im wesentlichen aber Umbauten aus der Zeit um 1800.

Die historische Windmühle in Kranenburg-Mehr ist ein weiterer Blickfang für jeden Besucher des Ortes. Sie wurde kurz nach 1840 errichtet.


Kirche St. Martin, Haus Zelhem und Windmühle im Dorf Mehr


Landschaft in den niederländischen Nachbarorten

Die Gemeinde Kranenburg grenzt nördlich, westlich und südlich an die Niederlande. Es herrscht ein recht reger Grenzverkehr mit den Nachbarn. Viele Niederländer haben Kranenburg als Einkaufsparadies entdeckt, nicht wenige haben sogar die kleine Gemeinde am Niederrhein als ihren Wohnort ausgewählt. Die Deutschen fahren meistens nach Nijmegen (Nimwegen), aber auch die anderen niederländischen Nachbarorte sind durchaus besuchenswert.

Nützliche Links:

http://www.kranenburg.de   http://www.museumkatharinenhof.de   http://www.grenzland-draisine.eu

 

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