niederrhein-nord.de
Home  Fotos  Email/Impressum  Links

Orte am unteren Niederrhein:

  KRANENBURG - ZYFFLICH

GEMEINDE KRANENBURG  |  MEHR  |  NIEL  |  ZYFFLICH  |  NIEDERLÄNDISCHE NACHBARORTE

Storchendorf Zyfflich bei Kranenburg

"Ach, ich dachte, Zyfflich liegt gar nicht mehr in Deutschland, sondern in Holland," hat der Autor dieser Website schon häufiger gehört. Tatsächlich liegt das 500-Einwohner-Dorf in drei Himmelsrichtungen so nah an der niederländischen Grenze, dass es auf billigeren Straßenkarten vom Niederrhein gar nicht mehr erfasst wird. Wie dem auch sei: Die Besucher des Internationalen Bluesfestivals finden es trotzdem. Die Dorfscheune in Zyfflich wird dann für einen Tag im Frühsommer zum kulturellen Mittelpunkt des nördlichen Niederrhein. Ansonsten verirrt sich aber kaum jemand in das beschaulich ruhige Grenzdorf, das 1969 nach Kranenburg eingemeindet wurde. Diese Ruhe und Abgeschiedenheit wird sicherlich auch von Störchen und vielen anderen Vögeln geschätzt. Ein Storchenpaar hat sich sogar auf einem fast 20 Meter hohen Nistbaum an der Leuther Straße nahe dem Dorfzentrum niedergelassen. Den beiden gefällt es in Zyfflich so gut, dass sie in den letzten Jahren sogar regelmäßig für Nachwuchs sorgen.


Ortseingangsschild und Storch mit Nachwuchs (Ein weiteres Storchennest in der
Umgebung befindet sich übrigens z. B. in Hönnepel.)


Dorfscheune

Störche werden wahrscheinlich schon zur Zeit der Antike im Gebiet von Zyfflich genistet haben. Eindeutig nachweisen dagegen lässt sich durch Fundstücke aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, dass die Römer hier an der nordöstlichen Grenze der damaligen Provinz Germania Inferior kurz nach der Zeitenwende ihre Spuren hinterlassen haben. In welcher Weise die Gegend damals besiedelt war, lässt sich aber (noch) nicht feststellen. Während sich die archäologisch fassbare Ortsgeschichte von Zyfflich also mindestens 2000 Jahre zurückverfolgen lässt, erlauben die erhaltenen schriftlichen Quellen nur eine eintausendjährige Rekonstruktion: Um das Jahr 1000 wird das kleine Dorf am Niederrhein zum ersten Male in einer Urkunde erwähnt.

Das betreffende Dokument bezieht sich auf ein dem Heiligen Martin geweihtes Kloster bzw. Stift, das der damalige Grundherr Graf Balderich von Uplade zur gleichen Zeit in Zyfflich gegründet hatte. In diesem Zusammenhang wurde auch die heutige Martinskirche am Anfang des 11. Jahrhunderts im romanischen Stil errichtet. Im Laufe der Zeit hat sie allerdings tief greifende Umbauten erfahren. In den Jahren bzw. Jahrzehnten um 1436, als der Stift nach Kranenburg verlegt wurde, ließ man z. B. den ursprünglichen rechteckigen Chor durch einen mehrseitigen gotischen Chor ersetzen. Außerdem wurden die beiden Seitenschiffe entfernt, die Mauern des Mittelschiffes erhöht und überwölbt, die Mittelschiffarkaden vermauert und ein Turm erbaut. An die Stelle der gotischen Gewölbe trat 1718 schließlich eine niedrige Holzdecke. Nach den schweren Zerstörungen an Ende des Zweiten Weltkrieges berücksichtige man bei der Wiederherstellung im erheblichen Maße auch die ursprüngliche architektonische Gestaltung des Gründungsbaus. Die Martinskirche erhielt nun wiederum Seitenschiffe und die schon erwähnten Mittelschiffarkaden konnten daher erneut geöffnet werden. Diese Arkaden sind kulturhistorisch sehr bedeutsam, da sie als die ältesten erhaltenen Beispiele des so genannten rheinischen Stützenwechsels gelten. Pfeiler und Säulen folgen hier abwechselnd nacheinander. Die Zyfflicher Kirche weist sogar ein Doppelarkadensystem auf: Zwei Pfeiler überwölben mit einem Blendbogen eine mittlere Säule, die ihrerseits zwei kleinere, offene Rundbögen trägt.


Zwei Ansichten der Pfarrkirche St. Martin

Die Martinskirche befindet sich recht zentral im rund einen Kilometer langen, teils locker bebautem Dorfgebiet, das sich nur wenige hundert Meter in die Breite zieht. Ein paar Bauernhöfe und viele Nachkriegsbauten bzw. moderne Einfamilienhäuser prägen neben der Kirche im wesentlichen das Ortsbild von Zyfflich. Gleichwohl haben auch ein paar alte Gebäude die schweren Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs überdauert.


Beispiele für die Ortsbebauung

Das für sich alleine schon recht reizvolle Dorf erhält seinen besonderen Charme auch durch die herrlich schöne Landschaft in der Umgebung, die sich hauptsächlich aus Grünland mit vereinzelten Feuchtgebieten zusammensetzt und unter Naturschutz steht. Störche und viele andere Vögel wie Uferschnepfen fühlen sich hier sehr wohl. Dazu gesellen sich Arktische Wildgänse in großer Zahl während der Wintermonate. Der Rhein bzw. die Waal fließt zwei Kilometer nördlich auf niederländischem Gebiet an Zyfflich vorbei. Hochwasser stellen allerdings heute nach dem Bau der Deiche keine Bedrohung mehr dar. Andererseits ist durch diese Schutzmaßnahme auch die ursprüngliche sumpfige Auwaldlandschaft leider größtenteils verschwunden. Dennoch hat der Rhein einige unübersehbare Spuren im Landschaftsbild hinterlassen. Nur wenige hundert Meter südlich von Zyfflich erstreckt sich zum Beispiel ein alter Rheinarm, das so genannte Wyler Meer.


Feuchtgebiet am Ortsrand









 

GEMEINDE KRANENBURG  |  MEHR  |  NIEL  |  ZYFFLICH  |  NIEDERLÄNDISCHE NACHBARORTE

 

 nach oben zum Seitenanfang