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Orte am unteren Niederrhein:

  KREFELD - LINN

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Linn, ein besonderes Highlight am Niederrhein

Es gibt nicht übermäßig viele Orte bzw. Siedlungen am nördlichen Niederrhein, die komplett unter Denkmalschutz gestellt wurden. Dazu zählen u. a. die Dörfer Hanselaer und Grieth bei Kalkar. Auf dem Gemeindegebiet von Krefeld sind nicht nur die Altstadt von Uerdingen, sondern auch der historische Ortskern von Linn ausgewiesene Denkmalbereiche. Der rund 250000 Quadratmeter große Denkmalbereich Linn wird im Krefelder Amtsblatt Nr. 32 vom 13. August 1987 genau definiert. Er umfasst "die Burg, die Vorburg, den Stadtgrundriss und ... die erhaltene historische Bausubstanz. Den Stadtgrundriss bilden die Straßen, Wege und Plätze sowie die im Gelände noch deutlich erkennbaren Festungsanlagen."


Lage der Burganlage, des historischen Stadtkerns
und der Wassergräben in Linn


Reste der Stadtmauer  

Bei den deutlich erkennbaren Festungsanlagen in Krefeld-Linn handelt es sich sowohl um die bedeutenden Reste der mittelalterlichen Stadtmauer als auch um den mit Erdwällen und Bastionen verstärkten äußeren Burg- und Stadtgraben. Dieser noch größtenteils vorhandene Wassergraben wurde im 17. Jahrhundert um die Stadt und Burg Linn ausgehoben, um eine gemeinsame Verteidigungslinie zu schaffen. Ein weiterer breiter Wassergraben erstreckt sich schützend um die Burg, oder genauer gesagt: die Kernburg. Der Graben um die Vorburg ist dagegen heute nur noch kleinerenteils mit Wasser gefüllt, an vielen anderen Stellen durch Vertiefungen im Boden aber noch gut erkennbar.


äußerer Burg- und Stadtgraben  

Die Geschichte der Burg Linn beginnt spätestens im 12. Jahrhundert mit der Errichtung eines rechteckigen steinernen Wohnturms auf einem künstlich angelegten Erdhügel. Während der Wohnturm noch im Mittelalter abgebrochen wurde, ist die ihn umgebende Ringmauer mit Flankentürmen aus der Zeit um 1200 noch erhalten. Im Laufe der zweiten Hälfte 13. Jahrhunderts erhielt die Burg Linn im wesentlichen ihre heutige Gestalt: Es entstanden der Palas, der Bergfried, der Torturm und der Torzwinger. Zur gleichen Zeit wurden auch die Ringmauer und die Flankenturme erhöht. 1478 folgte außerdem die äußere Wehrmauer, im 16. Jahrhundert der Küchenflügel und im 17. Jahrhundert der Treppenturm am Palas.

An die Kernburg grenzt unmittelbar östlich die Vorburg, deren mittelalterliche Ummauerung mitsamt Torhaus ebenfalls noch vorhanden ist. Die Zehntscheune und das ehemalige Back- und Brauhaus stammen wie die Ummauerung auch aus dem Späten Mittelalter. Ihre Fassaden und Strukturen wurden jedoch später nicht unerheblich verändert. Das ehemalige Back- und Brauhaus diente im 18. Jahrhundert zuerst als Kellnerei, dann als Jagdschloss. So wird das Gebäude auch heute noch bezeichnet.


Kernburg der Burg Linn und Torhaus der Vorburg

In den Jahren nach 1700 erlitt die Burg Linn mehrmals schwere Beschädigungen. Sie wurde nicht mehr instand gesetzt, aber glücklicherweise auch nicht abgerissen. Nur das Jagdschloss in der Vorburg wurde weiterhin noch genutzt bzw. bewohnt. 1805/06 gelangten das Jagdschloss und die mittlerweile stark verwilderte Burgruine für mehr als als 100 Jahre in den Besitz der Krefelder Seidenfabrikantenfamilie de Greiff. Der um 1830 um das Burggelände angelegte Landschaftspark im englischen Stil geht auf ihre Initiative zurück. 1926 erwarb schließlich die Stadt Krefeld das gesamte Anwesen und ließ die alten Gemäuer danach Schritt für Schritt restaurieren und als Museum einrichten. Die Räume der mittelalterlichen Burg beherbergen heute Ausstellungen zur Geschichte des Bauwerks und seiner Bewohner. In der gotischen Kapelle befindet sich übrigens das Grab und Skelett des Burggründers Otto von Linn (* um 1171; † um 1219). Im Jagdschloss wird die bürgerliche Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts gezeigt. Zum so genannten Museum Burg Linn gehört auch das Archäologische Museum, das unmittelbar am Ortseingang zum historischen Ortskern liegt. Dort kann man sich u. a. Exponate aus römischer und fränkischer Zeit anschauen.

 


Zehntscheune


Jagdschloss


Wasserrad am Mühlenhof in Linn

Isaak de Greiff erwarb 1805/06 nicht nur die Burg, sondern auch den Mühlenhof in Linn, der außerhalb des historischen Ortszentrums unmittelbar am östlichen Abschnitt des äußeren Burg- und Stadtgrabens liegt. Seine heutige architektonische Gestalt verdankt der Mühlenhof dem frühen 19. Jahrhundert bzw. seinem damals neuen Besitzer, der ihn unmittelbar nach dem Kauf zu einem vierflügeligen Gebäudekomplex ausbauen ließ. Die 1602 erstmalig urkundlich erwähnte Wassermühle wurde dabei in den Südflügel integriert. Das Mahlwerk ist mittlerweile verschwunden, das Wasserrad aber noch vorhanden. Diese Wassermühle zählt damit zu den wenigen durch Wasserkraft angetriebenen Mühlen am nördlichen Niederrhein, die noch relativ gut erhalten sind. Weitere gut erhaltene historische Exemplare zwischen Rhein und Maas stehen z. B. noch in Goch, Leuth und Arcen.


Haus Greiffenhorst und Mühlenhof

Angetrieben wurde die Wassermühle in Krefeld-Linn in früheren Tagen durch den so genannten Linner Mühlenbach. An beiden Seiten dieses Baches ließ Isaaks Sohn Cornelius de Greiff um 1840 einen schmalen Landschaftspark auf rund einem Kilometer Länge zwischen dem Mühlen- und dem Hausenhof anlegen. Der Greiffenhorstpark bietet eine idyllische Umgebung für das zur gleichen Zeit ebenfalls im Auftrag von Cornelius errichtete Haus Greiffenhorst. Das Jagd- und Gartenschlösschen ist ein eleganter und herrschaftlicher dreistöckiger Zentralbau in wunderbaren klassizistischen Formen.


Issumer Turm und das dazu gehörige Torhaus

Über drei Stockwerke verfügt auch der Issumer Turm, eine weitere bedeutende Sehenswürdigkeit in Linn. Er steht schräg gegenüber dem oben schon erwähnten Mühlenhof direkt in der südöstlichen Ecke der Altstadt. An den mittelalterlichen Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert, der später mit einem Mansarddach bekrönt wurde, schließt sich ein einstöckiges Nebengebäude an. Zugang zu diesem bemerkenswerten Gebäudeensemble bietet ein mit einem barocken Giebel geschmücktes Torhaus. Wohnturm und Nebengebäude sind in die ebenfalls im 14. Jahrhundert errichtete mittelalterliche Stadtmauer integriert. Zu dieser Zeit muss Linn also schon Stadtrechte besessen haben. In der nordöstlichen Ecke der Altstadt befindet sich das Pendant zum Issumer Turm: der Bakenhof. Er war ursprünglich auch ein Burgmannshof und Lehen der Linner Burgherrren. Von der mittelalterlichen Anlage hat sich aber nur der im Laufe der Zeit nicht unerheblich umgestaltete Turm erhalten. Das Eingangstor zum Bakenhof mit seinem geschwungenen Giebel stammt aus der Epoche des Barock.


Bakenhof, Haus Margaretenstraße 19 und Torwächterhäuschen

Neben dem Bakenhof befand sich früher das Rheintor, eines von insgesamt drei mittelalterlichen Stadttoren in Linn, die alle im 19. Jahrhundert abgerissen wurden. An die Existenz des Rheintors erinnert noch der Name des ursprünglich unmittelbar angrenzenden Gebäudes: Das so genannte Torwächterhäuschen, ein kleiner, weiß geschlämmter Backsteinbau, wurde in seiner heutigen Gestalt aber erst im 18. Jahrhundert errichtet. Rund 100 Jahre älter ist das so genannte Alte Zollhaus am ehemaligen Steintor in der Margaretenstraße. Das Backsteingebäude erregt nicht nur wegen seiner hübschen geschwungenen Giebel Interesse. Erstaunlich ist auch die in Fachwerk gestaltete östliche Fassade, die zur Hofseite zeigt. Das Haus Margaretenstraße 19 und seine mit Backsteinen ausgefachte Fassade stammen ebenfalls wie das Alte Zollhaus aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.


Altes Zollhaus, Margaretenkirchturm und Häuser an der Rheinbabenstraße, Gebäude am Andreasmarkt

Auf dem Margaretenplatz stand die spätmittelalterliche Linner Stadtkirche. Die Fundamente des 1814 eingestürzten Gotteshauses sind dort teilweise freigelegt. 6 Jahre nach dem Einsturz wurde der Bau der neuen Margaretenkirche an der Rheinbabenstraße fertig gestellt. Der bedeutendste Platz in Linn ist allerdings nicht der Margaretenplatz, sondern der Andreasmarkt. Er wird von vielen hübschen älteren Häusern und einem größeren, weniger schönen Gebäude aus der Zeit um 1980 umrahmt. In diesem modernen Gemäuer ist das Deutsche Textilmuseum Krefeld untergebracht. Der Standort für das Museum ist sicherlich gut gewählt, da der Andreasmarkt in früheren Zeit auch als Flachsmarkt genutzt wurde. Der überregional bekannte heutige Flachsmarkt Linn, ein historischer Handwerkermarkt, findet an jedem Pfingstwochenende auf dem Gelände rund um Burg statt. Der Andreasmarkt wäre für dieses Event viel zu klein.


Drehbrücke

Vom Andreasmarkt bzw. vom historischen Ortskern muss man nur etwas mehr als einen Kilometer in nordöstliche Richtung laufen, um zum Rhein zu gelangen. Mit der Eingemeindung von Linn im Jahre 1901 konnte sich Krefeld also auch einen direkten Zugang zum damals schon bedeutenden Fluss verschaffen. Kurz darauf wurde der Rheinhafen ausgebaut. In diesem Zusammenhang entstand auch im Jahre 1905 die das Linner Hafenbecken überspannende Drehbrücke. Das am nördlichen Niederrhein einzigartige Bauwerk steht zurecht unter Denkmalschutz. Und das nicht nur wegen seiner Jugendstil-Elemente.

Etwas mehr als 6000 Menschen wohnen übrigens im Stadtteil Linn. Rund 20000 Einwohner zählt der Krefelder Stadtbezirk Oppum-Linn. In Oppum befindet sich ein Bauwerk, das ursprünglich als Vorposten der Burg Linn diente. Gemeint ist die Geismühle, die aufgrund ihrer Lage an einer Autobahnraststätte wahrscheinlich bekannteste Sehenswürdigkeit von Krefeld. Das alte Gemäuer wurde im 14. Jahrhundert nicht als Mühle errichtet, sondern diente als ein in Sichtweite zur Burg stehender Wachturm. Der Umbau zur Mühle erfolgte erst viel später.


Geismühle

 

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