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Orte am unteren Niederrhein:

  RHEINBERG - ORSOY

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Wappen und Rheintor

Orsoy am Rhein

Falls Sie kein Niederrheiner sein sollten: Der 1975 eingemeindete Rheinberger Ortsteil, der hier vorgestellt wird, wird Orsau ausgesprochen. Wenn man jetzt noch die beiden Anfangsbuchstaben vertauscht, liegt die Bedeutung des Ortsnamens auch für Fremde auf der Hand: Rossaue bzw. Rosswiese. Dementsprechend zeigt das Wappen von Orsoy auch drei Pferdeköpfe über einer Stadtmauer. Diese Mauer ist übrigens heute noch großenteils erhalten.

Nicht nur aufgrund seiner noch vorhandenen alten architektonischen Strukturen, darunter die eben erwähnte Stadtmauer und weitere ansehnliche historische Ortsbebauung, sondern auch aufgrund seiner unmittelbaren Lage am Rhein ist der heute rund 3500 Einwohner zählende Ort Orsoy zurecht ein beliebtes regionales Tagesausflugsziel. Besonders die baumumstandene Promenade auf dem Rheindeich zieht die Naherholungsurlauber magisch an. Dort kann man sich auf Bänken niederlassen und gemütlich beobachten, wie ein Frachtschiff nach dem anderen vorbeizieht und die Fähre zwischen Orsoy und Walsum immer wieder hin- und herpendelt. Zur Fähre gelangt man übrigens - nomen est omen - über die Fährstraße. Sie schneidet die Promenade am 1937 bis 1938 errichteten Rheintor.


Rheinfähre und Rheindeichpromenade

Die Ortsgeschichte ist natürlich auch eng mit Deutschlands längstem Fluss verbunden. Dass zeigt sich besonders darin, dass im 13. Jahrhundert die Grafen von Kleve in Orsoy eine Rheinzollstation errichten ließen. Daran erinnert heute übrigens noch das 1978 wieder aufgebaute Alte Zollhaus am Friedrichplatz unmittelbar gegenüber dem Rheintor. Außerdem befestigten die Grafen den aufstrebenden Ort und verliehen ihm die Stadtrechte, die 1347 noch einmal von Kaiser Ludwig IV. bestätigt wurden. Diese besondere Förderung von Orsoy durch die Grafen und späteren Herzöge mag in seiner Grenzlage als südlichste Enklave von Kleve begründet liegen. Das benachbarte Rheinberg gehörte nämlich schon zum Kurfürstentum Köln und diente übrigens ebenfalls als Zollstätte.


Altes Zollhaus

Die Grafen und Herzöge von Kleve errichteten zur Verteidigung ihres Grenz- und Zollpostens Orsoy sogar eine Burg im 13. Jahrhundert, die "1425 zerstört wurde. Herzog Adolf von Kleve ließ danach ... die große Burg mit drei Türmen bauen, die 1672 nach der Eroberung durch Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. gesprengt wurde. Erhalten blieben nur Teile der äußeren Umfassungsmauern." So lautet die Inschrift auf einer kleinen Gedenktafel an der Egerstraße, von der aus man leider fast gar nichts von den Burgresten erkennen kann.


Reste der klevischen Burg und Stadtmauer

Wesentlich besser ist dagegen der Erhaltungszustand der Stadtmauer und des vorgelagerten Befestigungswalls. Eine erste Ringmauer wurde schon im 15. Jahrhundert um Orsoy herum angelegt. Nach der Zerstörung der Stadt 1586 durch spanische Truppen während des 80-Jährigen-Krieges wurde die Mauer wieder instand gesetzt und mit Türmen, Bollwerken und Ravelins erheblich verstärkt. 1550 wurde der heute noch erhaltene 18 Meter hohe Mühlen- bzw. Pulverturm in die Mauer integriert. Verschwunden sind dagegen die 4 Stadttore, als letztes das Kuhtor im Jahre 1945 am Ende eines wahnsinnigen Weltkrieges. Während die denkmalgeschützte Stadtmauer noch etwa auf einem Viertel ihres Verlaufes erhalten bzw. überirdisch sichtbar ist, hat der Befestigungswall mit seinen Bollwerken die Wirren der Zeit vollständig in ganzer Länge überstanden. Er steht ebenfalls unter Denkmalschutz und dient heute als so genannte Wallpromenade, auf der man das rund 1 Quadratkilometer große Zentrum von Orsoy umwandern kann.


Pulver- bzw. Mühlenturm und Wallpromenade (oben) und Wall am Kuhteich (unten)





Altes Rathaus, evangelische und katholische Kirche und die ehemalige Synagoge

In der Mitte des Ortszentrums befinden sich das weiß angestrichene, um 1600 errichtete Rathaus mit geschwungenem Giebel und die ebenfalls weiß geschlämmte evangelische Kirche. Der dreischiffige gotische Backsteinbau stammt aus dem 15. Jahrhundert. In seinem Inneren ist besonders die geschnitzte Kanzel aus der Zeit um 1550 bemerkenswert. Die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus wurde zwischen 1843 und 1847 erbaut und am Ende des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt. Das kann man heute noch besonders am Turm erkennen, dessen Schaft nicht in voller Höhe und ohne den ursprünglichen hochragenden Spitzhelm rekonstruiert wurde. Schade! Dafür entschädigt aber das wertvollste Innenausstattungsstück: ein um 1500 geschnitzter Passionsalter mit vier bemalten Flügeln aus einer flämischen Werkstatt. Und es gibt noch ein weiteres sehenswertes ehemaliges Gotteshaus in Orsoy. Die Synagoge aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat den Naziterror wohl nur deshalb überstanden, weil sie wie ihre Schwester in Issum schon vor 1938 profaniert war.

     
Hintergebäude Kuhstraße 20, Bürgerhaus von 1765 in der Fährstraße, Gebäude in der Eger- und Kiesendahlstraße

Adolfs Schreckensherrschaft und ihren unmittelbaren Folgen konnten auch mehrere jahrhundertealte Bürgerhäuser besonders in der Eger-, Binsheimer, Fähr-, Kuh- und Kiesendahlstraße trotzen, die wie die eben vorgestellten Gebäude ebenfalls unter Denkmalschutz stehen. Das kulturhistorisch bedeutendste Denkmal unter ihnen ist das Hintergebäude Kuhstraße 20, das man durch einen Verbindungsgang im Vorderhaus erreichen kann. Das überaus sehenswerte gotische Backsteingebäude stammt noch aus dem dem 15. bzw. 16. Jahrhundert. Auch das gelb geschlämmte Vordergebäude dürfte nicht wesentlich jünger sein. Besonders erwähnenswert ist auch das dreigeschossige barocke Bürgerhaus in der Fährstraße 16. Es wurde 1765 von dem Tuchhändler und Essigbrauer Johann Wilhelm Knipscheer erbaut. Es entstand zu einer Zeit, als das Tuchgewerbe in Orsoy gerade in voller Blüte stand. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts spielte dann die Tabakindustrie in der Kleinstadt am Niederrhein eine große Rolle. Davon zeugt heute noch die ehemalige Tabakfabrik, in die heute allerdings nach einem grundlegendem Umbau Wohnungen integriert sind. Zum Schluss sei noch auf ein kleines ungewöhnliches Gebäude am Hafendamm hingewiesen: Dort steht nämlich eine alte Wegezollstelle der Stadt Orsoy. Das kleine Backsteingemäuer wurde um 1710 errichtet. Natürlich wird es nicht mehr betrieben und somit ist heute z. B. der Weg ins benachbarte Dorf Baerl kostenfrei.


Blick in die Kuhstraße, ehemalige Tabakfabrik am Südwall und alte Wegezollstelle am Hafendamm

 

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