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  RHEINBERG - OSSENBERG

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Das Dorf Ossenberg

Wenn man sich dem Gebiet von Ossenberg auf der Bundesstraße 57 aus größerer Entfernung nähert, erwartet man zunächst wohl kaum ein 2000-Einwohner-Dorf. Zu offensichtlich springen nämlich zuerst die hohen Schornsteine und Produktionsanlagen der Solvay-Werke Rheinberg ins Auge, die den kleinen Ort in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft fast unsichtbar bzw. unbedeutend klein erscheinen lassen. Sicherlich wird das keinen Einwohner von Ossenberg wirklich stören, denn die Werke sind seit 1907 der größte lokale Arbeitgeber, als man hier mit der Sodaproduktion begann. Mittlerweile hat sich die Produktpalette der Solvay-Werke auch auf die Herstellung von anderen chemischen Stoffen, insbesondere Kunststoffen aller Art, ausgedehnt.

  Solvaywerke an der B 57

Aus der Gründungszeit des Werkes stammt übrigens noch der unübersehbare Ziegelsteinkamin mit der Solvay-Aufschrift. Außer den Industrieanlagen wurde um das Jahr 1910 auch eine Werkssiedlung für die Arbeiter in der Winkelstraße gebaut, deren Gebäude heute unter Denkmalschutz stehen. Es handelt sich dabei meistens um eingeschossige, teils weiß verputzte, teils backsteinsichtige Häuser mit Krüppelwalmdach.


Haus in der Winkelstraße

Neben den Solvay-Werken säumt auch eine recht hübsche, weiß angestrichene Mühle die Bundesstraße 57. In Anlehnung an die langjährige Müllerfamilie heißt sie auch Büntener Mühle. Eine große Inschrift an der Haube des rund 30 Meter hohen Turmholländers nennt das Jahr 1470. Tatsächlich wurde das heutige Bauwerk aber in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Somit muss sich die Jahreszahl auf einen Vorgängerbau an gleicher Stelle beziehen.


Büntener Mühle

Die Straße, die von einer Ampelkreuzung auf der B 57 zwischen der Mühle und den Solvay-Werken in den Ortskern von Ossenberg führt, heißt Graf-Luitpold-Straße. Nach etwa einem halben Kilometer erreicht man den 4000 m² großen Dorfplatz, auf dem sich auch ein Spielplatz und ein recht schöner Brunnen befinden. Im flachen Wasserbecken dieses Brunnens stehen vier Steinstelen und die Skulptur eines so genannten Antoniusschweines. Der Name bezieht sich auf einen mittelalterlichen Brauch, der in Ossenberg bis 1502 praktiziert wurde. Eines der Dorfschweine wurde nämlich nur für die arme Bevölkerung gemästet und aufgrund dieser Bestimmung extra mit einer Schelle bzw. Glocke um den Hals gekennzeichnet.


Antoniusschwein und der Dorfplatzbrunnen

Beim Betrachten des direkten Dorfplatzumfeldes stechen viele Nachkriegsbauten und moderne Häuser sofort ins Auge. Sie sind ein unverkennbares Zeichen dafür, dass sich Ossenberg wie viele andere Orte am linken Niederrhein nach 1945 erheblich flächenmäßig ausgedehnt hat. Zu diesen Nachkriegsbauten am Dorfplatz gehört auch die 1953 eingeweihte Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Neben der Kirche entdeckt man dann doch noch ein historisches Bauwerk. Das alte Backsteingebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert wird Mühlenhaus genannt, weil es früher die Wohnung des Müllers oben erwähnten Turmholländers gewesen sein soll.


Mühlenhaus, Kirche St. Mariä Himmelfahrt
und Nachkriegsbauten im Dorfzentrum

Wenn man vom Dorfplatz auf der Graf-Luitpold-Straße weiter in nördliche Richtung zieht, erblickt man nach wenigen Metern rechts ein über 100 Jahre altes Schulgebäude und links ein kleineres, eher unscheinbares Haus, auf dem aber eine Denkmalschutz-Plakette angebracht ist. Es handelt sich dabei um ein altes, ehemaliges Gesindehaus. Das eingeschossige Gebäude auf langrechteckigem Grundriss trägt ein recht aufwändiges Mansardwalmdach.


Altes Schulgebäude und Gesindehaus






Wie das Gesindehaus steht auch die schräg gegenüberliegende Antoniuskapelle in engem Zusammenhang mit dem benachbarten Schloss Ossenberg. Schon für das Jahr 1351 ist bezeugt, dass sich das kleine sakrale Bauwerk im Besitz der damaligen Schlossherren befand. Daher wird die im 13. Jahrhundert erstmalig urkundlich erwähnte Antoniuskapelle zurecht ebenfalls als Schlosskapelle bezeichnet, zumal sie auch noch lange Zeit als Grablege eben erwähnter Herren diente. Das ursprünglich gotische Bauwerk wurde im 18. Jahrhundert etwa um die Hälfte erweitert und dem Zeitgeschmack gemäß teilweise im barocken Stil umgestaltet bzw. ergänzt. Im Innenraum wird das besonders am Altar und am Orgelprospekt sichtbar. 1923 erfolgte schließlich noch der Anbau eines Seitenschiffes. Nach dem Neubau der oben kurz vorgestellten größeren Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt Anfang der 50iger Jahre verlor die Antoniuskapelle allmählich an Bedeutung und war schließlich dem Verfall preisgegeben. Zwischen 1999 und 2001 wurde sie aber wieder vorbildlich instand gesetzt.


2 Ansichten der Antonius- bzw. Schlosskapelle und Einmündung der Graf-Luitpold-Straße in die Schlossstraße

Die Antoniuskapelle wird nur durch die Schlossstraße vom weitläufigem Gelände des gerade schon erwähnten Adelsgemäuer getrennt, das man übrigens auch auf weniger erhabene Weise nur Haus Ossenberg nennt. Die in sich abgeschlossene quadratische Schlossanlage besteht aus einem hell verputzten Herrenhaus, backsteinsichtigen Wirtschaftsgebäuden, Türmen, Umfassungsmauern und einem zweigeteilten Innenhof. Neben dem zentralsüdlichen Torturm ist eine Inschrift angebracht: "Haus Ossenberg / Älteste Teile aus dem 14. Jh., 1721 umgebaut, Herrenhaus mit bemerkenswerten Rokokozimmern, ... / Privatbesitz, keine Besichtigung." Dieser kurzen und treffenden Beschreibung des Rokokoschlosses muss man eigentlich nur noch hinzufügen, dass mit der ersten urkundlichen Erwähnung seines mittelalterlichen Vorgängerbaues im Jahre 1176 auch die urkundlich fassbare Ortsgeschichte von Ossenberg beginnt. Die eigenständige Geschichte des Dorfes am Niederrhein endete 1951 mit der Eingemeindung nach Borth. 1975 schließlich erfolgte die Angliederung an Rheinberg.


Außenansicht des Haus Ossenberg entlang der Schlossstraße
(ganz links ist die hell verputzte Giebelfassade des Herrenhauses, in der Mitte der zentralsüdliche Torturm sichtbar)

Die Geschichte von Ossenberg ist aber nicht nur eng mit dem Herrenhaus, sondern auch mit dem nahen Rhein verbunden, der heute in einem Abstand von rund 500 Metern am Dorf vorbeifließt. Einerseits lebte man früher neben dem Ackerbau auch vom Rheinfischfang, andererseits fürchtete man lange Zeit die alljährlichen Hochwasser, bis in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Errichtung eines neuen Deiches die Gefahr endlich gebannt werden konnte.

    Landschaft bei Ossenberg
    Blick auf den Rhein
    Rheinufer bei Ossenberg

 

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