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  SONSBECK - LABBECK

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Das sehr beschauliche Dorf Labbeck, wo sich Fuchs und Hase ...

Hügel, Wälder, Äcker, Felder, Wiesen, vereinzelte Bauernhöfe und Ein- und Zweifamilienhäuser formen das Orts- und Landschaftsbild des 1300-Einwohner-Dorfes Labbeck. Sein Siedlungszentrum liegt am Fuße des nördlichen Abhangs der Sonsbecker Schweiz in einer weitläufigen Ebene, die von den sanft ansteigenden Hügeln des so genannten Xantener Stauchwallbogen hufeisenähnlich eingeschlossen wird. Neben diesen natürlich geschaffenen Erhebungen prägt auch ein rund 10 Meter hoher und mittlerweile bewaldeter ehemaliger Eisenbahndamm das landschaftliche Erscheinungsbild. Über diesen Damm, der unmittelbar parallel zur Bernholter Straße verläuft, verkehrte bis zum Ende des 2. Weltkriegs die Boxteler Bahn bis nach Wesel. 1884 erhielt Labbeck sogar ein eigenes Bahnhofsgebäude, das allerdings 1945 komplett zerstört und wegen der Einstellung des Zugbetriebes nicht wieder aufgebaut wurde.


Lage von Labbeck und Eisenbahndamm

Unter lokalhistorischen Aspekten darf man 1884 mit einigem Recht als ein Epochenjahr für Labbeck bezeichnen. Ansonsten ist die Dorfgeschichte sicherlich noch weniger bedeutend, reicht dafür allerdings weit zurück: Die Ursprünge und die Entstehung von Labbeck fallen nämlich schon ins Mittelalter. Die fassbare Geschichte des Platzes ist sogar noch älter und beginnt in der Antike. Die Römer waren vielleicht schon im ersten, aber spätesten im zweiten nachchristlichen Jahrhundert auf Quellwasser an den Abhängen des Tüschenwalds, der unmittelbar nördlich an das Dorf angrenzt, aufmerksam geworden. Mit Hilfe einer Wasserleitung, die teils unterirdisch, teils oberirdisch auf Brückenpfeilern verlief, leiteten sie das kostbare Nass ins antike Xanten, oder besser gesagt: in die Colonia Ulpia Traiana, wo es vermutlich hauptsächlich zur Versorgung der großen Thermenanlage verwendet wurde. Dort, wo heute das 1779 errichtete Forsthaus Hasenacker im Tüschenwald steht, hatte diese Wasserleitung höchstwahrscheinlich ihren Ausgangspunkt. Die Teiche hinter dem Forsthaus, das zusammen mit ein paar Neubauten mittlerweile als Jugendbildungsstätte dient, werden übrigens immer noch vom demselben Quellwasser gespeist.


Forsthaus Hasenacker und Teich hinter dem Forsthaus

Aufgefundene Reste der antiken Wasserleitung kann man sich auf dem Gelände des Forsthauses bzw. der Jugendbildungsstätte und auf dem recht großen Dorfplatz in Labbeck anschauen. Seit seiner Neugestaltung im Jahre 2008 erinnern nicht nur die originalen Reste, sondern auch ein hübscher Brunnen an die einstige lokale römische Wasserleitung. Der Brunnen besteht aus einem auf einer kleinen Erhebung befindlichen Basaltstein, aus dem Wasser sprudelt, und einer halbkreisförmig verlaufenden, sanft abfallenden Rinne, auf welcher das Wasser abgeleitet wird. Das aquäduktähnliche Aussehen des Rinnenunterbaus ist kein Zufall. Die Hasenplastiken neben dem Quellstein spielen auf den Quellort der Wasserleitung beim Forsthaus Hasenacker im Tüschenwald an. Die von Krefeld bis Nijmegen (Nimwegen) sich erstreckenden Niederrheinischen Höhen, zu denen der Xantener Stauchwallbogen und somit auch die Sonsbecker Schweiz mitsamt Tüschenwald gehören, wurden übrigens auch an anderer Stelle zur Wasserversorgung antiker römischer Siedlungen genutzt. Ein weiteres Aquädukt, dessen Verlauf man heute mit Hilfe eines informativen Wanderweges erkunden kann, befand sich z. B. zwischen dem Dorf Berg en Dal und Nijmegen (Nimwegen).

Brunnen auf dem Dorfplatz


Das Wappen von Labbeck auf dem Dorfplatz
wird von Hasen flankiert. Bis zur Eingliederung
nach Sonsbeck im Jahre 1969 war das Dorf
eine eigenständige Gemeinde.


Reste der römischen Wasserleitung
auf dem Dorfplatz (oben)
und ein Brunnenhase (unten)


Dorfplatz in Labbeck

Der schön gestaltete Dorfplatz mit seinem bemerkenswerten Brunnen liegt unmittelbar an der Hauptstraße von Labbeck, der Marienbaumer Straße. Westlich und östlich schließen sich an den Dorfplatz bzw. an die Dorfhauptstraße zwei von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägte, eher kleinere Wohngebiete an, die wohl erst in den letzten 50 Jahren allmählich entstanden sein dürften. Wenn man einmal die vereinzelten versprengten Hofstellen in der unmittelbaren Umgebung außer Blick lässt, muss Labbeck daher um das Jahr 1900 ein reines Straßendorf gewesen sein, denn die ältesten Gebäude im heutigen Siedlungszentrum stehen alle an der Marienbaumer Straße. Dazu zählt auch die Marienkirche unmittelbar am südlichen Ortseingang, die um 1870 errichtet wurde. An der Fassade des turmlosen Sakralbaus fällt besonders das recht breite, in vier Bahnen gegliederte und mit Maßwerk geschmückte westliche Spitzbogenfenster auf. Die Glocken des neugotischen Sakralbaus sind in einem Dachreiter untergebracht. Unmittelbar neben der Marienkirche befindet sich das zweigeschossige Pfarrhaus, das in der gleichen Zeit erbaut sein dürfte.


das Marienkirche-Pfarrhaus-Ensemble und ein modernes Einfamlienhaus in Labbeck


Pestkreuz

Älter als Kirche und Pfarrhaus ist ein 1628 gestaltetes Pestkreuz, dessen besonders sehenswerter Unterbau aus einer hohen, reichlich gegliederten Säule besteht. Es erhebt sich heute rund 200 Meter nördlich des eben vorgestellten Siedlungszentrums auf einem kleinen, eher naturbelassenen Platz an der gerade ebenfalls schon erwähnten Straße von Labbeck nach Marienbaum. An dieser und an vielen anderen Stellen kann man gut sehen, dass der weitaus größte Teil des Dorfgebietes nicht zu Wohnzwecken, sondern landwirtschaftlich von der lokalen Bauernschaft genutzt wird. Viele Hofstellen können auf eine lange Tradition zurückblicken, die häufig sogar noch an ihrer schönen historischen Architektur sichtbar wird. Wer also gerne durch Felder und Wiesen Wanderungen und Radtouren unternimmt und die größerenteils sanften Steigungen im Tüschenwald und in der Sonsbecker Schweiz nicht scheut, ist in Labbeck sicherlich nicht am falschen Ort.



 

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