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Orte am unteren Niederrhein:

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Die Sonsbecker Schweiz und der Tüschenwald

Wenn jemand sagt, er sei in der Schweiz gewesen, kann das durchaus eine irreführende Aussage sein. Es gibt nämlich noch rund 200 weitere, freilich recht kleine Regionen in der Welt, die ebenfalls mit dem Namen des bekannten Alpenlandes bezeichnet werden. Besonders in Nordrhein-Westfalen scheint es Mode zu sein, hügelige Gegenden mit der Bezeichnung Schweiz zu belegen. Zu dieser fast inflationären Verwendung des Begriffes liefert auch der nördliche Niederrhein einen nicht geringen Beitrag, indem gleich zwei Gebiete mit eher mäßigen Bodenerhöhungen nach dem Land der Eidgenossen benannt werden: die Sonsbecker und die Hinsbecker Schweiz. Aber alles ist relativ: Auch wenn die Hügel in Sonsbeck und Hinsbeck das Niveau des Umlandes nur um ungefähr 50 Meter überragen, kann man im Hinblick auf den ansonsten sehr flachen Niederrhein die landschaftliche Bezeichnung durchaus rechtfertigen und mit einer Priese Ironie sicherlich von regionalen Hochgebirgen sprechen.


ein Wegweiser am Sonsbecker Rathaus

Die Hinsbecker Höhen sind ein Teilabschnitt des so genannten Viersener Sprungs, der durch tektonische Bewegungen entstanden ist. Die Landschaft der Sonsbecker Schweiz dagegen liegt im mittleren Bereich des Niederrheinischen Höhenzugs. Dieser Höhenzug wurde vor mehr als 100000 Jahren in der Saale-Kaltzeit durch Gletscher geformt. Er setzt sich aus einer teils mehr, teils weniger dichten Aneinanderreihung von Stauchmoränen zusammen und erstreckt sich westlich des Rheins von Krefeld bis nach Kleve und Nijmegen. Die Wissenschaft gliedert den Niederrheinischen Höhenzug in mehrere Abschnitte. Der zentrale Abschnitt wird Xantener Stauchwallbogen oder Xantener Stauchendwall genannt. Halbkreisförmig ziehen sich seine Erhebungen von Xanten über Sonsbeck bis nach Marienbaum, oder genauer gesagt: vom Fürstenberg über die Sonsbecker Schweiz und den Tüschenwald bis zum Uedemer Hochwald. Dabei bilden die Sonsbecker Schweiz und der Tüschenwald den Scheitelpunkt dieses rund 15 Kilometer langen Hügelbogens.


grobe Skizze vom Stauchwallbogen und Aussichtsturm auf dem Dürsberg

Die höchste Erhebung des Xantener Stauchwallbogens ist der 87 Meter über den Meeresspiegel und ungefähr 50 Meter über die unmittelbare Umgebung hinausragende Dürsberg in der Sonsbecker Schweiz. Auf ihm steht ein Aussichtsturm, zu dessen oberster Plattform rund 150 Treppenstufen führen. Die Mühen des Aufstiegs werden durch einen schönen Rundumblick auf die niederrheinische Landschaft belohnt. Wer zu einer Turmbesteigung keine Lust verspürt und außerdem nur kurze Wege gehen will, aber dennoch auf schöne Aussichten nicht verzichten möchte, muss nicht unbedingt verzweifeln: Er kann sein Auto auf einem hoch gelegenen Parkplatz an der von Sonsbeck nach Xanten verlaufenden Landstraße 480 abstellen und dann ein paar oder mehrere Schritte entlang des Weges Op (Ob) den Hövel zurücklegen. Von dort ist u. a. der Fernblick auf die Siegfriedstadt ausgezeichnet.


Landschaft an der Straße Op (Ob) den Hövel

Es ist natürlich auch möglich, den Parkplatz an der Landstraße als Ausgangspunkt für längere Wanderungen durch die recht ansehnliche Sonsbecker Schweiz zu nutzen. Ihre sanft ansteigende und abfallende Hügellandschaft wird größtenteils durch landwirtschaftlich genutzte Flächen mit ein paar eingestreuten Gebäuden, Wegen, Gehölzen und Wäldchen geprägt. Man behält bei den Wanderungen also häufig einen guten Überblick und kann sich allerhöchstens bei der Besteigung des Aussichtsturms körperlich verausgaben. Aufgrund der meist mäßigen Steigungen stellt auch das Fahrradfahren kein besonderes Problem dar, wenn man einigermaßen fit ist. Vorhandene Radwegschilder helfen nicht nur dem Radfahrer bei der Orientierung durch die Sonsbecker Schweiz.


Schilderwald am Friedhof

Ein weiterer guter Startpunkt für einen längeren Spaziergang durch die Sonsbecker Schweiz ist der Friedhofsparkplatz nahe dem Römerturm und der Gerebernuskirche. Dort befindet sich nämlich die erste Station des Geologischen Wanderwegs. Weitere 4 Stationen mit Schautafeln, Bohrprofilen und Gesteinen befinden sich dann längs des Bögelschen Weges. Der Geowanderweg endet schließlich mit Station Nr. 6 am Aussichtsturm auf den Dürsberg. Vom Geowanderweg führt übrigens auch ein Abzweig zum Findlingsweg. Nomen est omen: Größere Steine, die während der Kaltzeiten entweder mit Hilfe der vorrückenden Gletscher oder mit Hilfe von Treibeis auf den Rhein in die Region des Niederrhein gelangten, werden dort an 11 Stationen mit Informationstafeln ausgestellt.


Findlingsweg

Nordwestlich grenzt der Tüschenwald an die Sonsbecker Schweiz. Beide gemeinsam bilden den südlichen Teil des so genannten Balberger Höhenrückens. Mit dieser Bezeichnung wird in der Regel der westliche Abschnitt des Xantener Stauchwallbogens versehen. Auf dem nördlichen Gelände des Balberger Höhenrückens erstreckt sich übrigens der Uedemer Hochwald. Bodensaure Buchen- und Eichenwälder verschiedenen Alters und unterschiedlicher Ausprägung bestimmen im wesentlichen das Bild des Hoch- und des Tüschenwalds, die nur durch kleinere landwirtschaftlich genutzte Flächen voneinander getrennt werden. Mehrere kleinere Parkplätze entlang der Reichswaldstraße können als Ausgangsorte für Wanderungen bzw. Spaziergänge durch den Tüschenwald genutzt werden.


Tüschenwald und römische Wasserleitung auf dem Dorfplatz in Labbeck

Wenn man bei einer Wanderung durch den Tüschenwald auf das ehemalige Forsthaus Hasenacker trifft, kann man auf seinem Außengelände Reste einer antiken, ursprünglich unterirdisch verlaufenden Wasserleitung entdecken, die an dieser Stelle höchstwahrscheinlich ihren Anfangspunkt hatte. Der Wasserbedarf der Colonia Ulpia Traiana bzw. des römischen Xanten wurde nämlich auch aus Quellen im Tüschenwald gedeckt. Diese Quellen speisen heute übrigens noch die Teiche hinter dem Forsthaus. Weitere Reste der antiken Wasserleitung befinden sich auf dem Dorfplatz in Labbeck und im Archäologischen Park Xanten. Neuere Forschungen und Grabungen haben übrigens ergeben, dass die Wasserleitung vom Tüschenwald bis zur Colonia nicht nur unterirdisch, sondern auch auf Brückenpfeilern längs der heutigen Landstraße 480 verlief.

 


Blick vom Dürsberg-Aussichtsturm auf den Tüschenwald

 

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