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Das touristische Schmuckstück Arcen

Wenn andere Websites das Dorf Arcen als ein touristisches Schmuckstück bezeichnen, liegt das sicherlich nicht nur an den recht guten lokalen Fremdenverkehrsinfrastrukturen, sondern besonders an den vielfältigen architektonischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten. Zu diesen Sehenswürdigkeiten zählt sicherlich auch die unmittelbare Ortslage an der Maas. Vom kleinen beschaulichen Marktplatz muss man nur ein paar Schritte zurücklegen, um an die gepflegte Maaspromenade zu gelangen. Mit einer kleinen Fähre für Fußgänger und Fahrradfahrer, oder genauer gesagt: mit der Fiets- en voetveer Arcen-Lottum kann man übrigens in den schöneren Jahreszeiten das andere Ufer der Maas erreichen.


Maaspromenade


Fahrrad- und Fußgängerfähre

Am südlichen Ende der Maaspromenade befindet sich die Ruine eines mittelalterlichen Stadtmauertors bzw. -turms. Man könnte ihn auch als Maut- oder Zollturm bezeichnen, denn vorbei fahrende Schiffe mussten hier in früheren Zeiten anlegen und Gebühren entrichten. Seine herkömmlicher Name Schanzenturm (Schanstoren) ist allerdings absoluter Blödsinn und beruht auf einer völlig irrtümlichen Annahme: Vor nicht langer Zeit glaubt man nämlich noch, dass der Turm zum Zwecke der Verteidigung der Fossa Eugeniana errichtet wurde. Dagegen sprechen aber zwei überzeugende Argumente: Einerseits stammt der Turm aus dem 15. Jahrhundert, während der Baubeginn des zwar weit voran getrieben, aber letztendlich nicht fertig gestellten Kanals erst ins Jahr 1626 fällt. Andererseits wäre der Abstand zur Fossa Eugeniana wohl viel zu weit: Die künstliche Wasserstraße zwischen der Maas bei Venlo und dem Rhein bei Rheinberg sollte 4 Kilometer östlich von Arcen und somit auch vom Turm verlaufen.


Schanzenturm (Schanstoren) und eine dazu gestellte alte Kanone

Und tatsächlich: 4 Kilometer östlich von Arcen trifft man dann doch dicht an der niederländisch-deutschen Grenze auf die recht imposanten Reste eines wirklichen Verteidigungswerks der Fossa Eugeniana. Von der Doppelschanze Fort Hazepoot sind nämlich noch die hohen Erdwälle erhalten, zwischen denen man die Kanaltrasse eindeutig erkennen kann. Auf einer zwei Kilometer langen markierten Wanderroute lässt sich die historische Schanze übrigens erkunden.


Fort Hazepoot: Erdwall, Grundrissskizze und Kanalgraben

Aufgrund seiner Wassergräben weist auch das überaus eindrucksvolle Schloss Arcen einen wehrhaften Charakter auf. Wie die nicht vollendete Fossa Eugeniana stammt der Herrensitz in seiner heutigen Gestalt aus dem 17. Jahrhundert. Allerdings ist nur noch einer der beiden Seitenflügel des Hauptgebäudes bzw. der Hauptburg vorhanden. Man kann sich aber die ursprüngliche, nach Westen geöffnete hufeisenförmige Schlossanlage noch gut vorstellen. Eine Brücke über einen recht breiten Wassergraben führt von der so genannten Hauptburg auf das Gelände der so genannten Vorburg. Dort stehen zwei L-förmige alte Wirtschaftsgebäude. Vor- und Hauptburg werden von einem weiteren breiten Wassergraben umgeben. Von der Straße bzw. vom Lingsforterweg gelangt man über eine Grabenbrücke zum Torturm des nördlichen Wirtschaftsgebäudes, durch den man das gesamte hübsche historische Anwesen betreten kann. Hinter dem südlichen Wirtschaftsgebäude, das auch als Koetshuys (Kutschenhaus) bezeichnet wird, schließen sich die weitläufigen, gartenbautechnisch aufwändig entworfenen Schlossgärten mit einer üppigen Blumen- und Pflanzenpracht an.


Schloss Arcen: Hauptburg und Vorburg (oben),
einfache Grundriss-Skizze des Schlosses ohne die Gärten
und Wassergraben mit Brücke zur Vorburg (unten)

Zu den Besitztümern des Herrenhauses in Arcen gehörten früher auch zwei Gebäude unmittelbar jenseits der Schlossgräben:

  • die Tiendschuur, eine Scheune aus dem Jahre 1713, in der die Abgaben der untertänigen Bauern gelagert wurden, und

  • die aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts stammende Wijmarse Watermolen. Im Laufe der Zeit wurde die Wassermühle allerdings einige Male umgebaut. Früher verfügte sie sogar über zwei Wasserräder, so dass man in ihr gleichzeitig sowohl Getreide mahlen als auch Öl pressen konnte. 1917 wurde die Produktion endgültig eingestellt. Heute beherbergt das alte Gemäuer die Brennerei De IJsvogel und einen dazu gehörigen Gastronomiebetrieb, in dem man nicht nur die hauseigenen Schnäpse bzw. Liköre probieren kann.


Wassermühle bzw. Wijmarse Watermolen
(Eine weitere alte Wassermühle mit Rad steht übrigens im Nettetaler Ortsteil Leuth.)


Schlossgärten


Tiendschuur


das rekonstruierte Teehaus
aus dem 18. Jahrhundert

Einige gastronomische Betriebe sind auch am kleinen dreieckigen Marktplatz im alten Ortszentrum von Arcen angesiedelt. In den wärmeren Monaten ist sogar fast der gesamte Platz mit Tischen und Stühlen für speisende Gäste zugestellt. Hier sieht es selbst ein Blinder: Der Tourismus ist heute eine wichtige lokale Einnahmequelle. Im Spätmittelalter dagegen profitierte Arcen besonders vom Stapelrecht: Durchziehende Kaufleute mussten ihre Waren eine Zeit lang zum Verkauf anbieten. Das Stapelrecht und die verkehrsgünstige Lage an der Maas führten dazu, dass sich Arcen zu einem relativ wichtigen regionalen Handelszentrum entwickelte. Der 80-Jährige-Krieg setzte dieser Entwicklung ein jähes Ende. Danach war Arcen nur noch ein von der Landwirtschaft bestimmtes, relativ unbedeutendes Dorf. An die lokale Geschichte erinnert am Marktplatz eine Informationstafel am ehemaligen Rathaus, dem einstigen Verwaltungssitz der Gemeinde Arcen en Velden, die im Jahre 2010 nach Venlo eingemeindet wurde. Abgesehen vom Rathaus stechen im hübschen historischen Ortszentrum auch die gefällige, aus den 1950iger Jahren datierende Petrus en Pauluskerk, ein etwas deplaziert wirkendes modernes Hochhaus am Maasufer und mehrere sehr alte Gebäude kleinerer Bauart ins Auge. Letztgenannte Gemäuer sind schöne und unübersehbare Zeugen der ländlichen und dörflichen Vergangenheit von Arcen.


Marktplatz und ehemaliges Rathaus; Petrus en Pauluskerk


historische Ortsbebauung von Arcen, Schwarzer Berg und Barbara´s Weerd

Zum dörflichen Ortsbild trägt auch erheblich die herrliche Landschaft in der Umgebung bei, die nicht nur von der breit dahin strömenden Maas, sondern auch von weitläufigen Wäldern, Heiden, Seen, Teichen und landwirtschaftlich genutzten Flächen geprägt und geformt wird. Wie die Maas bzw. der von der Maas angespülte Sand im Zusammenspiel mit kräftigen Winden die Landschaft in früheren Zeiten geformt hat, kann man beispielsweise an einer hohen bewaldeten Flussdüne am Ortsrand von Arcen erkennen, die den Namen Schwarzer Berg (Zwarte Berg) trägt. Eine mittlerweile wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurückgeführte sumpfige Teichlandschaft namens Straelensbroek, die einer Vielzahl von Vögeln, Fröschen, Kröten und Salamandern eine Heimat oder einen Rastplatz bietet, verdankt ihren Ursprung ebenfalls der Maas, oder besser gesagt: einem verlandeten Arm der Maas. Sehenswert ist auch die Flusstallandschaft Barbara´s Weerd, die sich in ihrem nördlichen Abschnitt zwischen der Maas und dem Schloss Arcen erstreckt. Aufgrund der regelmäßigen Überschwemmungen konnte sich hier eine besonders reiche Pflanzenwelt entwickeln. Wem diese schöne, durch Rad- und Wanderwege erschlossene Natur nicht ausreicht, der kann ja noch den Nationalpark De Maasduinen in der Nachbargemeinde Bergen besuchen.


Straelensbroek

 

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