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  VENLO - SEHENSWÜRDIGKEITEN ALTSTADT

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Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Venlo

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein war Venlo eine stark befestigte Stadt, die von Mauern, Bastionen, Gräben und Forts umgeben war. Innerhalb dieses Verteidigungsrings quetschte sich das damals häufig überbevölkerte heutige Stadtzentrum. Die Errichtung von Vororten konnte keine Entlastung für die Einwohner bringen, denn aus militärischen Gründen war das Bauen außerhalb bzw. vor den Befestigungsanlagen nicht erlaubt.


Reste der alten Befestigungsanlage in Venlo: "De Luif" an der Maaspromenade

Als der Festungsstatus schließlich 1867 aufgehoben wurde, dauert es verständlicherweise nur sehr wenige Zeit, bis die Stadtmauer und alle anderen Verteidigungswerke geschliffen und somit Raum und Platz für die städtebauliche Expansion geschaffen wurden. Unmittelbar nördlich der Altstadt entstand in den 1880iger Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Fort Ginkel eine kleine, recht hübsche Grünanlage im englischen Stil, die den Namen Wilhelminapark trägt. Um den kleinen englischen Landschaftsgarten herum wurden zwischen 1890 bis 1933 mehr als 30 imposante Stadtvillen gebaut. Dieses Ensemble aus Grünanlage und Architektur am Rande des Stadtzentrums zählt sicherlich nicht zu den unbedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Venlo.



Wilhelminapark

Die bedeutendste architektonische Sehenswürdigkeit in der Altstadt ist zweifelsfrei das zwischen 1597 und 1600 aus Natur- und Backsteinen erbaute Rathaus (Stadhuis). Mit dem Anbau der zweiarmigen Freitreppe im Jahre 1609 erhielt das auf dem Marktplatz freistehende Gebäude im wesentlichen schon sein heutiges Erscheinungsbild. Der Baldachin auf dem Podest zwischen den beiden Treppenläufen stammt allerdings erst aus dem Jahre 1735. Er verleiht der Rathausfassade eine besondere Würde und Erhabenheit. Dazu tragen natürlich auch in großem Maße die beiden unterschiedlich hohe Ecktürme mit ihren geschweiften Laternenhauben bei. Außerdem schmücken Pilaster, Diamantquader, Obelisken und Portraitmedaillons die fünfachsige Fassade. Die mittlere Achse wird zudem von einer Ädikula bekrönt, an die sich Rollwerk anlehnt. Der Fachmann weiß nun bescheid: Die Fassade des Rathaus in Venlo orientiert sich eindeutig am Stil der Renaissance.


Rathaus (links) und Huize Schreurs (rechts)

Aus der gleichen Epoche haben sich neben dem Rathaus noch zwei weitere bemerkenswerte Renaissancegebäude in Venlo erhalten: das Huize Schreurs aus dem Jahre 1588 und das Ald Weishoès aus dem Jahre 1611. Beide Giebelhäuser säumen die Grote Kerkstraat. Der geschwungene Giebel des Huize Schreurs wird durch horizontal verlaufende Gesimse gegliedert und außerdem durch zwei Neidköpfe geschmückt, die aus eierstabumrandeten Medaillons scheinbar herauswachsen. An der Fassade der Vollgeschosse fällt besonders eine kleine wappenumrahmende Ädikula auf, in deren Tympanon ein weiterer Neidkopf platziert ist. Das Ald Weishoès ist sogar ein Doppelgiebelhaus. Seine beiden geschwungenen Giebel schließen halbkreisförmig mit einer Lünette ab. Über dem Türsturz befindet sich eine weitere Lünette, die sogar mit einen Relief verziert ist. Den Giebellünetten und den Entlastungsbögen oberhalb der Fenster sind Diamantquader vorgeblendet.


Ald Weishoès (links) und Huize Ottenheym (rechts)


Das Huize Ottenheym in der Vleesstraat und das Romerhuis am Kwartelenmarkt gelten als zwei weitere bemerkenswerte denkmalgeschützte Giebelhäuser in der Altstadt von Venlo. Sie stammen wohl noch aus dem 15. Jahrhundert und weisen daher gotische Stilelemente auf. Ihre abgestuften Giebel werden vertikal durch filialenähnliche Pfeiler gegliedert. Da das Romerhuis an einer Straßenecke steht, kann man auch gut sein kleineres Hintergebäude sehen, das etwa halb so breit und halb so hoch wie das Vorderhaus ist. Das Huize Schreurs verfügt übrigens über ein ähnliches, aber nicht von der Straße einsehbares Hofgebäude.
 
Unter den noch recht zahlreich vorhandenen Bauwerken aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert in der Innenstadt darf man auch den kirchlichen Dienstgebäuden direkt neben der Martinskirche besondere Beachtung und Interesse schenken. Ältestes Gebäude dieses recht hübschen architektonischen Ensembles ist ein zweistöckiges Gebäude mit weiß eingerahmten Fenstern, Kranzgesims und Walmdach, das De Weem genannt wird. Es wird in die Zeit um 1765 datiert. Die näher an der Straße liegenden Dienstgebäude, darunter das heutige Pastorat, stammen aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.

 
Vorder- und Hinteransicht des Romerhuis (links) und kirchliche Dienstgebäude neben der Martinskirche (rechts)

Die Martinskirche (Sint-Martinuskerk) ist der größte Sakralbau in der Altstadt von Venlo. In ihrer heutigen Gestalt wurde die dreischiffige gotische Hallenkirche ab dem 15. Jahrhundert errichtet. Der in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs schon erheblich zerstörte Turm stürzte im Herbst 1945 schließlich vollständig ein und wurde 1953 durch einen Neubau im damals modernen Stil ersetzt. Kurze Zeit darauf erhielt sein Obergeschoss ein 53-teiliges Glockenspiel. Zur sehenswerten Ausstattung des Kirchenschiffs zählen u. a. gotische Skulpturen und Chorgestühl aus dem Mittelalter, eine barocke Kanzel und ein neugotischer Altar.
 
Die spätgotische Kapelle des ehemaligen, im Jahre 1446 gestifteten Augustinerklosters Mariaweide wurde am Ende des 15. Jahrhunderts errichtet und nach einem Brand im Jahre 1747 um einen zweigeschossigen Vorbau ergänzt. Der kleine einschiffige Sakralbau aus Backsteinen mit dreiseitig abschließenden Chor erhielt in den 1950iger Jahre einen auffälligen Dachreiter zur Aufnahme von Glocken. Damals wurde die Kapelle von den Dominikanern genutzt. Heute ist sie Teil des Kulturzentrum Domani.
 
Der spätgotische Chor der protestantischen Sint-Joriskerk stammt aus der Zeit um 1500. Seine heutige architektonische Form erhielt das auf t-förmigen Grundriss errichtete Gotteshaus aber erst rund 200 Jahre später. Wie die eben erwähnte Augustinerklosterkapelle und die Minderbroederskerk verfügt sie über keinen Turm, sondern nur über einen Glockendachreiter. Die um 1620 fertig gestellte Minderbroederskerk war ursprünglich eine Franziskanerklosterkirche. Heute ist sie unter dem Namen Jongerenkerk bekannt, weil in den alten Gemäuern ab den 1960iger Jahren moderne jugendgerechte Messen stattfinden. Kunsthistorisch bemerkenswert ist ihr zweitüriges barockes Portal.


Sint Martinuskerk, Augustinerklosterkapelle, Sint-Joriskerk und Minderbroederskerk (Jongernkerk)

Die eben vorgestellten Kirchen sind natürlich in erster Linie andächtige religiöse Stätten, aber auch Sehenswürdigkeiten mit musealen Charakter, die Zeugnis ablegen von der lokalen Kultur und Geschichte. Wer sich im besonderen Maße für die lokale und regionale Geschichte und Kultur interessiert, muss unbedingt Limburgs Museum am südöstlichen Rande der Venloer Altstadt bzw. am südlichen Ende des Julianaparks besuchen. Der moderne Bau beherbergt Wechsel- und Dauerausstellungen mit mehr als 60000 Objekten. Das 1971 eröffnete und 1985 um einen neuen Flügel erweiterte Museum van Bommel van Dam befindet sich auf einem unmittelbaren Nachbargrundstück ebenfalls im Julianapark. Es beherbergt eine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst.


Limburgs Museum (links) und Museum van Bommel van Dam (rechts)

Die beiden Museumsbauten sind übrigens interessante Beispiele für moderne Architektur am Rande der Innenstadt Venlos. Auch das eigentliche Altstadtgebiet wird abgesehen von den recht vielen historischen Gebäuden ebenfalls von zahlreichen modernen und zeitgenössischen Bauwerken geprägt. Den relativ großen Verlust an historischer Bausubstanz im Ortszentrum kann man übrigens u. a. durch die schweren alliierten Luftangriffe zwischen Oktober 1944 und März 1945 erklären, denen - wie oben schon erwähnt - auch der alte Martinskirchturm zum Opfer fiel. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Venlo, da sich diese Angriffe nicht gegen die niederländischen Einwohner, sondern gegen die deutschen Besatzer richteten. Ja, die Deutschen - um es milde auszudrücken - spielten damals eine sehr unrühmliche Rolle. Gott sei Dank erstürmen sie heute nur noch die Venloer Geschäfte, Märkte, Cafés, Frittenbuden und Restaurants und lassen dabei auch einiges an Geld liegen. Was diesen Konsumtourismus anbelangt, hat sich zwischen den lokalen niederländischen Geschäftsleuten und den deutschen Tagesgästen sogar eine echte Liebesbeziehung entwickelt, die mittlerweile auch künstlerisch in einer großen Skulptur ihren sichtbaren Ausdruck findet. Dieses besondere Denkmal der deutsch-niederländischen Freundschaft, oder besser gesagt: Konsum-Freundschaft, schmückt einen Kreisverkehr in der Goltziusstraat. Es setzt sich u. a. aus dem deutschen und niederländischen Wappentier und einer Reihe von Supermarktartikeln zusammen.


eine moderne Sehenswürdigkeit:
festungsähnliche Architektur an der Maaspromenade


Das Denkmal der deutsch-niederländischen (Konsum-) Freundschaft wurde von den "2 Brüdern in Venlo" gestiftet.

 

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