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Orte am unteren Niederrhein:

  VENLO - TEGELEN UND STEYL

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Die Orte Tegelen und Steyl an der Maas

Deckplatten, auch den aus Ton gebrannten Dachziegel, bezeichneten die alten Römer als tegulae. Wie das deutsche Wort Ziegel, so leitet sich höchstwahrscheinlich auch der Ortsname Tegelen von der lateinischen Bezeichnung tegula ab. Zumindest kann aber eine antike Siedlungstätigkeit auf dem Gebiet des heutigen Venloer Stadtteils nicht bestritten werden, denn römische Töpferei- und Ziegeleibetriebe (tegularia) haben sich eindeutig archäologisch nachweisen lassen. Außerdem wurden in Tegelen und Umgebung Dachziegeln mit der Inschrift LEG XXXVV (Legio XXX Ulpia Victrix) gefunden. Da diese Legion um 120 n. Chr. im Lager Vetera II nahe dem heutigen Birten stationiert wurde, darf man zurecht vermuten, dass der Beginn einer gehobenen Zivilisation in und um Tegelen wohl in die gleiche Zeit fällt.


Keramiekcentrum Tiendschuur

Die Ausstellungen des Keramiekcentrum Tiendschuur in Tegelen zeigen nicht nur lokale Tonwaren aus der römischen Periode, sondern aus allen Epochen bis zur Gegenwart. Die Exponate der Sammlungen reichen sogar bis zu Fundstücken aus der Zeit um 3000 v. Chr. zurück. Das Töpferei-Museum und Zentrum für moderne Keramik ist übrigens in einer ehemaligen Zehntscheune (Tiendschuur) auf dem Gelände des Schloss Holtmühle untergebracht. In der Scheune wurden ursprünglich zehn Prozent der Ernteerträge gelagert, die die Pächter der zum Schloss gehörenden Ländereien erwirtschafteten und ihrem adeligen Herrn abliefern mussten.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Schloss bzw. Kasteel Holtmühle stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert. 1394 wurde es einem Otto van Holtmeulen als Lehen gegeben. Das Schloss, das immer noch wie in früheren Tagen von Teichen und Wassergräben umgeben wird, ist also nach seinem ältesten bekannten Besitzer benannt. Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt das Herrenhaus aber im wesentlichen einer grundlegenden Wiederinstandsetzung während des 17. Jahrhunderts. Mit seinen modernen Anbauten wird es mittlerweile als Hotel und Restaurant genutzt. Auf dem Schlossgelände befinden sich neben der Zehntscheune auch noch zwei alte Torbauten. Sehenswert sind ebenfalls die Gartenanlagen.


Schloss Holtmühle: Kaldenkirchener und Venloer Tor

Sicherlich wurden die Backsteine, die beim Bau und der Wiederinstandsetzung des Schlosses verwendet wurden, von den örtlichen Ziegeleien bereit gestellt. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die schon immer bzw. seit der Antike in Tegelen vorhandenen Töpfereien und Ziegeleien schließlich zu großen Industriebetrieben. Dass ihre Eigentümer zu großem Wohlstand gelangten, zeigt zum Beispiel die Villa Maria an der Straße nach Kaldenkirchen, die 1894 vom Dachziegelfabrikanten Alfred Russel errichtet wurde. Als eine weitere bemerkenswerte alte Stadtvilla in Tegelen gilt u. a. das 1910 fertig gestellte Huize Elka am Venloseweg.


Villa Maria und Huize Elka

Kulturhistorisch bedeutender als die beiden eben vorgestellten Villen ist das Kranenbreukershuis, die älteste erhaltene Produktionsstätte in Tegelen. Das 1767 errichtete und danach zweimal erweiterte Gebäude diente zuerst als Brauerei, dann als Töpferei und schließlich als Tabakfabrik. Der kleine verputzte Vorbau wurde zu Wohnzwecken genutzt, während das backsteinsichtige Haupt- und Hinterhaus die eigentlichen Produktionsstätten beherbergten. Das Kranenbruikerhuis liegt übrigens im historischen Zentrum von Tegelen nahe der um 800 erstmalig erwähnten Martinskirche (Sint-Martinuskerk). Das neugotische Kirchenschiff wurde nach einem verheerenden Brand in Form einer Kreuzbasilika bis zum Jahr 1900 wieder hergestellt. Der heute 68 Meter hohe Turm stammt dagegen noch aus dem Späten Mittelalter, wurde jedoch in den 1950iger Jahren um ein Geschoss erhöht. An die lange Geschichte des Ortes erinnert auch das ehemalige Rathaus aus dem Jahre 1939. Es ist sicherlich kein Zufall, dass seine Fassade mit einer Vorhalle geschmückt ist, die der Front antiker Tempel ähnelt. Solche Vorhallen heißen in der Fachsprache Portiken. Auf dem recht aufwändigen Tympanonrelief des Portikus kann man auch eine Töpferszene entdecken. Die Inschrift auf dem Architraven weist darauf hin, dass Tegelen bis zum Jahre 2000 eine eigenständige Gemeinde war, zu der damals auch schon das weiter unten vorgestellte Dorf Steyl gehörte. Heute bilden beide Orte den Venloer Stadtbezirk Tegelen mit insgesamt rund 20000 Einwohnern.


Kranenbreukershuis, Martinskirche und ehemaliges Rathaus

Schließlich noch zwei Freizeittipps für den Stadtteil Tegelen: Unmittelbar nördlich der sich im Grenzgebiet zwischen den Niederlanden und Deutschland verbindenden Autobahnen 74 und 61 kann man je nach Interessenlage und Alter entweder den schon seit 1939 bestehenden Spielpark Klein Zwitserland besuchen oder einen Blick auf die sehenswerten Gebäude eines ehemaligen Trappistenklosters (Abdij Ulingsheide) werfen. Das eine schließt das andere für groß gewordene Kinder natürlich nicht aus.


ehemaliges Trappistenkloster

Weitere Ordenshäuser auf dem ehemaligen Gemeindegebiet von Tegelen sind im beschaulichen 4000-Einwohner-Dorf Steyl vorhanden. Der kleine Ort wird sogar häufig als Klosterdorf bezeichnet. Diese Bezeichnung verdankt Steyl fast ausschließlich einem rund halben Quadratkilometer großen Gelände unmittelbar an der Maas, auf dem sich die Gebäude und Gärten der von Arnold Janssen gegründeten drei Orden bzw. Kongregationen befinden.


Missionshaus und Kirche St. Michael


Herz-Jesu-Kloster


Heilig-Geist-Kloster


Missionsmuseum im Gregorhaus


Klostergärten

Die Geschichte Steyls als Klosterdorf beginnt im Juni 1875, als der aus Goch stammende Priester Arnold Janssen ein altes Wirtshaus in der damals noch kleineren Siedlung kaufte. In den folgenden Monaten wurde das erworbene Gebäude von ihm als Missionshaus St. Michael eingerichtet, in welchem die ersten Glaubensboten ihre Ausbildung erhielten. Aus diesen bescheidenen Ursprüngen entwickelte sich schließlich eine große Ordensgemeinschaft, die offiziell Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Societas Verbi Divini) heißt, aber besser unter dem Namen Steyler Missionare bekannt ist. Der Baubeginn des heutigen Missionshauses und der dazugehörigen Kirche St. Michael fällt in die Zeit um 1880. Das doppeltürmige Gotteshaus gliedert sich übrigens in zwei Stockwerke. In der Unterkirche befindet sich das Hochgrab des mittlerweile Heiligen Arnold Janssen.


Relief am Arnold-Janssen-Denkmal

1889 und 1896 gründete Janssen in Steyl auch noch zwei Frauenorden:

  • zuerst die Kongregation der so genannten Steyler Missionsschwestern (congregatio servarum spiritus sancti), deren Mutterhaus das in neugotischen Formen, kurz nach 1900 errichtete Herz-Jesu-Kloster ist, und dann

  • die Kongregation der so genannten Steyler Anbetungsschwestern (congregatio servarum spiritus sancti de adoratione perpetua), deren Heimstätte das 1914 fertig gestellte Heilig-Geist-Kloster ist.

Im Gregorhaus fanden die Missions- und Anbetungsschwestern kurzzeitig ihr erstes Domizil. Deshalb wird dieses Gebäude auch gelegentlich als Gregorkloster bezeichnet. Heute ist in dem alten Gemäuer u. a. das Missionsmuseum untergebracht. Das seit 1931 kaum veränderte Museum zeigt Gegenstände und Mitbringsel aus fernen Ländern und Kulturen, die die Missionare nach Steyl gebracht haben.

Die von den Klostergebäuden nahezu vollständig umschlossenen Grünanlagen, zu denen auch künstlich geschaffene Grotten gehören, tragen ebenfalls wesentlich zum schönen Erscheinungsbild des Klosterdorfs bei. Der Eintritt in die Klostergärten ist frei. Ein kleines Entgelt muss man jedoch für den Besuch des Botanischen Garten Jochumhof entrichten. Ein Eingang zum Botanischen Garten befindet sich am Veerweg direkt gegenüber dem Gregorhaus.

Das Dorf Steyl besteht natürlich nicht nur aus Klostergebäuden und Gärten. Vielmehr gibt es auch einige schöne Zeugnisse profaner Wohnkultur. In den Jahren zwischen 1905 und 1906 ließ zum Beispiel der Tabakfabrikant Petrus Kreykamp die recht imposante Villa Elise unmittelbar südlich des eigentlichen Klosterdorfs errichten. Die noch weiter südlich gelegene Villa Moubis ist wahrscheinlich mehr als 100 Jahre älter. Um 1860 erhielt sie im wesentlichen ihre heutige Gestalt und diente damals als Landhaus einer wohlhabenden lokalen Industriellenfamilie. 1876 wurde das imposante mehrflügelige Gebäude von den Schwestern von der Göttlichen Vorsehung gekauft und blieb bis 1994, als der Frauenorden Steyl verließ, ein Teil des Josefsklosters.


Villa Elise (oben) und Villa Moubis (unten)


Den schönsten Blick auf Steyl bietet das gegenüber liegende Maas-Ufer, das man mit einer Fähre bequem erreichen kann.

 

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