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Orte am unteren Niederrhein:

  STADT VOERDE

EINFÜHRUNG

Voerde, Götterswickerhamm, Spellen und Schleuse Friedrichsfeld


Steinkohlekraftwerk am Rhein

Dass das rechtsniederrheinische Voerde in unmittelbarer Nähe zum Ruhrgebiet liegt, scheint unübersehbar das alles in seiner Umgebung überragende große Steinkohlekraftwerk am Rhein anzuzeigen, dessen Schornsteine über 200 Meter in die Höhe schießen. Es ist somit das höchste Bauwerk im ansonsten ländlich geprägten Gemeindegebiet von Voerde mit seinen rund 36000 Einwohnern, die sich auf insgesamt 11 Ortschaften  verteilen. Darunter befinden sich u. a. auch die Dörfer Spellen und Götterswickerhamm.

Als das mittlerweile stillgelegte Kraftwerk 1970 errichtet wurde, konnte Voerde schon auf eine lange und zugegebenermaßen nicht gerade besonders aufregende Geschichte zurückblicken, die zum ersten Male in einer Urkunde des 14. Jahrhunderts fassbar wird. Wie viele andere Orte am nördlichen Niederrhein, stand Voerde ab dem 17. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein ununterbrochen unter brandenburgisch-preußischer Herrschaft, wenn man einmal von dem kurzen napoleonischen Intermezzo bzw. der französischen Besetzung des Rheinlands vor 200 Jahren absieht. Das ist allerdings nur allgemeine Regionalgeschichte. Dagegen konnte man 11 Jahre nach dem Kraftwerksbau ein besonders nennenswertes ortspezifisches historisches Ereignis in die lokalen Chroniken eintragen: 1981 wurde Voerde einschließlich aller seiner Ortsteile mit dem Überschreiten der 25000-Einwohnerzahl zur Stadt erhoben. Der Name Voerde entstand übrigens aus einem mittelalterlichen Wort für Furt und erinnert somit daran, dass der Ort damals an einer Furt über einem alten Rheinarm lag.


Haus Voerde (links) und Haus Wohnung (rechts)

Aus dem Mittelalter stammt auch Haus Voerde. Die Wasserburg in einem schönen Park am Stadtrand wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und erweitert. 1668 fügte man ihr den heutigen prägnanten Turm an. Sicherlich darf man Haus Voerde zu den imposantesten ehemaligen Adelssitzen am Niederrhein rechnen. Ein weiteres beeindruckendes Herrenhaus findet sich im Ortsteil Möllen an der Grenze zu Dinslaken: Zwar reichen die Ursprünge von Haus Wohnung ebenfalls bis ins Mittelalter zurück, der heutige barocke Bau wurde aber erst um 1700 errichtet. Leider fehlt mittlerweile einer der beiden Türme, da er im letzten Weltkrieg zerstört und danach nicht mehr rekonstruiert wurde.

    
Götterswickerhamm: Kirche und Haus Götterswick

Im unmittelbar hinter dem Rheindeich liegenden und erstmalig 1003 urkundlich erwähnten Ortsteil Götterswickerhamm trifft man auch auf eine ehemalige Wasserburg, oder besser gesagt: auf die Reste einer ehemaligen Wasserburg: Haus Götterswick. Der zweigeschossige, weiß geschlämmte Backsteinbau aus der Mitte des 17. Jahrhunderts diente übrigens von 1854 bis 2011 als Pfarrhaus. Die ein paar Schritte über dem Friedhof vom ehemaligen Pfarrhaus entfernte evangelische Kirche in Götterswickerhamm hat ebenfalls schon längst vergangene Zeiten gesehen und stammt in ihren ältesten Teilen noch aus dem Mittelalter. Nach mehreren Zerstörungen und Rekonstruktionen zeigt sie heute aber ihr Erscheinungsbild aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sie in Form einer flach gedeckten Emporenkirche umgestaltet wurde. Das architektonische Wahrzeichen von Götterswickerhamm ist jedoch ein alter Mühlenturm am Rheindeich, der in den 1920er Jahren zu einem Aussichtsturm umgebaut wurde. Zeitweise wurde er danach sogar als Ausflugslokal genutzt. Heute befindet sich der so genannte Turm Haus Storchennest in Privatbesitz.


Blick vom Dorf Büderich auf das Rheinufer nahe Voerde-Spellen
 

drei Ansichten aus dem Ortsteil Voerde


Ruhrsandsteinkreuz auf dem Soldatenfriedhof Voerde, auf dem fast 900 Gefallene des 2. Weltkriegs ruhen



3 Ansichten aus Götterswickerhamm,
unten der Turm Haus Storchennest


Rhein bei Götterswickerhamm

Sankt Peter, eine dreischiffige spätmittelalterliche Pfarrkirche in Spellen, wirkt nicht nur aufgrund ihres massiven Tuffsteinturms als der erhabenste Sakralbau im gesamten Gemeindegebiet von Voerde. Trotz späterer Umbauten und Ergänzungen hat sie ihr ursprüngliches Aussehen noch weitgehend erhalten. Das Schiff der etwas kleineren evangelischen Kirche im 4500-Einwohner-Dorf Spellen ist dagegen ein Werk des späten 17. Jahrhunderts. 1880 wurde dem Schiff ein 34 Meter hoher Turm angefügt, auf dessen Spitzhelm kein Hahn oder Kreuz, sondern ein Schwan thront.


St. Peter und der Turm der evangelischen Kirche in Spellen

Pfarrhaus Voerde


Altes Rathaus Lindenwirtskate

Im Ortsteil Voerde darf man neben dem oben erwähnten Wasserschloss auch die kleine evangelische Kirche, einen weiß verputzten Saalbau mit aufgesetztem Glockentürmchen aus den 1850er Jahren, und das dazugehörige Pfarrhaus als weitere Sehenswürdigkeiten bezeichnen. Das ebenfalls weiß angestrichene Pfarrhaus, das an die Kirche und den Friedhof grenzt, wurde im Jahre 1863 errichtet. Somit zählt es zu den ältesten Wohnhäusern in Voerde. Noch älter ist die so genannte Lindenwirtskate bzw. das Alte Rathaus. In diesem zweigeschossigen und sparsam dekorierten klassizistischen Gebäude an der Frankfurter Straße befand sich nämlich schon im Jahre 1810 die Bürgermeisterei.

Die nördliche Gemeindegrenze von Voerde zieht der Wesel-Datteln-Kanal, der beim Ortsteil Emmelsum in den Rhein mündet. Kurz vor der Mündung befindet sich die Doppelschleuse Friedrichsfeld, die eine Wasserdifferenz von bis zu 8 Metern ausgleicht. Die Große Schleuse mit einer Länge von 220 Metern und einer Breite von 12 Metern wurde zwischen 1925 und 1930 erbaut. Das bedeutende technische Denkmal am Niederrhein, das immer noch in Betrieb ist, verfügt an seinen beiden Enden über zwei bemerkenswerte Hubgerüste aus Stahl.

     
Große Schleuse Friedrichsfeld

Nützliche Links:

http://www.voerde.de

 

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