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  WESEL - GINDERICH

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Wallfahrtsort Ginderich

Kevelaer ist zwar der bekannteste, aber nicht der einzige Marienwallfahrtsort am nördlichen Niederrhein. Wenn man will, kann man auch zu den Gnadenbildern in Marienbaum bei Xanten oder in Ginderich bei Wesel pilgern. Die Wallfahrt nach Ginderich lässt sich sogar schon für das 12. Jahrhundert oder für einen vielleicht noch früheren Zeitpunkt nachweisen: Somit ist die mittelalterliche Kirche des hier vorgestellten Weseler Ortsteils die älteste Marienpilgerstätte am gesamten Niederrhein. Aufgrund eines Prozessionsverbotes durch den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg in der Mitte des 17. Jahrhunderts war die Wallfahrt nach Ginderich allerdings über einen sehr langen Zeitraum unterbrochen und wurde erst wieder im Jahre 2005 zugelassen bzw. aufgenommen.


Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt: Gesamtansicht und Turmportal

1190 wird die Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt erstmalig dokumentarisch bezeugt. In diese Zeit fällt auch die Errichtung des viergeschossigen, im romanischen Stil errichteten Tuffsteinturmes, dessen recht aufwändig gestaltetes Gewändeportal mit zwei Säulenreihen und Archivolten ein besonderer Augenschmaus ist. Das dreischiffige Langhaus und die Chorabschlüsse stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert und wurden dem Zeitgeschmack gemäß schon in gotischer Bauweise ausgeführt. Im Chor des rechten Seitenschiffes befindet sich das Gnadenbild. Dabei handelt es sich um eine mittelalterliche, bunt bemalte Plastik, die die sitzende Gottesmutter mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß darstellt. Diese recht gefällige Skulptur ist übrigens auch auf der rechten, gelb unterlegten Seite des Ortswappens von Ginderich abgebildet. Die linke, rot unterlegte Seite zeigt die Insignien der Landesherren, oder besser gesagt: die Lilienhaspel des Herzogtums Kleve.


Wappen von Ginderich und Lourdes-Grotte auf dem Kirchhof

Der Weg zur wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angefügten Seitenportalhalle von St. Mariä Himmelfahrt wird von einem kleinen Brunnen und einer Lichtstele flankiert. Auf dem Kirchhof befindet sich außerdem eine so genannte Lourdes-Grotte vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Die recht hübsche Nachbildung der weltberühmten französischen Grotte entfaltet ihre schönste optische Wirkung, wenn sie in den frühen Abendstunden angestrahlt wird.


Seitenportal der Wallfahrtskirche

Abgesehen von der langen Wallfahrtstradition sind weitere lokale historische Daten und Fakten kaum erwähnenswert. Dass unmittelbar nördlich von Ginderich 70 n. Chr. eine finale Schlacht des Bataveraufstandes geschlagen wurde, lässt sich allerhöchstens vermuten, aber nicht sicher behaupten. Und außerdem war damals das Dorf überhaupt noch nicht vorhanden. Daher bleibt unter geschichtlichen Aspekten nur noch festzustellen, dass Ginderich und sein Nachbarort Büderich 1850 zu einer Gemeinde zusammengefasst wurden und beide Dörfer seit 1975 nur noch Ortsteile der Stadt Wesel sind.


historische Wohnbebauung

Neben der Wallfahrtskirche haben auch ein paar weitere alte Gebäude längst vergangene Zeiten gesehen. Der historische Häuserbestand in Ginderich hält sich aber in Grenzen und konzentriert sich hauptsächlich in unmittelbarer Nähe der Kirche. An anderen Stellen dominieren dagegen Nachkriegs- und Neubauten eindeutig das Bild des kleinen, rund 2000 Einwohner zählenden Dorfes am nördlichen Niederrhein.





historische Bauernhofgebäude und Kühe am Deich in Werrich und Perrich

Zum Weseler Ortsteil Ginderich gehören auch die beiden nördlich angrenzenden Nester Werrich und Perrich, die ursprünglich reine Bauerschaften waren. Durch die Erschließung einiger kleiner Neubaugebiete für Einfamilienhäuser hat sich der Charakter der Siedlungen allerdings stellenweise ein bisschen erweitert. Man kann sie aber immer noch als Bauerschaften, oder etwas vulgärer ausgedrückt: als Kuhdörfer bezeichnen, zumal ihre jeweilige Einwohnerzahl wohl kaum die 500er-Marke übersteigt. Lange Rede, kurzer Sinn: In Perrich und Werrich dominieren immer noch in erster Linie Bauernhöfe und landwirtschaftlich genutzte Flächen das Ortsbild. Recht malerisch in Perrich ist übrigens die Straße Auf dem Sand, die auf der einen Seite von meist giebelständigen Häusern und auf der anderen Seite vom Rheindeich gesäumt wird, wie man auf dem folgenden Foto sehen kann.


Straße Auf dem Sand in Perrich


Stillgewässer im Rheinvorland bei Perrich

Da Werrich und Perrich, wie schon angedeutet, unmittelbar am Rheindeich liegen, wird ihr Landschaftsbild natürlich auch von Deutschlands berühmtesten Fluss bzw. dem so genannten Rheinvorland geprägt. Eine Informationstafel am Deich in Perrich weist auf die Bedeutung des Hochwasserschutzes und die Methoden der Deichunterhaltung hin, zu denen auch die Beweidung mit Schafen zählt. Außerdem kann man auf der Tafel erfahren, dass "der Deich selbst und die rheinwärtigen Vorlandflächen Teil des Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein sind und ... zum Naturschutzgebiet (NSG) erklärt wurden. Das NSG Rheinaue zwischen Büderich und Perrich dient der Erhaltung und Entwicklung einer naturnahen regelmäßig überfluteten Rheinaue mit Feuchtbiotopen und anderen auentypischen Lebensräumen." Der Abschnitt Perrich dieses Naturschutzgebietes setzt sich aus Grünland und einem rund 35 ha großem baumumstandenen Stillgewässer zusammen. Wie in der unmittelbar westlich angrenzenden Auenlanschaft Bislicher Insel tummeln sich hier Scharen von Wasser-, Wat- und Wiesenvögeln, darunter auch der Kiebitz, der als inoffizielles Wappentier von Ginderich eine besondere lokale Verehrung genießt. Was der Kiebitz vom 320 Meter hohem Mast des Senders Wesel unmittelbar südlich des eben erwähnten Stillgewässers hält, ist dem Autoren dieser Website nicht bekannt. Auf jeden Fall ist dieses schlanke turmartige Gebilde in roten und weißen Farben das höchste Bauwerk in Nordrhein-Westfalen.


Kiebitz auf einem Ortseingangsschild von Ginderich, der so genannte Sender Wesel und der Rhein bei Perrich


Landschaft vorm Rheindeich

 

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