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  XANTEN - BIRTEN

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Das Dorf Birten bei Xanten

Das beschauliche Dorf Birten befindet sich nur wenige Kilometer südlich von Xanten. Zwischen beiden Orten erhebt sich eine mäßig hohe eiszeitliche Endmoräne, der so genannte Fürstenberg. An den Fuß dieses lang und sanft abfallenden Hügels schmiegt sich das heutige kleine 1700-Einwohner-Dorf.


Blick von Birten aus auf das Gelände des Fürstenbergs

Wie im benachbarten Xanten lässt sich auch hier die Siedlungsgeschichte über 2000 Jahre zurückverfolgen. Sie wird am nordwestlichen Ortsrand sogar noch direkt erlebbar: Dort befinden sich nämlich die imposanten Überreste eines in Holz-Erde-Technik errichteten Amphitheaters, das wohl in der Zeit um 50 n. Chr. entstanden sein dürfte. Dass es die Wirren der Zeit überdauert hat, liegt wohl in einer gewissen religiösen Ehrfurcht begründet, denn der Heilige Viktor soll hier angeblich sein Martyrium erlitten haben. Das Amphitheater war ursprünglich Teil einer römischen Lagersiedlung, die im Vorfeld des bedeutenden Militärstützpunktes Vetera angelegt wurde. Dieser Militärstützpunkt, der ab 10 n. Chr. sogar mit 2 Legionen belegt war, hatte schon seit der mittleren Regierungszeit des Augustus auf dem Gelände des unmittelbar angrenzenden Fürstenberges bestanden. Während des Bataveraufstandes 70 n. Chr. wurden Vetera und die Lagersiedlung zerstört. Danach wurde das Militärlager nicht mehr an seinem ursprünglichen Ort wieder aufgebaut. Stattdessen errichtete man einen neuen Militärstützpunkt auf dem Gebiet der heutigen Bislicher Insel. Dieses Legionslager im nahen östlichen Vorfeld des heutigen Birten, das man Vetera II nennt, lässt sich bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts nachweisen. Von beiden Militärlagern ist leider nichts mehr sichtbar. Dazu haben vor allen Dingen Steinraub seit der Antike und die zerstörerische Kraft des nahen Rheins erheblich beigetragen. Immerhin bleibt festzustellen, dass die für Archäologen verwertbaren Fundamente von Vetera I immer noch auf dem Fürstenberg unter dem heutigen Ackerland liegen. Somit können in unseren Tagen nur noch Informationstafeln auf dem Fürstenberg den Wanderer oder Radfahrer auf den geschichtsträchtigen Ort hinweisen.

  
Amphitheater Birten und Informationstafel auf dem Fürstenberg

Auf dem Fürstenberg wurde 1620 die berühmte Grabstele des Zenturionen M. Caelius gefunden, der 9 n. Chr. in der so genannten Varusschlacht gefallen war. Eine Kopie dieses bedeutenden archäologischen Zeugnisses steht auf dem kleinen zentralen Platz vor der Dorfkirche in Birten. Ein paar Schritte entfernt wurde 1980 ein hübscher Brunnen eingeweiht. Das bemerkenswerte wasserspendende Kunstwerk wurde in in der Form einer hohen Säule mit abschließender Statue des Heiligen Viktor gestaltet. An den Heiligen, der ja angeblich im nahen Amphitheater ums Leben gekommen sein soll, erinnert auch der Name der Dorfkirche. Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt die St.-Viktor-Kirche einem Neubau aus dem Jahre 1905 und den Wiederinstandsetzungsmaßnahmen nach erheblichen Zerstörungen am Ende des 2. Weltkrieges. Zu den schönsten Ausstattungsstücken im Inneren zählen mehrere mittelalterliche Skulpturen. Die Geschichte der Birtener Pfarrkirche reicht natürlich weit über das Jahr 1905 zurück. Ihr heutige Stelle ist noch nicht einmal ihr ursprünglicher Standort, denn bis in die Neuzeit hinein mussten sich Kirche und Dorf mehrmals einen neuen Platz suchen, der vor den Hochwassern des Rheins und der bis 1800 recht häufigen Verlagerung seines Flussbettes nicht bedroht wurde.


Caeliusstein, Viktorbrunnen und Kirche St. Viktor in Birten

Heute verläuft der Rhein rund zwei Kilometer von Birten entfernt. Wie nah der berühmte Strom einst an dem Dorf vorbeifloss, zeigt der mächtige Altrheinarm, der sich unmittelbar nördlich der Ortsgrenze ausbreitet. Dieser Altrheinarm ist Teil einer herrlichen Auenlandschaft, die sich zwischen Xanten, Ginderich und Birten erstreckt und Bislicher Insel genannt wird. Vögel, die auf Feuchtgebiete angewiesen sind, finden hier einen idealen Brut- und Rückzugsraum.


Altrheinarm

In den eben erwähnten Altrheinarm mündet der so genannte Winnenthaler Kanal, der Birten in seinem östlichen Neubaugebiet durchquert. An diesen Kanal wurde im 19. Jahrhundert die Johannismühle mit einem unterschlächtigen Wasserrad erbaut. Unterschlächtig bedeutet übrigens, dass das Wasser im unteren Bereich des Rades auf die Schaufeln trifft. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten im Dorf zählen außerdem das recht imposante Haus Lau und der alte Friedhof. Auf dem alten Friedhof stand bis 1905 die barocke Pfarrkirche, bis sie durch oben erwähnten Neubau an höherer Stelle ersetzt wurde. Ihre Grundfläche wird durch ein Kiesbett auf dem alten Friedhof nachgezeichnet.


Johannismühle, Haus Lau und alter Friedhof mit Grundriss der alten Pfarrkirche

Etwas 2 Kilometer südlich von Birten liegt Haus Winnenthal, eine ehemalige Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert. Die dreiflügelige backsteinsichtige Vorburg mit zwei imposanten Eckrundtürmen und der heute weiß geschlämmte Nordostflügel der einstigen Kernburg haben sich noch erhalten. In die ursprüngliche Bausubstanz der Burg ist aber im Laufe der Zeit häufig eingegriffen worden. In der Zeit um 1600 ließ beispielsweise die damalige Besitzerfamilie die wehrhafte Burg in ein Barockschloss umgestalten. Der hufeisenförmige Wirtschaftshof vor der Vorburg stammt aus dem 19. Jahrhundert, als die ehemalige Burg schon längst in eine landwirtschaftlich genutzte Anlage überführt worden war. Und in unseren Tagen wird Haus Winnenthal als Seniorenresidenz genutzt.


Haus Winnenthal - Ansichten der Vorburg

Haus Fürstenberg befindet sich auch etwas außerhalb von Birten auf dem oben schon angesprochenen gleichnamigen Hügel. Der gelb angestrichene Putzbau wurde um 1850 inmitten einer herrlichen Landschaft errichtet. Die imposante Hauptfassade ist siebenachsig gegliedert, wobei die mittleren drei Achsen durch einen etwas hervortretenden übergiebelten Risaliten betont werden. Seinen schlossähnlichen Charakter verdankt das alte Gemäuer besonders seinen Türmchen. Direkt an die Gärten von Haus Fürstenberg grenzt die Kreuz- bzw. Quirinuskapelle. Der backsteinsichtige, mit einem Dachreiter und geschwungenem Giebel geschmückte Sakralbau wurde 1672 auf dem Gelände eines zerstörten mittelalterlichen Klosters errichtet. 1699 erhielt er schließlich im wesentlichen sein heutiges Aussehen.

   Haus Fürstenberg und Kreuzkapelle  

 

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