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  XANTEN - BISLICHER INSEL

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Ein paar Informationen zur Bislicher Insel

Fangen wir mit den alten Römern an: Das antike Doppellegionslager Vetera I auf dem Fürstenberg unmittelbar nördlich des Dorfes Birten wurde im Jahre 70 n. Chr. während des Bataveraufstandes zerstört und nicht wieder instand gesetzt. Sein Standort und sein Aufbau kann durch Bodenfunde eindeutig und sehr genau bestimmt werden. Dagegen lässt sich das nur mit einer Legion besetzte Lager Vetera II, das im Zuge der Reorganisation der römischen Grenzverteidigung am Rhein unmittelbar nach der der Niederschlagung des Aufstands errichtet wurde, nicht mit letzter Gewissheit lokalisieren, geschweige denn rekonstruieren. Mittlerweile nimmt man aber aufgrund diverser Bodenfunde und logischer Schlussfolgerungen an, dass es auf dem Gebiet der heutigen Bislicher Insel gelegen haben muss. Fundamentreste des Lagers konnten freilich nicht gefunden werden, denn die mehrfachen Flussbettverschiebungen des Rheins seit dem Hochmittelalter, die zur Entstehung eines Mäanders, oder genauer gesagt: zur Entstehung der so genannten Bislicher Schlinge beigetragen haben, haben am vermuteten Standort des antiken Militärlagers zu gewaltigen Bodenerosionen geführt. Mit anderen Worten: Da man auch an anderen Orten im Xantener Raum keine Fundamentreste von Vetera II finden kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass das einstige Legionslager auf dem Gebiet der heutigen Bislicher Insel, und zwar vermutlich zwischen den Dörfern Birten und Beek lag, seine letzten Spuren aber vom Rhein weggespült bzw. bis zur Unkenntlichkeit verwischt wurden. Der sich seit ungefähr 1200 ausbildenden und immer weiter nach Süden und Westen vorarbeitenden Bislicher Schlinge fielen auch mehrere ehemalige Standorte von Birten zum Opfer, bis das Dorf schließlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an seiner heutigen Stelle auf dem Fürstenberg neu angelegt wurde. Birten blieb immer linksrheinisch, wogegen seine ehemaligen Standorte und das Gebiet der heutigen Bislicher Insel im 18. Jahrhundert auf der rechten Seite des Rheins lagen und damals auf dem Landwege nur von Bislich erreicht werden konnten.

1788 wurde zum Zwecke der Rheinbegradigung zwischen den beiden nördlichsten Punkten der Bislicher Schlinge ein Kanal gegraben. Der so genannte Bislicher Kanal sollte sicherlich nicht nur den Schifffahrtsweg verkürzen, sondern auch verhindern, dass sich die Schlinge noch weiter nach Süden und Westen vorarbeitet. Nach mehreren Hochwassern verbreiterte sich der künstlich angelegte Wasserweg und bildet schließlich seit etwa 1800 die Hauptstromrinne des Rheins. Von der Bislicher Schlinge ist dagegen mittlerweile nur noch der südliche Abschnitt vorhanden, der als Xantener Altrhein bezeichnet wird. Wie dem auch sei: Mit der Anlage des Kanals im Jahre 1788 ist die von allen Seiten umflossene Bislicher Insel entstanden. Allerdings muss man auch feststellen, dass durch die Verlandung der rheinnahen nördlichen Abschnitte der Schlinge, die schon im frühen 19. Jahrhundert einsetzte, man heute eigentlich nicht mehr von einer Insel sprechen kann.


Altrheinarm

Geblieben ist jedoch - wie schon gerade erwähnt - der südliche, halbkreisähnliche Abschnitt des alten Rheinarms. Fast sein gesamter Verlauf steht seit 1940 mitsamt einem schmalen Streifen ufernaher Vegetation unter Naturschutz. Obwohl man sich auch schon früher der besonderen Bedeutung und Schönheit des Naturraums Bislicher Insel bewusst war, konnte nicht verhindert werden, dass von der Mitte der 1920iger bis weit in die 1960iger Jahre die Sand- und Kiesbagger zwischen dem gebogenen Altrheinarm wüteten und infolgedessen viele künstlich angelegte Gewässer, d. h. Baggerlöcher, entstanden sind. Ja, man kann sogar folgendes behaupten: Das Kieszeitalter auf der Bislicher Insel, die 1983 größtenteils unter Naturschutz gestellt wurde, fand erst im Jahre 1993 seinen endgültigen Abschluss, als der letzte Auskiesungsantrag abgeschmettert wurde. Außerdem wurden die Flora und Fauna der Auenlandschaft bis etwa 1990 durch zwei Campingplätze mit fast 1000 Stellplätzen erheblich gestört.

Diese für die Auenlandschaft Bislicher Insel schlechten Zeiten sind mittlerweile vorbei und dem Naturschutz wird heute endlich oberste Priorität eingeräumt. Dazu zählt natürlich nicht nur die Ausweisung der Flächen als Naturschutzgebiet. Vielmehr wurden verschieden Maßnahmen zum Zwecke der Renaturierung und zum Schutz der Flora und Fauna erfolgreich durchgeführt. Einige Beispiele seien genannt: Asphaltierte Wege wurden entfernt, Flutmulden angelegt, die Steilufer der Baggerseen abgeflacht, Bieber angesiedelt und der Zugang für Menschen erheblich beschränkt, andererseits aber Beobachtungskanzeln zur störungsarmen Naturbeobachtung aufgestellt. Jetzt fühlen sich Gänse, Störche, Reiher und viele andere Brutvogelarten wieder richtig wohl auf der Bislicher Insel. Von den neuen Verhältnissen profitieren auch die Nutztiere des Menschen: Viele glückliche Kühe können sich nämlich nun auf der Insel über ihre ausschließlich extensive Haltung freuen. Das Grünland des Naturschutzgebiets wird also auch noch stellenweise landwirtschaftlich genutzt.

Wer sich intensiver mit der Bislicher Insel und ihrem Lebensraum beschäftigen möchte, kann sich z. B. zuerst das sehr informative und großzügig bebilderte Buch "Bislicher Insel: Natur und Kulturlandschaft im Strom der Zeit" vom Regionalverband Ruhr zulegen. Nach der Lektüre ist man für einen Besuch des Naturschutzgebiets schon recht gut gerüstet. Letzte Fragen können direkt am Ort des Geschehens im Naturforum Bislicher Insel geklärt werden, das sich mit seiner Dauerausstellung "Auengeschichten" an zentraler Stelle in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Gehöft befindet. Das Naturforum ist auch ein hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen oder Radfahrten durch das Naturschutzgebiet und seine Umgebung. Wenn man sehr viel Zeit hat, kann man nach der Erkundung der Bislicher Insel z. B. noch mit dem Rad über Ginderich bis nach Büderich und wieder zurück fahren.


Naturforum Bislicher Insel

Eine weitere besondere, ebenfalls sehr besuchenswerte Landschaft zwischen Rhein und Maas ist übrigens der Nationalpark De Maasduinen auf dem Gemeindegebiet des rund 40 Kilometer entfernten Bergen.



 

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