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Orte am unteren Niederrhein:

  GEMEINDE XANTEN

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Nachdem die Römer in der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts auch die nördlichen linksrheinischen Gebiete erobert hatten, legten sie wenige Jahre vor der Zeitenwende auf einem strategisch bedeutsamen Hügel am Rhein, dem heutigen Fürstenberg südlich von Xanten, ein großes Legionslager an. Im Schutze dieses Lagers, das man Vetera nannte, stand eine kleine, rund einen Kilometer entfernte Zivilsiedlung, die wahrscheinlich den Namen Cibernodurum trug.


Archäologischer Park: rekonstruierte Stadtmauer der antiken Colonia Ulpia Traiana

Die Zerstörung des Legionslagers während des Bataver-Aufstandes 70 n. Chr. hätte eine wirtschaftliche Talfahrt, wenn nicht sogar das Ende der prosperierenden Zivilsiedlung zur Folge haben können. Dazu kam es allerdings nicht, denn das Legionslager wurde am Fuße des Fürstenberges wieder aufgebaut. Ja, man schenkte der Zivilsiedlung nun noch mehr Aufmerksamkeit, indem man sie um 100 n. Chr. in den Rang einer Colonia erhob, was heute einer Stadtrechtsverleihung entsprechen würde. Von da an hieß die Siedlung, die man auch als die erste und älteste Stadt am nördlichen Niederrhein bezeichnen könnte, bis zu ihrer vollständigen Zerstörung in der Spätantike Colonia Ulpia Traiana.


rekonstruiertes Burginatium-Tor


Relief in Xanten mit Szenen aus Siegfrieds Leben

Der Name des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus verbindet sich mit dem antiken, der Namen des Siegfrieds mit dem mittelalterlichen Xanten, in dem der Held des Nibelungenliedes seine Kindheit und Jugend verbracht haben soll. Die mittelalterliche Stadt wurde direkt neben der römischen Stadt über ein antikes Gräberfeld gebaut, wobei man die Ruinen der Colonia Ulpia Traiana als Steinbruch nutzte. Über dem Doppelgrab zweier christlicher Märtyrer hatte man schon vorher einen ersten einfachen Kirchbau errichtet. Da man diese Märtyrer als Heilige betrachtete, nannte man die mittelalterliche Siedlung demgemäß den Ort bei den Heiligen, was lateinisch (oppidum) ad sanctos heißt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich aus ad sanctos schließlich durch kleinere Lautveränderungen der heutige moderne Namen Xanten.

Heilige Viktor

Die Verehrung dieser Märtyrer, insbesondere des Heiligen Viktors, führte schon im Frühen Mittelalter zur Gründung eines Kanonikerstifts in Xanten, dessen berühmtestes Mitglied später der Heilige Norbert, der Gründer des Praemonstratenserordens, werden sollte. Die oben schon erwähnte kleine Märtyrerkapelle wurde im Laufe der Zeit durch immer aufwändigere Stiftskirchen ersetzt. Die heutige Kirche, die auch Viktorsdom oder Xantener Dom genannt wird, ist eine doppeltürmige und fünfschiffige Basilika, die teils romanische, im wesentlichen aber gotische Stilelemente aufweist.


Norbert-Denkmal

Die Existenz eines bedeutenden Kanonikerstift und die verkehrsgünstige Lage am Rhein bewirkten, dass im mittelalterlichen Xanten die Wirtschaft florierte und die Bevölkerungszahlen erheblich stiegen. Dieser Erfolg wird wohl einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entscheidung des Kölner Erzbischof im Jahre 1228 ausgeübt haben, Xanten das Stadtrecht zu verleihen. In der Folgezeit wurde eine Stadtbefestigung errichtet, die in Teilen noch erhalten ist. Von den einst 5 Stadttoren steht heute noch das mächtige Klever Tor, eine Doppeltoranlage vom Ende des 14. Jahrhunderts. Die nahe liegende Kriemhildmühle ist ein umgebauter, ehemaliger Stadtmauerwehrturm.


Haupt- und Vortor des Klever Tor, Kriemhildmühle

Der wirtschaftliche Niedergang Xantens im 16. und 17. Jahrhundert hatte im wesentlichen zwei Gründe: Einerseits hatte der Rhein sein Flussbett verlagert und floss nicht mehr unmittelbar an der Stadt vorbei, andererseits blieb Xanten nicht von den verheerenden Auswirkungen des Spanisch-Niederländischen Krieges zwischen 1568 und 1648 verschont.
1614 gelangt aufgrund des so genannten Vertrages von Xanten das Herzogtum Kleve und somit auch die Siegfriedstadt in den Herrschaftsbereich der Brandenburger bzw. Preußen. 1794 wurde die Stadt wie der gesamte Niederrhein von französischen Truppen besetzt. In der Franzosenzeit, die bis zum Wiener Kongress 1814/1815 dauerte, wurde der Viktorsstift säkularisiert. Danach übernahmen wiederum die preußischen Könige die Landesherrschaft.


Xanten: Kanonikerhaus, evangelische Kirche und ehemaliges Kartäuserkloster

1945 wurde Xanten in erheblichen Teilen zerstört. Auch der Dom, dessen Innenausstattung glücklicherweise fast vollständig gerettet werden konnte, erlitt schwerste Schäden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er in einem gewaltigen finanziellen Kraftakt wiederhergestellt. Unmittelbar um den Viktorsdom herum stehen noch eine Vielzahl schöner ehemaliger Kanonikerhäuser im ehemaligen Stiftsbezirk, den man vom Marktplatz aus durch ein großes Torgebäude, das Michaelstor, betritt. Am großflächigen Marktplatz selber stehen noch ein sehenswertes gotisches Bürgerhaus, ein barocker Gartenpavillon eines Kanonikers und die evangelische Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Im gleichen Jahrhundert wurde auch das heute noch erhaltene Gebäude des Kartäuserklosters mit seinen geschwungenen Giebeln und achteckigem Treppenturm errichtet.

1977 öffnete der Archäologische Park seine Pforten, der als Freizeit- und Bildungspark u. a. mit rekonstruierten Bauten und einem großen Museum die Colonia Ulpia Traiana bzw. das antike Xanten teilweise wieder entstehen lässt. Ein paar Jahre später schließlich wurde vor den Toren der Stadt ein weiteres großes Freizeitzentrum mit Bade- und Wassersportmöglichkeiten der Öffentlichkeit übergeben. Neben dem so genannten Mittelstand ist also der Tourismus der wichtigste Arbeitgeber im staatlich anerkannten Erholungsort Xanten.


Römermuseum im Archäologischen Park


Michaelstor am Marktplatz

Etwas mehr als 20000 Einwohner zählt die Siegfriedstadt heute mit ihren eingemeindeten Dörfern in der Umgebung, die ebenfalls über einige bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten verfügen. Das 1969 eingemeindete Marienbaum, ein typisches Dorf am Niederrhein nordwestlich von Xanten, ist ein alter Pilgerort. Die Wallfahrtskirche St. Mariae Himmelfahrt stammt in ihren ältesten Teilen noch aus dem Mittelalter. Burg Winnenthal, ein imposanter alter Adelssitz aus Backstein südlich von Xanten an der Weseler Straße, wurde ebenfalls im Mittelalter erbaut. In der Gegend zwischen Xanten und Burg Winnenthal kommt der Naturfreund auf seine Kosten: Hier liegen die Hees, ein hügeliges Waldgebiet, und die Bislicher Insel, eine Auenlandschaft mit einem alten Rheinarm. An den Altrheinarm grenzt der Ortsteil Birten. Früher befand sich in der unmittelbaren Umgebung des Dorfes das oben schon erwähnte römische Legionslager Vetera, von dem sich das kleine Amphitheater in seinen Grundstrukturen am heutigen Ortsrand erhalten hat.

 
In den anderen Ortsteilen von Xanten: Burg Winnenthal, Wallfahrtskirche Marienbaum und Altrheinarm bei Birten
mit Blick auf die Bislicher Insel


Lüttinger Knabe und St. Pantaleon in Lüttingen


St. Willibrord in Wardt und St. Martin in Vynen


Rhein bei Xanten-Obermörmter

Neben Marienbaum und Birten gehören noch vier weitere kleine Dörfer zur Gemeinde Xanten:
Lüttingen, Wardt, Vynen und Obermörmter.

Vier Fischer aus dem Dorf Lüttingen entdeckten 1858 am Rheinufer eine antike römische Statue eines Jungens, der heute unter dem Namen Lüttinger Knabe bekannt ist und dem Ort somit eine kleine welthistorische Bedeutung zumisst. Eine Kopie dieser Statue hat man übrigens ein paar Schritte von der mittelalterlichen Pfarrkirche St. Pantaleon entfernt aufgestellt.

In Wardt und Vynen stehen auch zwei schöne alte Dorfkirchen: St. Willibrord und St. Martin. Wardt hat sich noch weitgehend seinen historisch gewachsenen dörflichen Charakter mit recht idyllischen Eindrücken bewahrt. Beide Orte befinden sich übrigens unmittelbar an der so genannten Xantener Nord- und Südsee, einem großen Freizeitzentrum für Wassersport und Badespaß, auf das schon oben kurz hingewiesen wurde.


Xantener Südsee bei Wardt

Das winzige Dörfchen Obermörmter, eine ehemalige Fischersiedlung mit heute rund 500 Einwohnern, besticht besonders durch seine direkte Lage an einem Rheinbogen. Von der kleinen Rheinpromenade aus hat man eine schöne Aussicht auf die herrliche Landschaft des Niederrhein.

Nützliche Links:

http://www.xanten.de   Archäologischer Park   http://www.marienbaum.de   Freizeitzentrum

 

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